"Hilfe aus der Natur für eine ganz besondere Lebenszeit"

Interview mit der Kräuterexpertin und Doula Demetria Clark

 „Mit dem richtigen Wissen und der nötigen Sorgfalt angewandt können ätherische Öle und Heilpflanzen für werdende Mütter eine große Hilfe bei ihren speziellen Bedürfnissen und Beschwerden sein. Viele Heilmittel können Sie selbst herstellen und einfach und problemlos anwenden, daher greifen auch immer mehr Familien gerne auf die Kräuterheilkunde zurück.“

Die Kräuterexpertin und Doula Demetria Clark, Autorin des Buch-Ratgebers „Aromatherapie und Heilpflanzen für Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit“ – soeben erstmalig in deutscher Sprache erschienen –, hat für diese ganz besondere Lebensphase umfassende Informationen über ätherische Öle und Heilkräuter von A bis Z sowie zahlreiche bewährte Rezepturen für verschiedene Anliegen zusammengestellt.

Seit über 20 Jahren begleiten Sie werdende Mütter als Doula und Hebamme, aber auch als Kräuterfrau und Aromatherapeutin. Was hat Sie auf den Weg geführt, alternative Lösungen für Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt zu suchen?

Demetria Clark: Zu Beginn meines Berufslebens habe ich auf dem Gebiet der kindlichen Entwicklung und mit Familien gearbeitet, es war also der logische nächste Schritt in diese Richtung. Da die Eltern wussten, dass ich eher der natürlichen Heilung zugetan war, baten sie mich regelmäßig um Rat oder Vorschläge, obwohl ich damals selbst erst 17 Jahre alt war. Sie haben mich dazu inspiriert, meine eigenen Ressourcen einzusetzen und damit Lösungen für Kinderkrankheiten wie Zahnen, Hautprobleme usw. zu finden. Außerdem befanden sich in meinem damaligen Umfeld viele Kräuterheilkundler und Hebammen, wodurch ich sehr stark mit diesen Gebieten konfrontiert war und es für mich eine natürliche Weiterentwicklung darstellte. Ich vertrat auch die Theorie, dass Kinder für natürliches Heilen weitaus offener sind, da sie ja gleichsam aus der Natur kommen und daher natürliche Heilmittel leichter aufnehmen und sich diesen anpassen können, und dass es bei den meisten Kindern nur eine kleine Anregung braucht, um die Selbstheilungskräfte ihres Körpers zu aktivieren.

Weltweit ist ein wachsendes Interesse an Naturheilkunde und Pflanzenmedizin zu beobachten. Worin besteht der Vorteil bei der Anwendung von Heilkräutern und Heilpflanzen in der Geburtshilfe?

Demetria Clark: Mit dem richtigen Wissen, mit Unterstützung und der nötigen Sorgfalt angewandt können pflanzliche Heilmittel bei Schwangeren einen großen Unterschied ausmachen. Es gibt viele sichere pflanzliche Mittel für die Zeit der Schwangerschaft, beispielsweise gegen morgendliche Übelkeit, schmerzende Bänder, Rückenbeschwerden und geschwollene Glieder. Diese lassen sich auch einfach und problemlos anwenden, daher greifen Familien meiner Ansicht nach zunehmend auf diese Art von Heilmitteln zurück. Eltern wünschen sich Auswahlmöglichkeiten und Alternativen, und genau diese bieten Kräuter ihnen. Während der Wehen und im Wochenbett können pflanzliche Heilmittel umfassend zur Nahrungsergänzung sowie zur Stärkung des Körpers eingesetzt werden. Dabei lindern sie Muskelschmerzen, Schwellungen im Dammbereich, Nachtschweiß und Krämpfe. Viele pflanzliche Heilmittel können auch problemlos zur Entspannung und Schmerzlinderung in der Stillzeit und bei den Wehen verwendet werden. Schon seit ewigen Zeiten werden Kräuter während der Entbindung verwendet, und ich finde es toll, wenn fundierte Forschung den Gebärenden zugutekommt und es ihnen so ermöglicht, selbst zu steuern, wie weit sie dabei eingreifen möchten.

Das Buch versteht sich als Anleitung für die Verwendung der Aromatherapie in der Schwangerschaft, bei der Geburt, im Wochenbett und in der Stillzeit. Wie funktioniert die Aromatherapie, und was kann sie in dieser besonderen Zeit bewirken?

