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Thema: Aus Situationen/Misserfolgen lernen / Veränderungen

  1. #1
    Liz
    Liz ist offline Erfahrener Benutzer
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    Standard Aus Situationen/Misserfolgen lernen / Veränderungen

    Ich bin nicht sicher, ob es so einen Thread hier schon einmal gab, da ich neu bin eröffne ich ihn einfach einmal.

    Finde es persönlich interessant, was ihr aus sg. Mißerfolgen oder Fehlverhalten lernt, bzw schon anhand der Bücher umgesetzt habt.

    Fange einfach mal an:

    Ich habe mich heute mit Süßem getröstet. Früher hätte ich wahllos und auch unwissend alles in Unmengen mich hinein gestopft. Heute hingegen habe ich bewußt (!) ein paar Gummieschlümpfe gegessen, mit dem Bewußtsein, das es Trost war. Es reichte auch eine kleine Menge.

    Natürlich wäre anderer Trost, sprich etwas anderes als Essen, besser gewesen, aber allein, die Kontrolle über Menge und das Bewußstsein, warum ich es tue, waren ein riesen Fortschritt für mich.

  2. #2
    chrissi ist offline Erfahrener Benutzer
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    Zitat Zitat von Liz Beitrag anzeigen
    Natürlich wäre anderer Trost, sprich etwas anderes als Essen, besser gewesen...
    Und weißt du auch was? Ein alternatives Verhalten kann man erst an den Tag legen, wenn man eine Alternative hat.

    Ich habe noch keine Alternative zu Schokolade gefunden, wenn ich in einem gewissen emotionalen Modus bin. Wobei ich heute einen Einblick bekam. Muss ich gestehen.
    Ich war im "Schokolade von der Tankstelle holen" - Modus. Tagsüber im Supermarkt hatte ich mir keine (zu wenig) gekauft und mir mehr VERBOTEN (DAS halte ich für ein Fehlverhalten). Auf dem Weg zur Tankstelle wusste ich, ich würde stundenlang nichts zu Essen brauchen, selbst wenn ich Hunger hätte, wenn ich ein "aufregendes" Leben hätte. Ich stellte mir vor, wie es wäre, auszugehen und den Zauber wieder zu beleben, den ich in der Jugend hatte... einem heimlichen Schwarm begegnen und alleine davon schon stundenlang berührt sein... Ja, ich wusste - das würde ich lieber machen. Die Schokolade hätte ich flugs vergessen. Nur: Das ist nicht mehr umsetzbar. Aber welches Gefühl war es? Lebendig sein, eine Zukunft haben, den Glauben an Möglichkeiten, Träume und Visionen.
    Gibt mir Schokolade dieses Gefühl? Nein. Es stopft die Leere. Bevor ich in diese motivierende Phase kam, damals, da betäubte ich mich auch mit Schokolade. Ich hatte Sozialphobie, war erfolglos im Beruf, war depressiv und voller Selbsthass. Ich war fett und fühlte mich hässlich und nicht liebenswert. Mir war unvorstellbar, dass ein Mann mich wollen könnte. Damals kapitulierte ich und wenn ich schon alleine vor die Hunde gehe - dann nasche ich zumindest wie ich will. Ich betäubte mich damit auch, tröstete mich. Wenn ich schon fett und hässlich und alleine war, dann wollte ich es zumindest auskosten... und das tat ich.
    Dann nahm ich extrem ab, ich fand einen Job und stolperte ins aufregende Leben hinaus, suchte eine Wohnung, machte Führerschein,...

    Ich weiß, dass mir dieses "Ausgehen" heute nichts mehr geben würde. Aber das Gefühl müsste ich doch wieder beleben können. Diese Selbsthass-Schokolade-Betäubungs-Phase überwinden mit dem "Aufbruch und die Welt aus den Angel heb"-Gefühl. Meine "WIE WILL ICH SEIN" Gedanken kommen dem schon entgegen... auf jeden Fall aber merke ich schon sehr stark, dass mein derzeitiges Essen einen starken Mangel betäubt. Welchen Mangel, das habe ich beschrieben. Ich verbarrikatiere mich zu Hause. Ich ERLEBE nichts - oder nur in sehr eingeschränkem Rahmen, der es an Impulsen mangeln lässt.

    WIE will ich sein? Eine gute Frage. Die Antwort: So wie damals in der Aufbruch-Phase. Nur bin ich heute viel - hm - ernüchterter. Träume, Visionen, Möglichkeiten... ich sehe nur Ängste, Steine und Banalität. Um mich mit diesem Gefühl des Versagens nicht zu befassen - ODER/UND - weil dieses Gefühl eben wiederum Versagen/Selbsthass schürt, falle ich ins fressen. Betäuben. Wie damals.

