
23.01.08: Interview mit "Psychocoach" Andreas Winter:
"Wir wollen Erfüllung durch das Gefühl, uns im anderen wiederzufinden." Nach Ansicht des Diplom-Pädagogen Andreas Winter, Autor des Psychocoach-Ratgebers "Liebe, Sex und Partnerschaft. Warum Erfüllung so einfach sein kann!", ist die eigene Beziehung "eine Aktie, deren Wert man selbst steigert: durch Liebe". Ein Gespräch über Partnerschaft und Liebe.
Herr Winter, wie kommen Sie dazu, das große Thema "Liebe, Sex und Partnerschaft" aufzugreifen?
Winter: Eine unglückliche Partnerschaft ist in unserer Gesellschaft häufiger anzutreffen als eine erfüllte. Nicht nur dass wir hier ein ernstes gesellschaftliches Problem mit hohem Leidensdruck haben - eine unglückliche Beziehung kann die Ursache sein für Krankheitsanfälligkeiten und Verbrechen.
Für mich als Gesundheitsberater wurde es höchste Zeit, Auswege aus dem Unglück oder der Einsamkeit aufzuzeigen.
Ist es nicht ein sehr individuelles Problem, ob man eine Partnerin bzw. einen Partner findet? Das ist doch manchmal reine Glückssache?
Winter: Richtig ist, dass das Problem sehr individuell ist. Jeder Mensch hat andere Vorlieben und Interessen, doch auf einer bestimmten Ebene sind wir alle gleich: Wir wollen Erfüllung durch das Gefühl, uns im anderen wiederzufinden. Jedoch ist es genauso wenig Glückssache, einen Partner zu finden wie beispielsweise ein persönliches Lieblingslied; unsere innere Aufmerksamkeit filtert aus Tausenden von Musikstücken eines heraus, das besonders zu uns passt. Man muss sich dazu aber öffnen und umhorchen. Doch dann zieht man an, worauf man seine "Antennen" eingestellt hat. Bei einer so komplexen Angelegenheit wie der Partnersuche wirken unsere unterbewussten "Suchmaschinen" ebenso im Hintergrund. Doch diese Suchmaschinen sind sehr oft falsch eingestellt.
Was sagen Sie Leuten, die in einer unglücklichen Beziehung leben?
Winter: Meist halten sie sich für Opfer: Der Partner wäre nicht verständnisvoll genug, oder man selbst wäre durch äußere Umstände oder was auch immer benachteiligt. Dass man oft genug selbst der Schlüssel zum eigenen Unglück ist und es damit wieder zum Guten wenden könnte, auf diese Idee kommt kaum jemand.
Was raten Sie Eltern von pubertierenden Jugendlichen?
Winter: Die Pubertät ist der Abschnitt, in dem die Kinder merken, dass Sie kein Kind mehr sind, und die entsprechenden Rechte einfordern. Ich rate den Eltern: Respektieren Sie Ihre Kinder wie Untermieter und geben Sie ihnen genug Vorschussvertrauen und Verantwortung. Die Pubertätsrevolte richtet sich als Gegendruckmaßnahme immer nur gegen subjektiv empfundene Bevormundungen. Kein Druck - kein Gegendruck.
Wie soll man in der eigenen Beziehung glücklich, zufrieden und angstfrei sein, wenn man überall nur mit Idealisierungen oder Horrorgeschichten konfrontiert wird?
Winter: Das Wichtigste ist, sich selbst zu lieben. Wer sich selbst nicht für einen tollen Partner hält, wird dieses Prädikat erst recht nicht von jemand anderem bekommen. Die größte Horrorgeschichte ist meiner Ansicht nach eine erniedrigende Erziehung, die uns immer das Gefühl gibt, wir wären wertlos und unvollkommen. Diese Erfahrungen formieren sich zu Glaubenssätzen und führen damit oft zu Überkompensation. Eifersucht, Misstrauen, emotionale Erpressung und Wut sind dann die Folge. Die eigene Beziehung ist eine Aktie, deren Wert man selbst steigert: durch Liebe.
Ist es wirklich so einfach?