Demetria Clark: Ich sehe die Aromatherapie gerne als „Triggerpunkt“ zur Behandlung von Beschwerden. Sie kann einerseits wirkliche Schmerzlinderung, Entspannung und emotionale Stärkung bewirken, andererseits aber auch dazu beitragen, eine Reaktion im Körper auszulösen, um dadurch die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stimulieren. Die Aromatherapie funktioniert über das Gehirn und wirkt lokal bei Problemen an der Körperoberfläche. Sie bietet also einen wirklich praktischen Ansatz, um eine Reaktion im Körper anzustoßen, ohne dass dafür etwas eingenommen werden muss.

Bei welchen Begleiterscheinungen und gesundheitlichen Problemen in der Schwangerschaft können Aromatherapie bzw. Kräuter- und Pflanzenkunde Abhilfe schaffen?

Demetria Clark: Oh, es gibt so viele Bereiche, wo sich Heilkräuter und ätherische Öle bewährt haben, etwa bei Morgenübelkeit, Schwellungen, Wassereinlagerungen, Gelenk- oder Rückenschmerzen, Muskelkater und Kopfweh. Durch ihren Reichtum an Vitaminen und Mineralstoffen können Kräuter auch bei ernährungsbedingten Problemen wie Anämie oder Vitamin- und Mineralstoffmangel eingesetzt werden. Weitere Anwendungsbereiche wären Schlafstörungen und Erschöpfung, zur Entspannung, bei Unruhe- oder Angstzuständen, Krampfadern an den Beinen, den Schamlippen oder in der Scheide, gegen Hämorrhoiden, Ekzeme, PUPPP (Pruritische urticarielle Papeln und Plaques der Schwangerschaft; hier kommt es meist zu einem stark juckenden Ausschlag am Bauch), Dehnungsstreifen und Schwangerschaftsakne … Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. Als ich das Buch geschrieben habe, habe ich über hundert Frauen befragt, welche Themen, Bedürfnisse und Beschwerden das Buch abdecken sollte – um sicherzugehen, dass ich nichts auslasse.

Jede Mutter stellt sich die Frage, was das Beste für ihr Kind sei. Worauf sollten Schwangere besonders achten, wenn sie sich für die Anwendung ätherischer Öle und Heilkräuter interessieren?

Demetria Clark: SICHERHEIT GEHT VOR! Um ganz sicherzugehen, sollten Sie zu jedem Mittel immer nachlesen, recherchieren und Fragen stellen. Zwar gelten die meisten frei erhältlichen Mittel gegen Schwangerschaftsbeschwerden als sicher, nichtsdestotrotz sollte man sich immer auch noch die Packungsbeilage genau durchlesen. Vergewissern Sie sich, dass die Informationen von einer verlässlichen kräuterheilkundlichen Quelle stammen und nicht von einem Verkäufer oder einem Multilevel-Marketing-Händler. Besuchen Sie einen ausgebildeten Kräuterheilkundler oder Aromatherapeuten. Fachbücher wie das meine sind ein gutes Nachschlagwerk für Familien.

Sie unterscheiden zwischen ätherischen Ölen und Heilkräutern, deren Anwendung für Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit unbedenklich ist, aber auch solchen, die gemieden werden sollten. Welche sind dies, und worin besteht ihre Wirkung? 

Demetria Clark: In meinem Buch habe ich diesem Thema jeweils eigene Kapitel gewidmet, denn wie schon gesagt lege ich größten Wert auf die Sicherheit in der Anwendung der Öle und Kräuter. Ich nenne Ihnen hier ein paar Beispiele für beliebte Kräuter, von deren Anwendung in der Schwangerschaft ich grundsätzlich abrate. So kann etwa Berberitze Wehen auslösen; außerdem kann sie bei Neugeborenen die Umwandlung des Bilirubins stören und so das Risiko für eine Gelbsucht erhöhen sowie die Leberfunktionen beeinträchtigen. Frauenmantel kann ebenfalls Kontraktionen hervorrufen und wird daher gern während der Geburt zur Unterstützung der Wehentätigkeit eingesetzt; aus dem gleichen Grund ist aber von der Anwendung während der Schwangerschaft abzuraten. Beifuß, ein anderweitig sehr wertvolles Heilkraut, kann zu Geburtsfehlern oder Fehlgeburten führen und sollte vorsichtshalber auch in der Stillzeit gemieden werden. Und wenn stillende Mütter Huflattich konsumieren, laufen sie Gefahr, über die Muttermilch leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide an ihr Kind weiterzugeben. Bei Liebstöckel dagegen kommt es auf die Menge an: In hoher Dosis löst er Wehen aus, doch als Gewürz in der Küche ist nichts gegen ihn einzuwenden. Sie sehen: Die Stärken der Heilpflanzen können bei falscher Anwendung auch ihre Schwächen sein. Daher ist es unerlässlich, sich ausreichend kundig zu machen.