    Ich weiß das. Ich will mich alternativ verhalten. Aber ich habe im Moment noch keine Idee für eine Alternative. Also hasse ich mich nicht, wenn ich zur Tankstelle laufe, um mir Schokolade zu kaufen. Ich weiß nur noch nicht, was klüger ist: Mir gleich die Menge kaufen, die mir das Gefühl gibt, das kann ich WIRKLICH NICHT auf essen. Oder aber nur kleine Mengen kaufen, dafür aber wegen jeder Tafel extra einkaufen gehen. In beiden Fällen verbiete ich mir nichts. Einmal nur renne ich dann wie ein Junkie herum und muss mir jedes mal ein anderes Geschäft suchen, weil ich mir sonst blöd vorkomme. Aber ich habe frische Luft. Im Anderen Fall - wenn ich wirklich wüsste - ich KANN DAS NICHT AUF ESSEN, würde vielleicht der Druck sinken. Ich habe mir das mal bei Mozartkugeln gedacht. Ich hatte eine Packung. Ich hatte den Druck, sie alle aufessen zu müssen. Es war eine große Packung und sie aufzuessen war eine harte Arbeit. Ich hätte damals nach zwei oder drei Kugeln genug gehabt - aber irgendwie war da dieses "auf essen". Ich kenne das auch heute. Nötigenfalls mit Gewalt. Ich aß so vielleicht 20 Kugeln. Damals fragte ich mich: Angenommen ich hätte einen Swimmingpool voll Mozartkugeln. Ich wüsste also eindeutig: Das kann ich NIEMALS auf essen, nicht heute, nicht in dieser Woche, vermutlich nicht einmal in einem Monat oder Jahr. Ich fragte mich, wie viele Kugeln ich dann gegessen hätte. Ob ich auch auf 20 gekommen wäre. Ob ich vielleicht sogar 30 gegessen hätte. Oder ob ich nach 3 Stück aufgehört hätte, im Wissen, ich kann ja jederzeit, wenn ich will, eine haben.

    So. Jetzt habe ich viel geschrieben. Verschiedene Aspekte. Irgendwie sagt das viel über die Motivation aus. Aber irgendwie bin ich dennoch nicht in der Lage, mich zu befreien. Es ist so, als liefe ich wie der berühmte Esel hinter der Karotte her: Die ultimative Erkenntnis und die damit einhergehende "natürliche" Umsetzung immer grad so vor der Nase - aber nicht zum Erreichen.

    Mein Freund meinte übrigens letztens, er habe eine seltsame Essstörung: Er esse nur, wenn er Hunger habe. Ansonsten denke er gar nicht an Essen und habe auch keinen Impuls. Er sah es tatsächlich als eine Art Makel, daß er kein Ritual habe oder nicht esse, nur weil es ihm schmeckt. Er lebt das, was wir erreichen wollen. Er meint, er kann essen soviel er will, er nimmt nicht zu. Er hat tatsächlich so gut wie kein Fett am Körper. Hungert nicht, macht keine Diät... Auch diese Karotte vor meiner Nase: Ich sehe es, ich habe den Beweis, ich sehe die Methode - aber ich komme nicht hin. Ich glaube, manchmal bin ich verrückt genug, alleine deswegen zu fressen. Weil es mich nervt, kein natürliches Verhältnis zum Essen zu haben.

  3. #3
    Britt ist offline Erfahrener Benutzer
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    Jo - ich hatte auch dieses: "Muss die Packung leer essen, leer essen, leer essen ..." - Keine Ruhe vorher. Seltsam, nicht? - HEUTE kann ich mir bestimmte Süßigkeiten - die nämlich, die mich nie sonderlich reizten - auch auf Vorrat in die Schublade legen, aber selbst DIE liegen nicht so lange, wie sie vorhalten würden, müsste ich jede Packung einzeln einkaufen. Im Prinzip mag es absolut egal sein, ob wir Süßigkeiten bergeweise horten, das sagt uns der Kopf, die Praxis hinkt halt noch ein bisschen hinterher. Ich gehe also lieber auf Nummer Sicher, so lange, bis mein Unterbewusstsein mit meinem Bewusstsein einen Konsens gefunden hat ...

    Die Tendenz zur Selbstbestrafung ist ein merkwürdiges Spiel, das wir da mit uns treiben; sie gibt eine eigenartige Befriedigung, die mir auch bekannt ist. So etwas wie: "Geschieht der Welt recht, wenn es mir schlecht geht, wieso tut sie mir das alles an" = der Trotzkopf, der Anarchist in uns ... Ich glaube, erst echte Selbstliebe durchbricht dieses Muster. Wenn wir wirklich verstehen, was es bedeutet "sich selbst zu lieben", dann können wir das gar nicht mehr. Es täte uns viel zu weh, diese kleine Portion Mensch, die wir sind, vollzustopfen und zu mästen mit Sachen, die uns nicht gut tun. Denn auch wenn wir meinen, der Körper verkraftet schon alles, was wir in ihn hineinfüllen - wir merken, wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, dass es da Unterschiede gibt, auch wenn die für jeden anders aussehen können.

    Uns selbst lieben, so wie wir es uns von anderen wünschen, das heißt auch Rücksichtnahme, liebevoller Umgang mit dem "Treibstoff", keinen "Müll" in uns hineinschieben. Und natürlich heißt es, unsere verletzliche Seele selbst hegen und pflegen. Mir gehts damit wirklich deutlich besser inzwischen. Ich überlege, wie ich die Kurve gekriegt hab - irgendwann, wohl durch die vielen Gedanken in der Richtung, was ich mir mit dieser schlechten Behandlung meiner selbst, wozu auch das Verkriechen gehörte, eigentlich antat ... Viel - das meiste - mag in unserer Kindheit begründet liegen, aber "reparieren" können wir das nur heute, und wenn wir nicht nur drauf warten, dass es von außen an uns herangetragen wird, sondern selbst etwas dafür tun - was könnte es uns schaden? Allerdings gehört aus meiner Sicht ebenso dazu, uns nicht böse zu sein, wenn wir das NOCH NICHT immer schaffen.

  4. #4
    insi ist offline Erfahrener Benutzer
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    Genau, so lange es noch irgendetwas in uns gibt, daß uns nicht die 100%ige Verantwortung für uns selbst übernehmen läßt, so lange noch irgendetwas als das wichtiger ist, solange ist noch was zu erledigen, was das ist, ist bei jedem etwas anderes.....

