Nach dem erfolgreichen „Psychocoach“-Band „Abnehmen ist leichter als Zunehmen“ legen Sie nun ein gleichnamiges „Praxisbuch“ vor. Was hat Sie motiviert, das Thema erneut aufzugreifen, und wo liegt der Unterschied zum früheren Buch?Winter: Ich bekomme sehr viele Zuschriften auf das genannte Buch von Menschen, die abgenommen haben. Doch manchmal sind darunter auch verzweifelte Hilferufe von Menschen, die das Buch mehrmals gelesen haben und beim Abnehmen dennoch nicht so richtig weiterkommen. Für diese Menschen reicht es nicht, die theoretischen Hintergründe des Übergewichts aufzuzeigen, sie brauchen praktische Tipps und Anleitungen. Mein neues Buch geht also weit über die Theorie meines ersten Abnehmbuchs hinaus, in dem ich aufgezeigt habe, warum man leichter ab- als zunehmen kann. Im Praxisbuch geht es vor allem um das konkrete Wie. Dieses Arbeitsbuch führt den Leser Schritt für Schritt zu einem physiologisch ausgeglichenen Körperfettanteil, ohne dass man sich selbst dabei versehentlich sabotieren kann. Abnehmen ist leichter als Zunehmen, so behaupte ich, und der Leser kann es mit diesem Buch beweisen.
Ebenfalls mit dem Titel „Abnehmen ist leichter als Zunehmen“ ist zudem ein eigenständiges „Coaching-Hörbuch" mit zwei Audio-CDs erschienen. An wen adressiert sich dieses „Live-Coaching“?
Winter: Das Hörbuch richtet sich an all diejenigen, die komplizierte Zusammenhänge am besten in Ruhe und Entspannung vor ihrem geistigen Auge entstehen lassen, um sie zu begreifen. Ein Vorteil liegt darin, dass das Programm auf der CD vom Gehirn anders verarbeitet wird als etwa ein gelesenes Buch. Zudem habe ich als Sprecher die Möglichkeit, mit meinen sprachlichen Betonungen Dinge, die mir persönlich besonders wichtig erscheinen, besser hervorzuheben als beim geschriebenen Wort. Wenn man liest, liest man nur seine eigene Interpretation, man liest mit der „Stimme im eigenen Kopf“. Das Hörbuch gibt die ganze Emotionalität, Lebendigkeit und Leidenschaft wieder, die ich diesem spannenden Thema des mühelosen Abnehmens widme. Obendrein gebe ich dem Hörer im persönlichen Coaching auf der zweiten CD die Möglichkeit, seine Gefühlserinnerungen bewusst zu reflektieren. Diese Effizienz schafft ein Buch nur selten!
Ihre provokante wie überraschende These lautet, dass die Gewichtszunahme gar nichts mit der Ernährung zu tun habe, sondern mit den Emotionen, die an das Essen geknüpft werden. Wie ist das zu verstehen?
Winter: Dass Zunehmen nicht von der Menge an Nahrung abhängt, sondern nur davon, wie wir diese Menge verwerten, ist nicht eigentlich neu. Jeder weiß, unsere Körperfunktionen unterliegen unseren Gefühlen, und diese wiederum sind längst nicht immer bewusst. Wenn ich etwa eine Speise besonders mag, bekomme ich ein anderes Gefühl als jemand, der diese Speise verabscheut. Letzterer kann sogar davon erbrechen. Halte ich eine Speise für besonders „verboten“, weil sie mir als Kind stets rationiert wurde, bekommt mein Körper von meinem unterbewussten Gefühl den Stoffwechselbefehl, diese seltene Kostbarkeit festzuhalten. Wir nehmen folglich nur durch eine bestimmte Angst vor Mangel zu. Das ist der Grund, warum eine Diät beim Abnehmen hilft: Diese Speisen gelten laut Diätplan als erlaubt und erzeugen kein Gefühl von Mangel, also befreit sich der Körper automatisch von allem, was er nicht benötigt. Man nimmt folglich gar nicht wegen einer Diät ab, sondern sabotiert das Abnehmen lediglich nicht in der Zeit der Diät.
Sie behaupten, dass nicht Disziplin oder Diät beim wirkungsvollen Abnehmen zählen, sondern die intensive Beschäftigung mit sich selbst. Genügt denn ein 10-Tages-Programm zur Auflösung eines Problems, das möglicherweise in der Kindheit angelegt wurde und sich über Jahre hinweg regelrecht breitgemacht hat?