Mittel aus der Aromatherapie und der Kräuterkunde werden nahezu überall angeboten und verkauft – einfacher und besser wäre es jedoch, Heilmittel selbst herzustellen. Welche Ausstattung und Zutaten sind dazu nötig?

Demetria Clark: Na ja, bei den ätherischen Ölen empfiehlt es sich für die meisten Menschen nicht wirklich, diese zu Hause selbst herzustellen, ganz im Gegensatz jedoch zu pflanzlichen Heilmitteln. Mein Buch enthält genaue Anweisungen zur Herstellung aller Arten von Kräuteranwendungen und Mischungen aus ätherischen Ölen. Ein gutes Fachbuch ist daher eine sinnvolle Anschaffung für den Einstieg. Für den Anfang empfehle ich, dass Sie sich ein paar Kräuter besorgen und damit Aufgüsse zubereiten. Das ist ganz einfach und macht auch Spaß. Dafür benötigen Sie lediglich ein Teesieb, Wasser und ein Einmachglas oder eine Teekanne. Wollen Sie jedoch Tinkturen, Linimente, Salben etc. angehen, brauchen Sie mehr Zutaten, beispielsweise Wodka, geeignete Glasgefäße, Trägeröle (etwa Olivenöl, Mandelöl o.a.) sowie Bienenwachs. Die meisten Zutaten für Kräuterrezepte sind leicht zu finden. Seien Sie jedoch gewarnt: Das Herstellen pflanzlicher Heilmittel macht Freude, und wenn man erst einmal damit angefangen hat, kann man überhaupt nicht mehr aufhören.

Der Einsatz von Aromatherapie und Heilkräutern während und nach der Schwangerschaft setzt viel Erfahrung und Wissen voraus. Wo können werdende Mütter diese Kenntnisse erwerben, und an wen können sie sich wenden, wenn sie Unterstützung benötigen?

Demetria Clark: Lesen Sie sich in das Thema ein, besuchen Sie einen Kurs und besorgen Sie sich dann die Pflanzen. Ein Kurs ist normalerweise nicht so teuer in Anbetracht der Tatsache, dass Sie damit den Grundstein für einen lebenslangen Wissensfundus legen, auf den Sie immer wieder zurückgreifen können. Viele Teilnehmer meiner Kräuterschule Heart of Herbs möchten sich dieses Wissen auch einfach nur deshalb aneignen, um damit ihre Familien behandeln zu können. Lesen Sie ausschließlich von Branchenexperten verfasste Fachlektüre, keine Publikationen von Vertriebsfirmen oder Herstellern. Diese haben zwar häufig zahlreiche positive Rezensionen, doch viele davon stammen möglicherweise von ihren eigenen Verkäufern. Vergewissern Sie sich auf alle Fälle, dass das Buch tatsächlich von einem Kräuterkundler oder einem Aromatherapeuten verfasst wurde. Das mag zwar verwirrend sein, aber der Zeitaufwand lohnt sich! Nehmen Sie sich die Zeit, sich mit den Pflanzen aus Ihrer Umgebung vertraut zu machen und die Pflanzenkundler aus Ihrem Umfeld kennenzulernen. Viele Gemeinschaften bieten Kräuterwanderungen, Buchgruppen und Treffen an. Treten Sie Online-Gruppen bei, um so mit anderen an Heilkräutern und Aromatherapie Interessierten in Kontakt zu kommen. Wenn Sie mehr Rat, Anleitung und Unterstützung benötigen, sollten Sie sich mit einem seriösen Fachmann in Verbindung setzen. Auch viele Fachschulen können Sie mit Studierenden oder Absolventen in Ihrer Gegend in Kontakt bringen, die Ihnen weiterhelfen können.

Buch-Tipp:
Demetria Clark: Aromatherapie und Heilpflanzen für Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit. Bewährte Anwendungen und Rezepte. Mankau Verlag, 1. Aufl. Juli 2017, Klappenbroschur, 16 x 22 cm, durchgehend farbig, 254 S., 20,- Euro (D) │ 20,60 Euro (A), ISBN 978-3-86374-389-5

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