Winter: Ja, der Weg zur erfüllten Partnerschaft führt darüber, dass man sich selbst gut kennenlernt und liebt und dann den anderen gut kennenlernt und dessen Eigenschaften liebt. Außerdem ist es niemals ratsam, in einer aussichtslosen und vertrauenslosen Partnerschaft passiv zu verharren. In diesem Fall ist meist eine Trennung der Schlüssel zum Glück.
Heutige Familien sind oft Teil-Familien oder Patchwork-Familien mit schwierigen Hintergrundgeschichten. Wie können Kinder da ein selbstbewusstes und funktionierendes Rollenmodell von den Eltern lernen?
Winter: Eltern denken, sie müssten Kinder stets aktiv erziehen, doch das stimmt nicht. Kinder sind hervorragende Modell-Lerner und können gut unterscheiden zwischen Personen und Umständen. Sie schauen sich von uns ab, wie wir grundsätzlich unser Leben meistern. Wenn Eltern ihre Probleme einvernehmlich lösen, Missverständnisse klären und ihre Aufgaben angehen, können Kinder von ihnen lernen, selbst ihr Leben erfolgreich zu gestalten. Das hängt nicht davon ab, in welcher Familien-Konstellation die Kinder aufwachsen.
Was meinen Sie mit dem Satz "Wir heiraten unsere Eltern"?
Als Kinder erleben wir oft, dass unsere Harmonie zu einem unserer Elternteile gestört ist. Um diese "alte Baustelle" zu beenden, suchen wir uns dann ganz unbewusst einen Partner, der mit jenem Elternteil einige negative Eigenschaften gemeinsam hat. So ziehen Frauen, die einen cholerischen und ungerechten Vater hatten, oft einen ungerechten und verständnislosen Partner an, nur um diesem dann zu zeigen, dass sie es doch wert sind, geliebt zu werden. Männer, die eine gefühlskalte und rigide Mutter erlebten, versuchen mittels einer aalglatten und perfektionistischen Partnerin aufzulösen, was die Mutter dem Sohn versehentlich an Liebesentzug angetan hat. Dass man mit einem solchen Partner keine Erfüllung finden kann, sondern bestenfalls Absolution, liegt auf der Hand. Macht man dieses Muster bewusst, ändert sich auch die Affinität zu einem Partner und man kann dann den Menschen finden, der mit einem gemeinsam stark ist.
Was würden Sie jemandem raten, der nicht länger Single sein will?
Winter: Werde dir deiner Eigenschaften klar, finde heraus, was du eigentlich willst, fang an, dich selber zu lieben. Dann verlasse deine Bude und zeige dich dort, wo der Traumpartner zu erwarten ist ...
... Und was würden Sie einem Menschen empfehlen, der in einer festen, aber belasteten Beziehung steckt und diese nicht aufgeben will?
Winter: Gib deinem Partner eine neue Chance. Lerne ihn neu kennen, so als gäbe es ihn erst seit gestern. Verzeih ihm alles, als seist du frisch verliebt. Mit der Starthilfe-CD in meinem Buch führe ich die Menschen auf genau diesen Weg.
Mit seiner Buchreihe "Der Psychocoach" will Andreas Winter die breite Öffentlichkeit von seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren lassen. Der 41-jährige Diplom-Pädagoge arbeitet als psychologischer Berater in seinem Institut Powerscout in Dortmund. Seine Methode umfasst die Techniken der tiefenpsychologischen Analyse, Elemente der Neurolinguistischen Programmierung (NLP) und das Arbeiten mit bildhaften Vorstellungen.
Mit seinem ersten Psychocoach-Ratgeber "Nikotinsucht - der große Irrtum" sorgte er im Mai 2007 für großes Aufsehen und wurde deutschlandweit bekannt; auch sein 2. Band "Heilen ohne Medikamente" erfreut sich reger Nachfrage. Sein dritter Band "Abnehmen ist leichter als Zunehmen" wurde zum Verkaufsschlager (u. a. Top-10-Ratgeber bei Amazon im Nov. 2007 und Platz 2 der Themen-Bestsellerliste "Psychologie" - siehe "buchreport.express" v. 13.12.2007).
Informationen zur Buchreihe:

Unser Tipp: Den Ratgeber "Liebe, Sex und Partnerschaft. Warum Erfüllung so einfach sein kann!" können Sie (inklusive Audio-Starthilfe-CD) für 14,95 Euro im Buchhandel oder über unser Bestellformular erwerben.