    P.S. Chrissi, sind das die leckeren Mozartkugeln von Mirabell (die gibt es bei uns nur ganz selten), wenn ich in Österreich bin, muß ich immer für alle was mitbringen
    Bevor eine Depression oder geringes Selbstwertgefühl diagnostiziert wird, stell sicher, dass keine Arschlöcher in deiner Umgebung sind. William Gibson

    Sapere aude
    (Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!)

    "Ein Zitat ist besser als ein Argument. Man kann damit in einem Streit die Oberhand gewinnen, ohne den Gegner überzeugt zu haben." (von wem war das gleich ?)

  5. #5
    Liz
    Liz ist offline Erfahrener Benutzer
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    @Chrissi: Vielen Dank für Dein offenes und ehrliches Posting. Bin sehr bewegt und auch traurig, wie schwer Du es hast. Aber ich kann dich genauso gut verstehen und mitfühlen. Mir geht es ähnlich. Bin selbst jahrelang und teilweise immernoch mit den gleichen Problemen beschäftigt, die Du auch beschreibst. Selbsthass, Esstörungen, Wut, Trauer und irgendwo auch Perspektivlosigkeit.

    Manchmal fühle ich mich wie Don Quichote, der gegen Windmühlen ankämpft, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, die Geschichte neu zu schreiben, indem ich es schaffe, zu siegen.

    Wir haben alle schwere, tiefe Narben auf der Seele, sie sind Teil unseres Lebens, damit dürfen wir auch mal leben, ohne uns dafür zu hassen.

    Deine Gedanken, einen Swimming-Pool voller Mozartkugeln zu haben, finde ich toll. Ich glaube, wenn ich die Kugeln oder sie Schokolade in solchen Mengen, die ich nicht bewältigen kann, auf Vorat hätte, würde ich weniger essen, als wenn es nur eine kleine Packung im Küchenschrank ist.

    Dann bräuchte man auch nicht "zu horten" oder festzuhalten, es wäre ja (mehr als) genug da

    Vielleicht hilft es Dir, große Mengen an Mozartkugeln auf Vorat zu haben, so dass Du weißt, du könntest jederzeit welche essen. Das könnte Dir dieses Verlangen, aus Angst die Packung direkt zu leeren, vielleicht nehmen


    @Britt: Ein toller Beitrag, ich stimme Dir zu. Mit Selbstliebe und Achtsamkeit kann man vieles im Leben einfacher und besser erreichen, als mit Selbsthass und Trotz.
    Das Positive jedoch zu finden und aufrecht zu erhalten ist schwierig.
    Aber ich denke, schon allein die Tatsache, das wir uns hier im Forum mit genau diesen Dingen beschäftigen und Herrn Winters Bücher immer wieder durcharbeiten, ebnen den Weg zu mehr Lebensqualität.

    Mein Psychologe sagte mal zu mir: "Der Weg zur Selbstliebe ist zuerst nur ein kleiner verwachsener Trampelpfad. Sie müssen ihn immer wieder betreten und gehen, damit er breiter und sicherer wird. Sie werden merken, das ihr Pfad sich nach einiger Zeit zur Autobahn entwickelt, die ohne Stau und Umwege zu dem Ziel führt, zu dem sie hin wollen"

  6. #6
    insi ist offline Erfahrener Benutzer
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    Hätte ich einen ganzen Swimmingpool voller Leckereien, gäbe es für mich folgenden Mechanismus:

    -würde ich mir ständig den Gang dorthin verbieten, würde es mich ständig dahinziehen.

    -würde ich es für selbstverständlich halten, daß ich immer was holen darf, hole ich gelegentlich etwas

    -würde mich jemand zwingen zu essen, würde ich mich verweigern

    (da mich im echten Leben niemand zum essen zwingt, bleibt mir nur noch Lösung 1 und 2 )
    Bevor eine Depression oder geringes Selbstwertgefühl diagnostiziert wird, stell sicher, dass keine Arschlöcher in deiner Umgebung sind. William Gibson

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  7. #7
    Liz
    Liz ist offline Erfahrener Benutzer
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    @Insi: Für mich käme auch deine 2te Lösungsvariante in Frage

    Zitat Insi: "...-würde ich es für selbstverständlich halten, daß ich immer was holen darf, hole ich gelegentlich etwas..."


  8. #8
    insi ist offline Erfahrener Benutzer
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    Zitat Zitat von Liz Beitrag anzeigen
    @Insi: Für mich käme auch deine 2te Lösungsvariante in Frage

    Zitat Insi: "...-würde ich es für selbstverständlich halten, daß ich immer was holen darf, hole ich gelegentlich etwas..."

    ja, für mich auch, aber wie organisiert man es, daß lösung nr. 1 nicht mehr relevant wird
    Bevor eine Depression oder geringes Selbstwertgefühl diagnostiziert wird, stell sicher, dass keine Arschlöcher in deiner Umgebung sind. William Gibson

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  9. #9
    Liz
    Liz ist offline Erfahrener Benutzer
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    @Insi: hhhmmm, gute Frage. Darüber habe ich gerade mal nachgedacht: also, ich würde sagen, deine Lösung 1 "....würde ich mir ständig den Gang dorthin verbieten, würde es mich ständig dahinziehen..."
    läst sich "revidieren" indem Du aufhörst, dir den Gang zu dem gefüllten Pool mit den Mozartkugeln zu verbieten

    Wenn das nur so leicht wäre

  10. #10
    Stephanie ist offline Erfahrener Benutzer
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    Zitat Zitat von chrissi Beitrag anzeigen
    Und weißt du auch was? Ein alternatives Verhalten kann man erst an den Tag legen, wenn man eine Alternative hat.

