
10.12.06: Interview mit Angelika Gräfin Wolffskeel von Reichenberg
Nahrung als Heilmittel: Ein Gespräch mit der renommierten Heilpraktikerin und Bestseller-Autorin Angelika Gräfin Wolffskeel von Reichenberg, Autorin des Ratgeber-Buches "Deine Nahrung sei dein Heilmittel - Ernährung im Biorhythmus".
Was verstehen Sie unter gesunder Ernährung?
Wolffskeel: Gesunde Ernährung bedeutet, sich mit lebendigen, naturbelassenen Lebensmitteln, frei von Konservierungsstoffen usw., möglichst aus der heimischen Region und immer frisch zubereitet zu ernähren.
Warum lehnen Sie denaturierte, genmanipulierte, mit Zusatzstoffen versehene und Fast-Food-Nahrung ab?
Wolffskeel: Derartige Nahrung irritiert unsere Stoffwechselvorgänge. Nicht nur für Allergiker wird Gentech-Nahrung zunehmend zum "Russischen Roulette"! Konservierungsmittel konservieren z. B. unsere Krankheiten, so wie sie dies bei Lebensmitteln tun. Weichmacher machen unsere Knochen, unser Muskelgewebe und unsere Zellen weich und "gefügig"; dadurch kann es z. B. zu Störungen im Knochenaufbau kommen. Wenn Zellen durchlässig werden, sind wir schwach, weil uns Körperflüssigkeiten verloren gehen, die wir zur Spannkraft benötigen. Zu etwaigen Geschmacksverstärkern: Haben wir kein Recht, unseren eigenen Geschmack zu entwickeln?
Nur im ökologischem Landbau gewachsene Lebensmittel verdienen diesen Namen - Mittel, um zu Leben. Damit verbunden ist ein schonender, artgerechter und individueller Anbau in der jeweiligen Region. Da die Lebensmittel an die jeweiligen Bodenverhältnisse angepasst sind, werden sie mit Nährstoffen versorgt und können per Photosynthese eigene Stoffwechselschritte einleiten. Dann liegen uns die Nährstoffe in verdaubarer Form vor.
Lebensmittel aus biologischem Anbau sind immer auch wertvolle Lichtbringer: In ihnen ist das gesamte Spektrum der Regenbogenfarben gespeichert und wird uns im Verdauungsvorgang abgegeben. Voll ausgereiftes Obst und Gemüse sorgt zudem dafür, dass wir nicht übersäuern.
Derartiger Landbau ist nicht nur unserer Gesundheit zuträglich, sondern auch Voraussetzung dafür, den Raubbau an der Natur zu beenden.
"Deine Nahrung sei dein Heilmittel" lautet der Titel Ihres Ernährungsratgebers und ein Satz des berühmten antiken Arztes Hippokrates. Inwiefern ist Nahrung tatsächlich ein Heilmittel?
Wolffskeel: Lebensmittel dienen dem Menschen schon immer als Heilmittel. Mensch und Tier sind auf Nahrungszufuhr angewiesen. Wir wissen etwa, dass Magnesium, welches wir mit dem Essen von Gemüse - hier hat die Pflanze das anorganische Mineral ins Organische gebracht - aufnehmen, dem Menschen hilft, keinen Gasbauch zu bekommen. Und Kieselsäure trägt beispielsweise dazu bei, innerlich nicht zu vereitern.
Sie empfehlen eine Ernährung unter Beachtung des natürlichen Biorhythmus. Was muss man sich darunter vorstellen?
Wolffskeel: Ernährung im Jahreszeitenrhythmus stellt sich auf die jeweiligen Bedürfnisse der Jahreszeit ein und hilft dem Körper, diese Herausforderung - unterstützt durch das jeweilige Organ, das dann in der Hochphase ist - zu meistern.
Ein Beispiel: Im Winter, wenn es draußen kalt und frostig ist, kommen nur wenige frische und lebendige Lebensmittel auf den Tisch. Mit dieser geringen Zufuhr an Vitaminen, Spurenelementen usw. müssen die Nieren, die sich in ihrer jahreszeitlichen Hochphase befinden, den Körper reinigen und entgiften; gleichzeitig findet das kalorienreiche Essen der Weihnachtsbäckerei und der Gans mit Rotkraut und Klößen den Weg auf den Küchentisch, um den Körper - vor allem die Nieren - vor Auskühlung zu schützen. Es ist ganz normal, dass wir im Winter zwei, drei Kilogramm zunehmen. Werden nun jedoch die Nieren kalt, weil wir uns nicht schützen und auch nichts essen, was uns vor Kälte schützt, so leiden die Nieren doppelt und können ihre Leistung nicht optimal entfalten. Wir spüren dies dann u. a. an der berühmten Frühjahrsmüdigkeit. Diese tritt nicht auf, wenn wir im Winter für genügend Ruhe, Rückzug, Wärmendes und gute Ernährung - etwa durch Sauerkraut, Sanddornsaft, Gemüse und einheimisches Obst -, Kräutertees und ausreichenden Schlaf gesorgt haben.