Winter: Ganz ehrlich? Man braucht noch nicht einmal zehn Tage dafür, sondern nur eine Sekunde der Erkenntnis! Doch es ist noch ungeheuer schwierig, einen Menschen davon zu überzeugen, dass er als Kind alles richtig gemacht hat und nun als Erwachsener alles falsch. Als Kind haben wir gegessen, wenn wir Hunger hatten. Wir haben gegessen, worauf wir Lust hatten, und haben aufgehört zu essen, wenn wir genug hatten. Das hat seit Anbeginn der Menschheit funktioniert und hielt uns gesund. Dann aber kam die industrielle Einmischung, die uns vorschrieb, was wir zu essen hatten, und wir glaubten daran. Nun komme ich daher und sage: „Glaube nicht, sondern beweise!“, und das ist der Knackpunkt: Diese zehn Tage, auf die das Programm angelegt ist, sind eine einzige Ermutigung zum Sich-Selbst-Vertrauen. Ich gehe damit einfach auf Nummer Sicher, denn ich möchte, dass ein jeder, der abnehmen möchte, mit diesem Buch nicht nur erfolgreich sein Übergewicht reduziert, sondern auch dauerhaft immun ist gegen alle Einschüchterungen seitens der Diätindustrie.

Winter: Ich bekomme keinen Gegenwind von Experten, sondern nur von Menschen, die sich nach ihren jahrelangen Bemühungen ums Abnehmen in der Leistung herabgewürdigt fühlen. Wer um jedes schwindende Pfund monatelang gekämpft hat, erhofft sich dafür verständlicherweise Anerkennung und keine Belehrung. Ähnliche Reaktionen kenne ich aber auch auf meine Bücher zu den Themen Nichtrauchen oder Alkohol. Es sind üblicherweise nicht Leser, die Bedenken anmelden, sondern vor allem Nicht-Leser, die mit Skepsis reagieren. Wer hingegen ausprobiert, wie leicht man sich aus solchen Mustern befreien kann, ist in der Regel begeistert. Ich glaube, dass die Ernährungslobby genau darauf vertraut, dass sich befreiendes Wissen nur langsam durchsetzt, und daher gar nicht auf meine Bücher reagiert – zumal dies einen Diskurs auslösen würde, dem sie sich stellen müsste.
Zum Glück stärken mir aber auch Fachleute den Rücken: Vom renommierten und überaus kritischen Lebensmittelchemiker und Ernährungsexperten Udo Pollmer bekomme ich für meine Arbeit klaren Zuspruch, ebenso von Ärzten und Ernährungsberatern, mit denen ich im Gespräch bin.
Nicht nur beim Essen, sondern ebenso beim Rauchen oder bei verschiedenen psychosomatischen Symptomen wirken unterbewusste Konditionierungen. Wenn der Schlüssel so einfach zu finden ist, weshalb haben dann gerade Übergewichtige oder „Süchtige“ oft so große Schwierigkeiten, ihre Last(er) loszuwerden?
Winter: Weil es noch immer eine Herausforderung für das Selbstverständnis eines Menschen ist zu begreifen, dass wir alle ein Unterbewusstsein haben, das zum Teil völlig konträr zu unseren bewussten Ansichten und Absichten agiert. Wer mag sich denn schon gerne selbst eingestehen, dass er durch Werbestrategien zu einem scheinbar unsinnigen und schädlichen Verhalten gebracht wurde? Der menschliche Geist neigt dazu, das gesamte eigene Verhalten zu legitimieren, selbst wenn wir unterbewusst Befehlen gehorchen, Suggestionen befolgen oder auch nur aus Trotz das Gegenteil von dem tun, was für uns sinnvoll ist. Der Leidensdruck durch Symptome ist oftmals nicht so hoch wie das schmerzliche Schwächeeingeständnis durch die Erkenntnis, wie leicht die Befreiung hätte sein können. Dennoch glaube ich fest daran, dass der Siegeszug der modernen psychologischen Aufklärung, so wie ich sie betreibe, nicht mehr aufzuhalten ist. Je mehr Menschen verstehen, dass wir voller unterbewusster Programme sind, die man mit Wissen und Reflektion unschädlich machen kann, je mehr die „Psyche an der Freiheit schnuppert“, desto weniger bereit ist man, übermäßiges Leid zu ertragen.
An einer Stelle raten Sie dem Abnehmwilligen, bloß nicht mit Appetit zu essen, da dies den Körper unterbewusst veranlasse, das Gewicht festzuhalten. Aber ist es nicht gerade der Genuss und das gepflegte Ritual, die das Essen wertvoll und das Leben lebenswert machen?