    Ich habe noch keine Alternative zu Schokolade gefunden, wenn ich in einem gewissen emotionalen Modus bin. Wobei ich heute einen Einblick bekam. Muss ich gestehen.
    Ich war im "Schokolade von der Tankstelle holen" - Modus. Tagsüber im Supermarkt hatte ich mir keine (zu wenig) gekauft und mir mehr VERBOTEN (DAS halte ich für ein Fehlverhalten). Auf dem Weg zur Tankstelle wusste ich, ich würde stundenlang nichts zu Essen brauchen, selbst wenn ich Hunger hätte, wenn ich ein "aufregendes" Leben hätte. Ich stellte mir vor, wie es wäre, auszugehen und den Zauber wieder zu beleben, den ich in der Jugend hatte... einem heimlichen Schwarm begegnen und alleine davon schon stundenlang berührt sein... Ja, ich wusste - das würde ich lieber machen. Die Schokolade hätte ich flugs vergessen. Nur: Das ist nicht mehr umsetzbar. Aber welches Gefühl war es? Lebendig sein, eine Zukunft haben, den Glauben an Möglichkeiten, Träume und Visionen.
    Gibt mir Schokolade dieses Gefühl? Nein. Es stopft die Leere. Bevor ich in diese motivierende Phase kam, damals, da betäubte ich mich auch mit Schokolade. Ich hatte Sozialphobie, war erfolglos im Beruf, war depressiv und voller Selbsthass. Ich war fett und fühlte mich hässlich und nicht liebenswert. Mir war unvorstellbar, dass ein Mann mich wollen könnte. Damals kapitulierte ich und wenn ich schon alleine vor die Hunde gehe - dann nasche ich zumindest wie ich will. Ich betäubte mich damit auch, tröstete mich. Wenn ich schon fett und hässlich und alleine war, dann wollte ich es zumindest auskosten... und das tat ich.
    Dann nahm ich extrem ab, ich fand einen Job und stolperte ins aufregende Leben hinaus, suchte eine Wohnung, machte Führerschein,...

    Ich weiß, dass mir dieses "Ausgehen" heute nichts mehr geben würde. Aber das Gefühl müsste ich doch wieder beleben können. Diese Selbsthass-Schokolade-Betäubungs-Phase überwinden mit dem "Aufbruch und die Welt aus den Angel heb"-Gefühl. Meine "WIE WILL ICH SEIN" Gedanken kommen dem schon entgegen... auf jeden Fall aber merke ich schon sehr stark, dass mein derzeitiges Essen einen starken Mangel betäubt. Welchen Mangel, das habe ich beschrieben. Ich verbarrikatiere mich zu Hause. Ich ERLEBE nichts - oder nur in sehr eingeschränkem Rahmen, der es an Impulsen mangeln lässt.

    WIE will ich sein? Eine gute Frage. Die Antwort: So wie damals in der Aufbruch-Phase. Nur bin ich heute viel - hm - ernüchterter. Träume, Visionen, Möglichkeiten... ich sehe nur Ängste, Steine und Banalität. Um mich mit diesem Gefühl des Versagens nicht zu befassen - ODER/UND - weil dieses Gefühl eben wiederum Versagen/Selbsthass schürt, falle ich ins fressen. Betäuben. Wie damals.

    Ich weiß das. Ich will mich alternativ verhalten. Aber ich habe im Moment noch keine Idee für eine Alternative. Also hasse ich mich nicht, wenn ich zur Tankstelle laufe, um mir Schokolade zu kaufen. Ich weiß nur noch nicht, was klüger ist: Mir gleich die Menge kaufen, die mir das Gefühl gibt, das kann ich WIRKLICH NICHT auf essen. Oder aber nur kleine Mengen kaufen, dafür aber wegen jeder Tafel extra einkaufen gehen. In beiden Fällen verbiete ich mir nichts. Einmal nur renne ich dann wie ein Junkie herum und muss mir jedes mal ein anderes Geschäft suchen, weil ich mir sonst blöd vorkomme. Aber ich habe frische Luft. Im Anderen Fall - wenn ich wirklich wüsste - ich KANN DAS NICHT AUF ESSEN, würde vielleicht der Druck sinken. Ich habe mir das mal bei Mozartkugeln gedacht. Ich hatte eine Packung. Ich hatte den Druck, sie alle aufessen zu müssen. Es war eine große Packung und sie aufzuessen war eine harte Arbeit. Ich hätte damals nach zwei oder drei Kugeln genug gehabt - aber irgendwie war da dieses "auf essen". Ich kenne das auch heute. Nötigenfalls mit Gewalt. Ich aß so vielleicht 20 Kugeln. Damals fragte ich mich: Angenommen ich hätte einen Swimmingpool voll Mozartkugeln. Ich wüsste also eindeutig: Das kann ich NIEMALS auf essen, nicht heute, nicht in dieser Woche, vermutlich nicht einmal in einem Monat oder Jahr. Ich fragte mich, wie viele Kugeln ich dann gegessen hätte. Ob ich auch auf 20 gekommen wäre. Ob ich vielleicht sogar 30 gegessen hätte. Oder ob ich nach 3 Stück aufgehört hätte, im Wissen, ich kann ja jederzeit, wenn ich will, eine haben.