Neben dem Jahreszeitenrhythmus ist natürlich auch der Rhythmus der Tageszeiten zu beachten. Hier gilt: Frühstücke morgens wie ein Kaiser, iss mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann. Leider hält sich heute kaum noch jemand daran. Wenige Menschen sind noch in der Lage, so zu leben; viele wissen gar nicht, dass dies optimal wäre.
Abgesehen davon gilt zu bedenken, dass Säuglinge, Kleinkinder, Kinder, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen ihren jeweils eigenen Rhythmus haben. Ein Säugling kann nicht essen wie ein Erwachsener; er muss sich mit der Entwicklung seiner Organe und seines Köpers erst auf das eine oder andere Lebensmittel einstimmen und sein Immunsystem aufbauen, damit er überhaupt mit dem Angebot an Lebensmitteln fertig werden kann. Das Alter fordert wieder andere Lebensmittel, weil der Köper in seiner Verdauungskraft nachlässt; der alte Mensch liebt die wärmenden Suppen.
Kurzum: Alles im Leben hat seine Zeit.
Bitte skizzieren Sie, wie eine ideale Ernährung im Tagesverlauf aussehen könnte.
Wolffskeel: Damit wir morgens aktiv in den Tag gehen können, benötigt der Körper aktivierende Stoffe wie Calcium, Eisen, Natrium, Eiweiß, Vitamine und Kohlenhydrate. Als sinnvollen Einstieg erachte ich die Haferschleimsuppe - wahlweise mit Bio-Milch oder Wasser gekocht. Danach ein oder zwei Scheiben Brot mit Butter, Marmelade, Honig oder etwas Käse. Zudem empfehle ich, zum Frühstück ein Gläschen milchsauer vergorenen Saft - z. B. Rote Beete - kauend zu trinken, außerdem natürlich Kräutertee oder Getreidekaffee.
Als Zwischenmahlzeit - zwischen Frühstück und Mittagessen - eignen sich ein bis zwei Stücke reifes Obst der Saison.
Versuchen Sie stets, zwischen 12.30 Uhr und 14 Uhr ein warmes Mittagessen einzunehmen. Nach Möglichkeit sollten Sie einen kleinen Salat der Saison - z. B. Blattsalat mit vielen frischen Kräutern - vor dem Hauptgang essen. Jetzt ist die Verdauungskraft am größten.
Zur Kaffeezeit erneuert die Leber ihren Zuckerhaushalt. Nun verlangt der Körper nach Kohlenhydraten, Einfachzucker, Kalium, Vitamin B 2, Kobalt, Mangan, Zink und Pantothensäure. Bis 15 Uhr können Sie Obst verzehren; gegen 16 Uhr genießen Sie ein Stück Kuchen aus biologischen Zutaten und gegen 17 Uhr eine Tasse Kräutertee.
Zwischen 18 und 19 Uhr sollten wir zu Abend essen. Mit dem Abendessen nimmt der Körper nochmals Regenerationsstoffe für die Nacht auf. Wir benötigen nun Magnesium, Kieselsäure, Kupfer, Vitamin A, Vitamin B 6 und Niacin. Besonders empfehlenswert ist eine Gemüsesuppe.
Welche heimischen Lebensmittel empfehlen Sie besonders?
Wolffskeel: Ans Herz legen möchte ich Ihnen - für einen aktivierenden Start in den Tag - den morgendlichen Brei: Dazu wird ein Achtel Liter Quellwasser mit je zwei Esslöffeln feinen Gersten-, Hafer-, Reisflocken oder Leinsamen (gebrochen) auf schwacher Hitze unter Umrühren 25 Minuten geköchelt. Gerne können etwas wärmende Gewürze wie Zimt oder Nelken hinzugefügt werden.
Mein Salat-Tipp: Aus Löwenzahn, Vogelmiere, Gänsefuß, wildem Spinat u. Ä., gesammelt auf ungespritzten Wiesen und Feldern der Umgebung, lassen sich delikate Wildkräutersalate zaubern - mit wertvollen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.
Auf dem Speiseplan stehen sollten natürlich auch viel frisches Gemüse in gedünsteter Form sowie Kartoffeln. Achten Sie jedoch darauf: Rohkost, Salate und tierisches Eiweiß sollten nicht mehr nach 15 Uhr gegessen werden.

Unser Tipp: Das Buch "Deine Nahrung sei dein Heilmittel - Ernährung im Biorhythmus" können Sie für 12,95 Euro im Buchhandel oder über unser Bestellformular erwerben.