„Ob beim Zähneputzen oder an der roten Ampel – trainieren Sie Ihren Beckenboden, es lohnt sich!“

Interview mit der Sportpädagogin und Kursleiterin Heike Höfler zu "Energiequelle Beckenboden"

„Unser Beckenboden ist unsere innere Mitte, unser Energiezentrum – er dient als Basis unserer Wirbelsäule, stabilisiert unsere Haltung, schützt unsere Organe und schenkt uns eine erfüllende Sexualität. Wenn wir durch gezieltes Training für seine Kräftigung und gute Durchblutung sorgen, gibt er uns nicht nur körperliche, sondern auch psychische Sicherheit, er vermittelt dem Gehirn Stärke, Selbstbewusstsein und ein gutes Gefühl.“

Heike Höfler, staatlich geprüfte Sport- und Gymnastiklehrerin und Autorin des Kompakt-Ratgebers „Energiequelle Beckenboden“, ist davon überzeugt, dass Beckenbodentraining in jedem Alter sinnvoll und gewinnbringend ist und spürbar die Lebensqualität steigert.

Sie beschreiben den Beckenboden als „Energie- und Powermuskel“ sowie als „Geheimtipp“ für Lustgewinn und Lebensqualität. Warum erfährt dieses lange Zeit wenig beachtete und tabuisierte Kraftzentrum jetzt so eine große Aufmerksamkeit?

Höfler: Lange Jahre waren alle Themen, die mit dem Beckenboden zusammenhingen, Tabuthemen, über die man nicht in der Öffentlichkeit redete. Bücher, Zeitschriften, Vorträge und manche Ärzte haben Aufklärungsarbeit betrieben, und heute hat man gelernt, über diesen zentralen und grundlegenden Muskel zu reden, und realisiert, dass die Beckenbodengymnastik nicht nur bei Inkontinenzproblemen, sondern auch für mehr Lebensqualität eine wichtige Rolle spielt.

Den Beckenboden sieht und spürt man nicht, doch ist er ein gut trainierbarer Muskel, der bewusst gekräftigt werden kann. Was ist notwendig, um das Energiezentrum in unserer Körpermitte wahrzunehmen und zu stärken?

Höfler: Ohne Aufmerksamkeit und Konzentration geht am Anfang nichts. Man muss sich zunächst die Zeit nehmen, sich regelmäßig auf den Beckenboden zu konzentrieren, der ja ein Muskel ist. Hierbei helfen Übungen, bei denen man dem Beckenboden einen Widerstand entgegensetzt (z.B. sich über eine feste Knierolle setzen); besonders hilfreich sind auch Vorstellungsbilder, weil unser Gehirn Bilder besser versteht als alles andere. Je mehr Aufmerksamkeit wir unserem Beckenbodenmuskel schenken, umso vertrauter wird er uns. Wenn man gelernt hat, ihn bewusst wahrzunehmen, kann man ihn kräftigen wie jeden anderen Muskel auch.

Zu den Beckenbodenproblemen gehören vor allem Inkontinenz, Senkungen der inneren Organe – zum Beispiel der Gebärmutter oder Scheidenwände –, aber auch Orgasmusschwierigkeiten und Impotenz. Welche Ursachen gibt es hierfür, und wann sollte man mit dem Beckenbodentraining beginnen?

Höfler: Ganz klar: So früh wie möglich sollte man mit dem Beckenbodentraining beginnen; gerne schon, bevor es zu Problemen kommt. Durch eine frühe Beckenbodenwahrnehmung und
-stärkung können Probleme verhindert werden, denn der Beckenboden schützt und stützt alle inneren Organe wie Blase, Gebärmutter, Prostata etc. Spätestens aber, wenn es zu Blasen-, Senkungs- oder Prostatabeschwerden kommt, sollte man sehr regelmäßig üben. Es gibt übrigens nicht nur kein „zu früh üben“, sondern auch kein „zu spät“ – Beckenbodentraining ist zu jeder Zeit und in jedem Alter wertvoll. Und es gibt keinen Grund für falsche Scham: Es ist ein natürlicher Vorgang, dass Muskeln verspannen und/oder schwächer werden. Dies gilt auch für den Beckenboden.

Die Übungen in Ihrem Kompakt-Ratgeber dienen der Vorbeugung und Selbstbehandlung, doch wirken sie sich auch positiv auf das Sexualleben und das Selbstbewusstsein aus. Warum hat eine stabile Beckenbodenmuskulatur so weitreichende Wirkungen?