    So. Jetzt habe ich viel geschrieben. Verschiedene Aspekte. Irgendwie sagt das viel über die Motivation aus. Aber irgendwie bin ich dennoch nicht in der Lage, mich zu befreien. Es ist so, als liefe ich wie der berühmte Esel hinter der Karotte her: Die ultimative Erkenntnis und die damit einhergehende "natürliche" Umsetzung immer grad so vor der Nase - aber nicht zum Erreichen.

    Mein Freund meinte übrigens letztens, er habe eine seltsame Essstörung: Er esse nur, wenn er Hunger habe. Ansonsten denke er gar nicht an Essen und habe auch keinen Impuls. Er sah es tatsächlich als eine Art Makel, daß er kein Ritual habe oder nicht esse, nur weil es ihm schmeckt. Er lebt das, was wir erreichen wollen. Er meint, er kann essen soviel er will, er nimmt nicht zu. Er hat tatsächlich so gut wie kein Fett am Körper. Hungert nicht, macht keine Diät... Auch diese Karotte vor meiner Nase: Ich sehe es, ich habe den Beweis, ich sehe die Methode - aber ich komme nicht hin. Ich glaube, manchmal bin ich verrückt genug, alleine deswegen zu fressen. Weil es mich nervt, kein natürliches Verhältnis zum Essen zu haben.
    hmm, wenn dann würde ich die größeren vorräte an schokolade kaufen. sonst ist das schokolade-kaufen immer so ein ereignis und wird was besonderes. wie soll ich das beschreiben: du hast vielleicht lust auf einen kleinen spaziergang, ein bisschen bewegung und mal was anderes sehen und brauchst einen anlass und schwupps bekommst du hunger auf schokolade. dann lieber einfach zum spaß spazieren gehen.
    das mit dem schlanken freund kenne ich man bekommt das richtige verhalten tagtäglich vorgelebt und schnallt doch nicht, wie man es machen soll.
    ich habe in den letzten tagen einen kleinen fortschritt gemacht. in ein paar tagen habe ich eine prüfung und habe akuten stress. sonst habe ich mich in solchen fällen immer mit hilfe von süßigkeiten und anderem essen entspannt. erstmal reichlich frühstücken, weil ich ja kraft brauche, dann zwischendurch schokolade als belohnung weil ich ja so fleißig war, dann nochmal ein großes essen, dann wieder schokolade als wiedergutmachung für den stress. darauf verzichte ich momentan. ich kann das gerade sehr gut unterscheiden, wann ich wirklich nahrung möchte und wann ich nur emotionale gründe fürs essen habe.

    wiedergutmachung habe ich geschrieben. das trifft es. belohnt habe ich mich mit süßigkeiten nicht so oft. ich habe mich entschädigt für jegliches unwohlsein.
    übrigens gehts mir jetzt ganz gut auch ohne meine kleinen wiedergut-machungen, obwohl diese tage kurz vor einer prüfung für mich die nervigsten tage im jahr sind. ich bin trotzdem ganz gut gelaunt und für meine verhältnisse gelassen.

  11. #11
    Sabine* ist offline Erfahrener Benutzer
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    Zitat Zitat von Stephanie Beitrag anzeigen
    in ein paar tagen habe ich eine prüfung und habe akuten stress. sonst habe ich mich in solchen fällen immer mit hilfe von süßigkeiten und anderem essen entspannt.
    ... dann zwischendurch schokolade als belohnung weil ich ja so fleißig war, ....dann wieder schokolade als wiedergutmachung für den stress. darauf verzichte ich momentan.
    ---ich habe mich entschädigt für jegliches unwohlsein.----
    @Stephanie: erst einmal drücke ich dir die Daumen für die anstehende Prüfung. Du schaffst das!

    Du beschreibst so treffend den Kreislauf-Stress-Belohnung-Unwohlsein-Wiedergutmachung. Das triffst es, so kenne ich das auch von mir, obwohl meine letzten Prüfungen schon länger zurückliegen. Aber es gibt ja auch in der Sellbständigkeit einige Dinge, die (negativen) Stress bereiten oder vor denen man sich gern drücken würde oder für die man sich belohnen möchte, weil man sie getan hat. Oder eben abends als Wiedergutmachung für einen anstrengenden Tag.

    Du schreibst, dass du momentan sehr gut unterscheiden kannst, ob wirklicher Hunger oder nur emotionaler.
    Was machst du nun, wenn du dir bewusst wirst, es ist nur emotionaller Hunger? Hilft dir da allein die Erkenntnis und der Hunger ist weg? Oder hälst du den Druck aus und dann geht er weg? Oder bekommst du es hin - so wie Herr Winter immer schreibt - dir die Gefühle anders zu erzeugen? Wenn ja, wie?

  12. #12
    Liz
    Liz ist offline Erfahrener Benutzer
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    Zitat Zitat von Stephanie Beitrag anzeigen
    .... ich kann das gerade sehr gut unterscheiden, wann ich wirklich nahrung möchte und wann ich nur emotionale gründe fürs essen habe....

    ....übrigens gehts mir jetzt ganz gut auch ohne meine kleinen wiedergut-machungen, obwohl diese tage kurz vor einer prüfung für mich die nervigsten tage im jahr sind. ich bin trotzdem ganz gut gelaunt und für meine verhältnisse gelassen.

