
11.05.09: Interview mit Tai-Chi-Lehrerin Barbara Reik
"Für Senioren habe ich aus alltäglichen, bekannten Bewegungen viele lockernde und entspannende Übungen entwickelt, die leicht zu erlernen sind und Freude machen." Die bekannte Tai-Chi-Dozentin und Wellness-Trainerin Barbara Reik gibt in ihrem neuen Ratgeber "Tai Chi für Senioren" ihren großen Erfahrungsschatz in der Anwendung von Tai Chi und Qi Gong zur Verbesserung von Lebensqualität und Beweglichkeit weiter.
Ihr neues Buch beschäftigt sich mit "Tai Chi für Senioren". Worin besteht der besondere Gewinn gerade für ältere Menschen?
Reik: Auch ältere Menschen, die noch nie Sport gemacht haben, können jederzeit mit Tai Chi beginnen. Senioren schätzen die ganzheitliche positive Wirkung auf Körper, Geist und Seele. Mit Tai Chi wird nicht nur der Körper bewegt, auch die Konzentrationsfähigkeit wird gefordert und gefördert. Schon bald stellen sich kleine Erfolgserlebnisse ein: Die körperliche Verfassung verbessert sich spürbar und sichtbar.
In Ihren Kursen haben Sie spezielle Programme für die Arbeit mit Kindern und Senioren entwickelt. Was ist der Unterschied in der Vermittlung von Tai Chi bei diesen beiden Altersgruppen?
Reik: Kinder möchten spielen, Dinge ausprobieren und Spaß haben. Das ganzheitliche Lehr- und Lernsystem "Tai Chi für Kinder" lenkt den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder in den Bereich Gesundheitssport. Körperwahrnehmungs- und Ruheübungen sowie kreative Spiele ergänzen dieses Programm.
Senioren hingegen werden zuerst über die gesundheitlichen Wirkungen und die Geschichte des Tai Chi informiert, damit sie Sinn und Zweck der einzelnen Übungen besser verstehen können. Mein Programm für Senioren basiert auf dem Gedanken des Übens ohne Stress. Deshalb habe ich aus alltäglichen, bekannten Bewegungen viele lockernde und entspannende Übungen entwickelt, die das Tai Chi vorbereiten. Diese sind leicht zu erlernen und machen Freude. Tipps für die Gesundheit und zum Wohlfühlen runden das Seniorenprogramm ab.
Viele ältere Menschen verlieren allmählich ihre Bewegungsfähigkeit. Wie schaffen Sie es, auch bei ernsthaften Beschwerden oder gar Schmerzen zum Mitmachen zu bewegen?
Reik: Da Schmerzen verschiedene Ursachen haben können, ist es wichtig, zunächst vom Arzt abklären zu lassen, ob Bewegung erlaubt ist oder nicht. Wird Bewegung empfohlen, zeige ich einfache Übungen, deren Intensität mit der Zeit gesteigert werden kann. Ganz wichtig ist die Arbeit mit inneren Bildern und positiven Gefühlen. Die Kraft der Imagination lässt die Teilnehmer oft ihre Probleme und Schmerzen vergessen.
Die gesundheitlichen Vorteile des Tai Chi sind wissenschaftlich erwiesen. Welche sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten?
Reik: Für Senioren stehen sicher die Verbesserung des Gleichgewichts und die Sturzprophylaxe an erster Stelle. Aber auch Blutdruck- und Blutzuckerprobleme können durch Tai Chi reguliert werden. Außerdem werden die Beweglichkeit, die Konzentration, die Körperhaltung, die Atmung und das physische und psychische Allgemeinbefinden verbessert.
Gibt es auch Risiken bei Tai Chi? Welche Übungen sind für Senioren weniger geeignet oder bedürfen besonderer Achtsamkeit?
Reik: Sportwissenschaftler haben nachgewiesen, dass im Tai Chi das Verletzungsrisiko sehr gering ist. Senioren werden behutsam mit der Materie vertraut gemacht. Jeder wird dort abgeholt, wo er steht. Zu ihrer Sicherheit erhalten sie genaue Anleitungen zur Ausführung der Übungen.
Schwierige Techniken, wie Kicks oder die tiefe Peitsche, werden vereinfacht und erst dann geübt, wenn die körperlichen Voraussetzungen dafür vorhanden sind.
Können Sie uns einfache Übungen empfehlen, die ältere Menschen auf Anhieb in ihren Alltag integrieren können?
Reik: Eine ganz einfache, aber sehr effektive Übung bei jeglicher Art von Aufregung, bei Herzklopfen und bei Atmungsproblemen: Einfach die Hände reiben und dann beide zwei Fingerbreit unterhalb des Nabels auf den Bauch legen. Machen Sie drei GANZ LANGSAME Atemzüge. Sie können spüren, wie Sie sich entspannen. Bei Konzentrationsschwierigkeiten hilft folgende Bewegung: Heben Sie beide Hände in Kopfhöhe an. Stellen Sie sich vor, Sie würden gleichzeitig rechts und links eine Glühbirne eindrehen. Machen Sie diese "Schraubbewegung" möglichst schnell. Wenn Sie das Gefühl haben, in Watte zu fassen, lassen Sie Ihre Arme sinken und schütteln die Hände locker aus. Nun ist Ihre Gehirnrinde besser durchblutet und Sie können wieder besser denken.

Unser Tipp: Das Buch "Tai Chi für Senioren" können Sie für 14,95 Euro im Buchhandel oder über unser Bestellformular erwerben.