Höfler: Der Beckenboden ist das Basiszentrum für unsere Wirbelsäule, stabilisiert unsere Haltung und schützt die inneren Organe. Außerdem stellt die Beckenbodenmuskulatur auch das Energiezentrum unserer Sexualität dar und kommt beim Orgasmus zum Einsatz. Ein kräftiger, vitaler und gut durchbluteter Beckenbodenmuskel gibt uns nicht nur körperliche, sondern auch psychische Sicherheit, er vermittelt dem Gehirn Stärke, Selbstbewusstsein und ein gutes Gefühl. Die chinesische Lehre spricht vom Wurzelchakra, dem eine einmalige Bedeutung zukommt, denn hier beginnen die Energiebahnen. Es bildet unsere Basis, unsere Wurzel und ist Sitz der Ur-Energie.

Besonders in der Schwangerschaft ist der Beckenboden gefordert. Welche Probleme können dabei auftreten, und wie lassen sich diese vermeiden?

Höfler: In der Schwangerschaft wird der Beckenboden besonders durch das schwerer werdende Kind belastet. In dieser Zeit ist es sehr wichtig, diesen Haltemuskel kräftig und stabil zu halten. Genauso wichtig ist es aber auch, für seine Elastizität zu sorgen, damit er dem Wachstum nachgeben und sich bei der Geburt gut öffnen kann. Nach der Geburt sind Beckenbodenübungen anhaltend wichtig, um den überdehnten Beckenboden bei der Rückbildung zu unterstützen und ein Leben lang „in Form“ zuhalten.

Auch Männer profitieren von einem regelmäßigen Beckenbodentraining, um Erektionsschwierigkeiten oder Prostatabeschwerden zu behandeln. Sind diese Übungen auch noch im fortgeschrittenen Alter sinnvoll?

Höfler: Diese Übungen sind in jedem Alter sinnvoll und gewinnbringend, denn sie trainieren die Erektionsmuskeln. Starke Beckenbodenmuskeln verhindern, dass das Blut aus den Schwellkörpern zurückfließt, und unterstützen dadurch eine Erektion. Die Prostata liegt direkt auf dem Beckenboden und wird durch Beckenbodenübungen besser durchblutet und günstig beeinflusst. Bei einer bestehenden Prostatavergrößerung und nach einer Prostataoperation sind diese Übungen ein „Muss“, um eine Harninkontinenz zu verhindern oder zu beheben.

Vielen Menschen fehlen Zeit und Ruhe, um ein regelmäßiges Training der Beckenbodenmuskulatur zu absolvieren. Welche Möglichkeiten gibt es, die Übungen in den beruflichen Alltag zu integrieren?

Höfler: Wenn Sie gelernt haben, die Beckenbodenmuskulatur wahrzunehmen, ist es sehr einfach, manche Beckenbodenübung einfach in den Alltag miteinzubeziehen. Dies ist auch sehr sinnvoll, denn das Training sollte ein Leben lang beibehalten werden. Sie können z. B. beim Telefonieren, beim Autofahren, beim Zähneputzen, in der Warteschlange oder im Wartezimmer den Beckenboden einige Male anspannen und entspannen. Dies geschieht dann ohne Bewegung und ist für andere nicht ersichtlich. Morgens oder abends oder auch mal zwischendurch können dann noch zwei oder drei (gerne auch mehr) Bewegungsübungen eingeflochten werden, z. B. beim Fernsehen auf dem Sofa, Sessel oder Boden oder auch mal im Büro auf dem Bürostuhl. Mit jeder Beckenbodenübung tun Sie übrigens auch Ihrem Rücken etwas Gutes. 

Buch-Tipp:
Heike Höfler: Energiequelle Beckenboden. Wirkungsvolle Übungen für mehr Lebensqualität und Kraft. Kompakt-Ratgeber, Mankau Verlag, 1. Aufl. Oktober 2017. Klappenbroschur, durchgehend farbig, 11,5 x 16,5 cm, 127 S. 8,99 € (D) / 9,20 €(A), ISBN 978-3-86374-420-5.

CD-Tipp:
Prof. Dr. med. Stefan Corvin und Dr. med. Hauke Hammerl: Beckenbodentraining. Bewährte Übungen zur Vorbeugung und Selbsthilfe. Audio-CD, Mankau Verlag, 1. Aufl. Oktober 2017. 1 Audio-CD mit 20-seitigem Booklet, Gesamtlaufzeit ca. 65 Min., 12,95 € UVP (D/A), ISBN 978-3 86374-419-9.

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