    Wow, also ich finde, du hast damit super Fortschritte gemacht und das Prinzip verstanden. Gratuliere und herzlichen Glückwunsch

  13. #13
    Stephanie ist offline Erfahrener Benutzer
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    Danke Liz!
    Und an Sabine: Ich halte das Unwohlsein einfach aus. Ab und zu mache ich mir einen Tee, oder lasse mich von meinem Freund umarmen. Das Gefühl zur Beruhigung was essen zu müssen verfliegt meistens nach zwei Minuten, weil ich auch kaum Zeit habe darüber nach zu denken. Außerdem ist es in diesem Fall total offensichtlich, dass ich mich gestresst wegen der Prüfung fühle. Der Hunger kann mich nicht hinters Licht führen, der ist ganz leicht zu durchschauen

  14. #14
    Luisa ist offline Erfahrener Benutzer
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    Belohnungen sind ja auch was Schönes! Ich denke, wenn man es sich bewusst macht, dass man sich z.B. jetzt aus Belohnung einen Eisbecher gönnt, den mit Genuss und ohne schlechtes Gewissen isst, dann müsste das doch okay sein?

  15. #15
    chrissi ist offline Erfahrener Benutzer
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    Hallöchen...

    als ich das las, Stephanie, dachte ich erst, das wäre eigentlich unmöglich... also für mich nicht machbar...

    Aber irgendwie ist mir der Knopf aufgegangen. Eigentlich aus einem echt miesen Tag heraus. Gemäß meiner Mozartkugel-Schwimmbecken-Theorie kaufte ich unmengen Schokolade und dachte, das könnte ich nicht an einem Tag essen, das würde den Druck nehmen. Das Ende der Geschichte war, dass ich es schaffte, jawohl, 600g Schokolade in wenigen Stunden zu verspeisen.

    Wie es mir danach ging, könnt ihr euch vorstellen. Ich hatte sogar Durchfall (das erste mal habe ich es geschafft, so viel Schoki zu essen, daß ich Durchfall bekam). Seelisch war ich am Boden. Beschimpfte mich. Hasste mich. Ich fühlte mich als hätte ich 100 Kilo, war überzeugt, jetzt habe ich alles kaputt gemacht... Weltuntergang...

    Doch dann... erstens, ich wog weniger als vorher. Wenn ich mich in den Spiegel schaute, sah ich gut aus. Sicher, ein paar Kilo möchte ich weg haben, aber nix von wegen: "Alles kaputt" oder so. Ich verbuchte diesen Tag als eine Erfahrung. Wenn ich also den Beweis habe, dass ich von gewissen Vorräten (noch) nicht die Finger lassen kann, dann besorge ich sie eben nicht. Ich verbiete sie mir nicht, aber ich werde künftig den Gegenversuch wagen: wegen jeder Tafel Schokolade einzeln einkaufen gehen.

    Und an diesem fatalen Tag machte ich die "umgekehrte" Erkenntnis. Da ich meistens nie genau weiß, warum ich nicht schlank sein will, oder so esse, fragte ich mich, was ich denn jetzt erreicht habe. Was ist das Ziel das ich nun, mit 600g Schoko im Bauch erreicht habe? Ich konnte mich als Opfer fühlen. Ich konnte mich hassen. Ich konnte Weltuntergang spielen. Ich konnte mir einreden, niemand würde mich so lieben können. Es war eine Methode, mir die Welt vom Leib zu halten. Eine Methode, mich aus ihr irgendwie heraus zu stehlen. Indem ich selber mir schon nicht trauen konnte, ich Opfer meiner eigenen Sucht war, konnte (und musste) ich keinem mehr trauen. Ich lag am Boden wie ein hilfloses Käferchen, dem nicht nur die Welt böses angetan hat, sondern das auch sich selber böses antut. WILL ich das?

    Es geht mir nicht darum, keine Schoko mehr zu essen. Wenn ich einen halben Kilo davon essen WILL weil ich diese Energie brauche, dann, warum nicht. Zunehmen werde ich davon nicht. Ich begreife nun auch den Spruch: Abnehmen ist leichter als zunehmen. Denn habt ihr eine Ahnung, was für ein Stress, was für eine Arbeit es ist, so viel Schoko zu essen? Welch Stress es ist, nachher mit den negativen Gefühlen umgehen zu müssen?

    Ich fragte mich dann, was denn mein EIGENTLICHES Ziel ist. Und das ist doch, mich lebendig fühlen. Aber das muss nicht in Konkurrenz zum Weltschmerz stehen. Ich habe Dinge zu betrauern und das muss ich mir auch erlauben wenn es mir "gut" geht. Das geht auch. Ich hatte schon ganze Tage in denen ich mit demselben Gefühl keinen Bissen aß.

    Ja. Äh. Worauf will ich hinaus? Mir geht es jetzt gut. Ich kann mir seitdem richtig gut vorstellen, wie sich mein EIGENTLICHES Ziel anfühlt. Ich spüre richtig, wie es mir mein Fett weg reißt. Wie mein Körper merkt, daß er sich eigentlich leichter anfühlen sollte, wendiger. Ich kann mir dieses Gefühl bei fast jeder Bewegung verinnerlichen.