Winter: Das ist doch genau das, was ich einfordere: dass man Essen wirklich als ein Stück normale Lebensqualität annimmt! Aber ein Übergewichtiger tut das nicht er versucht, sich mit Essen zu entstressen, und schämt sich anschließend dafür. Um also endlich abzunehmen, muss man zunächst erkennen, dass Speisen nur Nährstoffe sind und keine Problemlösung. Wenn ein Übergewichtiger mit Appetit isst, nimmt er zu. Isst er nur, um sich zu ernähren, nimmt er ab – jede Diät beweist das. Ist man erst einmal an seinem Ziel angekommen, haben Speisen nicht mehr die gleiche Bedeutung wie zu Zeiten des Übergewichtes, denn wer mühelos schlank ist, hat keine Angst vor dem Essen – und ohne Angst bleibt man schlank, egal, was man isst.
Abnehmen soll leichter sein als Zunehmen – das Ziel ist jedoch trotzdem das Schlanksein und damit ein vorgegebenes Schönheitsideal. Wäre es nicht eher erstrebenswert, einfach „zu bleiben, wie ich bin“?
Winter: Doch, da stimme ich absolut zu. Aber ist ein Mensch mit einem stressbedingt erhöhten Körperfettanteil denn das, was er wirklich ist? Nein, so behaupte ich. Ein solcher Mensch hat sich von seinem ursprünglichen Lebensweg abbringen lassen. Er hat mit seinem Gefühl und Verhalten reagiert auf erlittene Bevormundung, Verbote, Übergriffe, auf Stressauslöser aller Art. Meine Forderung ist, einen Menschen wieder das sein zu lassen, was er wirklich ist. Jeder Mensch hat das Bestreben, sich konfliktfrei und ohne Erwartungsdruck zu entfalten. Wer diesen Schritt in die Freiheit macht, nimmt an Fett ab, doch das Gewicht ist ihm dann weitgehend gleichgültig. Ich glaube, wer abnehmen will, um einem Ideal zu entsprechen, hat nichts gewonnen. Wer es nicht mehr nötig hat, einem Ideal zu ent- oder widersprechen, wird automatisch als harmonischer und attraktiver empfunden. Ich denke, Frieden kann man nicht mit Kampf erzwingen, Frieden kann man nur leben und ihn damit verbreiten. Dies gilt auch für den Kampf gegen Ablehnung und Kritik. Wer verkrampft versucht zu gefallen, macht sich verdächtig und erntet Misstrauen und Kritik. Wer sich trotzig dagegen wehrt, ebenso. Ein Übergewicht verschwindet von allein, genau wie ein gebrochener Knochen von allein heilt – wenn man ihn lässt. Wer also wohlschmeckende oder gesunde Speisen als ein ganz normales Stück seiner Lebensqualität empfindet – und nicht als Ausnahmezustand, den es zu erkämpfen gilt , ist raus aus dem Kampf gegen die Pfunde. Doch das Speise-Ritual verliert dann an Dringlichkeit und Wichtigkeit. Ich sage meinen Kunden oftmals: „Wenn Sie abnehmen wollen, brauchen Sie ein anderes Hobby – Essen ist dann nur noch eine angenehme Notwendigkeit, aber keine emotionale Rettung.“
Lese- und Hörtipps:
- Andreas Winter: Abnehmen ist leichter als Zunehmen, 109 S., mit Audio-CD, HC, 14,95 € (D) / 15,40 € (A), Mankau Verlag, 3. Aufl. 2009, ISBN 978-3-938396-12-4. Mehr zum Buch "Abnehmen ist leichter als Zunehmen" ...
- Andreas Winter: Abnehmen ist leichter als Zunehmen. Das Praxisbuch, 124 S., mit Audio-CD, kart., 16,95 € (D) / 17,50 € (A), Mankau Verlag, 1. Aufl. Mai 2011, ISBN 978-3-938396-74-2. Mehr zum Praxisbuch "Abnehmen ist leichter als Zunehmen" ...
- Andreas Winter: Abnehmen ist leichter als Zunehmen. Das Abnehm-Coaching: Hören Sie sich schlank! 2 Audio-CDs im DVD-Digipack, 29,95 € (D) / 30,20 € (A), Mankau Verlag, 1. Aufl. Mai 2011, ISBN 978-3-938396-75-9. Mehr zum Coaching-Hörbuch "Abnehmen ist leichter als Zunehmen" ...
- Informationen und Leseprobe zum Buch "Abnehmen ist leichter als Zunehmen. Das Praxisbuch"
- Informationen zum Coaching-Hörbuch "Abnehmen ist leichter als Zunehmen. Das Abnehm-Coaching"
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