    Und ich fragte mich auch, wovor ich Angst habe. Es war durchaus die Überforderung. Dass ich, wenn ich dann so schlank bin, als Gegenleistung quasi, funktionieren MUSS. Das konnte ich ausblenden - bzw. umwandeln. Alles was ich tu, muss sich in mir richtig anfühlen. Kein Mensch kann mich zu etwas zwingen, das ich nicht will. Man mag es nicht glauben, aber schon diese zwei Sätze verändern alles. Ich dachte immer, ich MÜSSE zb. eine Arbeitsmaßnahme ergreifen oder so etwas, man könne mich zwingen. Aber das stimmt nicht. Ich bin ja kein Sklave. Der Staat hat sein "Sozialsystem" ja nicht entwickelt, um kleine Soldaten zu haben die alles tun müssen. Keine popelige Arbeitsamtsangestellte hat das Recht über mein Leben zu bestimmen, wer ist sie denn????? Ich muss aufhören, die Verantwortung für mich anderen zu übertragen. Ich habe das nie aus bequemlichkeit gemacht und war immer der Meinung, vollverantwortlich zu sein. Aber dass ich mich eben Autoritäten gegenüber, Ärzten, Ämtern gegenüber immer ausgeliefert fühlte, immer das Gefühl hatte, DIE zwingen mich zu etwas das ich nicht will (das Gefühl kommt aus der Schulzeit, in der man ja 12 Jahre in Zwangsmaßnahmen verbringt wie ein Häftling, und nicht aus kann, bzw. der einzige Ausweg der eigene Tod ist). Aber heute bin ich erwachsen und ich kann entscheiden was ich mache. Macht hat keiner über mich. Alles muss sich IN MIR richtig anfühlen. Ich kann arbeiten wie ein Tier, aber ich muss das nicht unter Umständen machen, die ich nicht mag. Das muss ich begreifen und das begreife ich. In meinem Leben habe ICH die Macht über mich. Die einzige Macht die größer ist als ich, ist der Tod. Damit kann ich alles machen was ich will und niemand kann mir zu Nahe treten. Ich trage auch alle Konsequenzen für mein Handeln.

    Seit ich das erkannte, geht es mir deutlich besser. Ich habe keine Angst mehr, die Welt näher an mich ran zu lassen, indem ich den Schutzpanzer (Fett) ablege. Im Gegenteil, dich kann damit viel mehr von der Welt aufnehmen, und dadurch dass ich leicht, beweglich und wendig bin, kann ich besser agieren, als wenn ich träge, behäbig und langsam bin. Ich habe keine Pflicht, die Wendigkeit für jemanden einzusetzen - außer für mich selber. Ich brauche keine Angst haben, daß man mich ausnutzt und zwingt... denn es obliegt meiner Entscheidung, da mit zu machen.

    (Und wenn aus unserem Land mal eine Diktatur wird, dann kämpfe ich dagegen und nehme den Tod als Konsequenz in kauf, oder ich flüchte)

  16. #16
    Candle ist offline Erfahrener Benutzer
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    Zum Thema Veränderung fällt mir ein:

    We cannot bring back the past. But we can create the future
    Ad astra
    Candle


    Am liebsten erinnere ich mich an die Zukunft!
    Salvador Dalí


  17. #17
    Liz
    Liz ist offline Erfahrener Benutzer
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    @Candle: also ich habe deine letzten beiden Beiträge gerade mit solch einer Bewunderung gelesen, das ich schlichtweg sprachlos bin. Du hast so recht, mit allem was Du sagst, Du hast einen riesigen Schritt damit gemacht. Kann alles, was Du sagst, sehr sehr gut verstehen und nachvollziehen.
    Werde Deinen Beitrag erstmal in Ruhe auf mich wirken lassen. Bin wie gesagt so beeindruckt und überwälltigt, kann garnichts sagen.

  18. #18
    Stephanie ist offline Erfahrener Benutzer
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    Zitat Zitat von chrissi Beitrag anzeigen

    Und ich fragte mich auch, wovor ich Angst habe. Es war durchaus die Überforderung. Dass ich, wenn ich dann so schlank bin, als Gegenleistung quasi, funktionieren MUSS. Das konnte ich ausblenden - bzw. umwandeln. Alles was ich tu, muss sich in mir richtig anfühlen. Kein Mensch kann mich zu etwas zwingen, das ich nicht will. Man mag es nicht glauben, aber schon diese zwei Sätze verändern alles. Ich dachte immer, ich MÜSSE zb. eine Arbeitsmaßnahme ergreifen oder so etwas, man könne mich zwingen. Aber das stimmt nicht. Ich bin ja kein Sklave. Der Staat hat sein "Sozialsystem" ja nicht entwickelt, um kleine Soldaten zu haben die alles tun müssen. Keine popelige Arbeitsamtsangestellte hat das Recht über mein Leben zu bestimmen, wer ist sie denn????? Ich muss aufhören, die Verantwortung für mich anderen zu übertragen. Ich habe das nie aus bequemlichkeit gemacht und war immer der Meinung, vollverantwortlich zu sein. Aber dass ich mich eben Autoritäten gegenüber, Ärzten, Ämtern gegenüber immer ausgeliefert fühlte, immer das Gefühl hatte, DIE zwingen mich zu etwas das ich nicht will (das Gefühl kommt aus der Schulzeit, in der man ja 12 Jahre in Zwangsmaßnahmen verbringt wie ein Häftling, und nicht aus kann, bzw. der einzige Ausweg der eigene Tod ist). Aber heute bin ich erwachsen und ich kann entscheiden was ich mache. Macht hat keiner über mich. Alles muss sich IN MIR richtig anfühlen.
    Das kenne ich, diese Abneigung gegen, oder Angst vor Autoritäten. Menschen mit autoritärer Ausstrahlung kann ich nicht ertragen. Zum Beispiel habe ich jetzt beim Zeichnen meinen Prof im Hinterkopf, der gedroht hat, jede Zeichnung mit "5" zu bewerten, in der irgendwo eine falsche Strichstärke benutzt wurde. Das ist ein beklemmendes Gefühl, dass wegen so einer Kleinigkeit die ganze Arbeit umsonst sein könnte.
    Aber ich kann es nicht ändern. Ich bin auch nur ein Mensch und zeichne gerade an meinem ersten Entwurf.
    Ich habe ja auch keinen Einfluss darauf, was andere über mich und meine Arbeit denken. Es ist völlig sinnlos sich darüber Gedanken zu machen. Ich habe nur Einfluss darauf, was ich über mich selbst denke. Und ich finde meine Zeichnungen ganz anständig
    Jetzt will ich mich mal wieder an die Arbeit machen...

  19. #19
    chrissi ist offline Erfahrener Benutzer
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    Jep. Stephanie, gute Arbeit.

    Ich glaube, das hat mich auch immer zur Perfektionistin gemacht. Ich habe nicht versucht MEINEM Anspruch zu genügen (das heißt, im Endeffekt habe ich ja doch meinem Anspruch genügt) sondern wollte Demütigung und Spott verhindern. Ängste aus meiner Kindheit. Aber wenn ich HEUTE etwas falsch mache, dann kann ich gerade heraus dazu stehen. Entweder kann ich zugeben, dass ich unwissend war, oder unachtsam oder was auch immer. Mich KANN keiner demütigen, wenn ich das nicht zulasse. Ich bin Leuten, die so agieren nicht ausgeliefert sondern könnte ihnen ja auch Paroli bieten. Weil zb. Demütigung anderer für einen sehr miesen Führungsstil spricht.

    Ich habe mich also quasi selbst vorausgedemütigt, indem ich funktioniert habe bis zum umfallen und von mir Dinge abverlangt habe, die keiner gefordert hat. Ich habe nie die Grenze bei anderen Erreicht, an denen ich unangenehm oder fordernd werde. Eines meiner kleinen Privatprojekte ist, einem anderen Menschen unangenehm mit meinen Forderungen werden. Ich versuche das seit über einem Jahr. Wirklich geschafft habe ich es nicht. Ich bin überrascht, wie weit Menschen mitgehen, wie viel Respekt sie einem entgegenbringen wenn man fordert und dass meine GEDACHTE Grenze der Unverschämtheit anderen gegenüber GANZ WOANDERS lag als sie tatsächlich liegt. Ich kann vom Leben also noch viel fordern.

    Eine kompetente Autoritätsperson gegen die man sich mit klugen Argumenten stellt, kann man nur beeindrucken und sich Respekt verschaffen - auch wenn man Fehler macht. Reagiert so eine Autoritätsperson aber unflätig, dann ist sie ein schwacher Mensch und KANN gar keine Macht über mich haben.

    Zumindest theoretisch.

  20. #20
    Liz
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    @Chrissi: Ja, ich sehe schon. Du hast Deine Schularbeiten genauso gut gemacht wie Candle. Ihr habt beide das Prinzip verstanden und könnt es umsetzten. Je mehr ich mir davon durchlese und darüber nachdenke, fängt es auch bei mir an, sich zu setzen. Also im Positiven

    @Stephanie: Mir geht es ähnlich. Ich habe auch mein Leben lang große Angst vor "Authoritätspersonen" gehabt. Mangelndes Selbstbewustsein und vorhergegangene Trauma spielen dabei wohl die entscheidende Rolle.
    Ich habe heute das erste mal wirklich "auf den Tisch gehauen" und meine Meinung geäußert. Das hat richtig gut getan, habe mich dabei endlich mal "erwachsen" gefühlt

  21. #21
    Britt ist offline Erfahrener Benutzer
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    Ja, Liz - erwachsen und mutig, das ist sooo wichtig. Dieses Zurückschrecken vor Autoritäten scheint sich bei uns hier ja wie ein roter Faden durchs Leben zu ziehen ... Es ist auch wichtig, dass wir das andere Verhalten für uns selbst registrieren, und ich denke, wir dürfen auch stolz auf uns sein.

  22. #22
    Liz
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    @Britt: Danke Dir, Du sprichst mir aus der Seele. Ja, die Angst vor Authoritäten wurde uns anerzogen und begleitete unser Leben über viele, viele Jahre. Wenn wir jetzt kleine Fortschritte machen und unsere Meinung frei äußern, ist das etwas, was uns stolz machen darf. Es ist ein großer Fortschritt, deshalb habe ich mir auch selbst auf die Schulter gekloppft. Selbst das ist etwas, was ich nie gemacht habe. Mich selbst gelobt, oder geschätzt. Das ist für mich auch Neuland, aber fühlt sich sehr gut an

  23. #23
    Britt ist offline Erfahrener Benutzer
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    Hast Du auch noch den "klugen" Spruch gehört: "Eigenlob stinkt!", Liz? So wurde ich noch erzogen, gaaaanz toll.

    Nein, EIGENLOB STIMMT !!!

  24. #24
    Liz
    Liz ist offline Erfahrener Benutzer
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    Zitat Zitat von Britt Beitrag anzeigen
    Hast Du auch noch den "klugen" Spruch gehört: "Eigenlob stinkt!", Liz? So wurde ich noch erzogen, gaaaanz toll.

    Nein, EIGENLOB STIMMT !!!

    @Britt: ganz genau. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich wurde auch noch nach diesen Mustern (v)erzogen.

    Aber es fühlt sich gut an, sich selbst zu schätzen und Fortschritte zu honorieren. Deshalb dürfen wir das auch (ab jetzt)

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