Gelebte Individualität im Gesundheitswesen: Thomas Lambert Schöberl hält ein leidenschaftliches Plädoyer für den Beruf des Heilpraktikers

In seinem Buch „Grüne Seelen“ und im gleichnamigen Hörbuch schildert der Experte für Naturheilkunde Thomas Lambert Schöberl den ganz persönlichen Weg zu seiner Berufung. Zugleich greift er in die aktuelle Debatte um die Zukunft des Heilpraktikerberufs ein und verdeutlicht, warum dieser so wichtig ist.

Berufsstand in Gefahr

Vor etwa eineinhalb Jahren, am 30. Oktober 2019, hat das Bundesgesundheitsministerium ein Rechtsgutachten zum Heilpraktikerrecht ausgeschrieben, das mögliche Veränderungen beim Berufsstand der Heilpraktiker beurteilen soll. Darin soll geklärt werden, welchen Gestaltungsspielraum der Gesetzgeber im Fall einer Reform des Heilpraktikerrechts zur Stärkung der Patientensicherheit hätte. Konkret geht es um die Regelung von Ausbildung und Berufsausübung – sogar die Abschaffung des Heilpraktikerberufs steht noch als Option im Raum.

Angesichts der jüngsten öffentlichen Angriffe und kritischer Diskussionen um die Wirksamkeit einzelner Therapieformen herrscht große Sorge bei den ca. 47.000 Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern, aber auch bei Hunderttausenden von Patienten, die um ihre vertrauensvolle Anlaufstelle, insbesondere bei chronischen Erkrankungen, fürchten.

Der Heilpraktiker und Pädagoge Thomas Lambert Schöberl beschreibt in seinem Buch „Grüne Seelen“ nicht nur seinen persönlichen Lebensweg als Therapeut, sondern ergreift die Gelegenheit für ein leidenschaftliches Plädoyer, das die Notwendigkeit des Berufs für unser Gesundheitssystem betont. Denn Heilpraktiker entlasten dieses System und sind daher gerade heute „systemrelevant“: „In Zeiten eines kommerzialisierten, von Eliten beherrschten Gesundheitssystems, einer monopolisierten Ernährungswirtschaft und der Ausbeutung ganzer Gesellschaftsschichten stellt der Heilpraktikerberuf eine wundersame Waldlichtung dar, die, einmal entdeckt, eine Schatzkammer innovativer, längst vergessener Visionen, einer nachhaltigen und gesunden Zukunft offenbart.“

Heiler, Hexen, Helden – zur Geschichte einer Berufung

Die Geschichte der Heiler und Heilpraktiker reicht bis in die Frühzeit der Menschheit zurück und ist geprägt von Verfolgung, Diffamierung, Machtmissbrauch und Patriarchat. Dennoch hat sich der Beruf des Heilpraktikers über Jahrhunderte hinweg behauptet und in der Gesellschaft etabliert. Ungeachtet aller Trends und Zeitgeister ist der Heilpraktiker ein Brückenbauer zwischen Medizin, Naturkunde, Spiritualität und Seelsorge geblieben.

Zahlreiche weitere Berufe und Bewegungen sind aus ihm hervorgegangen. Es bestehen enge Verbindungen zwischen der Entstehung der Reformhäuser, der biologischen Landwirtschaft, der reformpädagogischen Bewegungen oder der Etablierung heutiger Naturheilkundezentren. Das Heilpraktikerwesen stelle daher eine wichtige Opposition zum Massenbetrieb der konventionellen Gesundheits-, Ernährungs-, Umwelt- und Bildungspolitik dar.

Es waren überwiegend Heilpraktiker, die in den 80er-Jahren die Kunst der Akupunktur, Meditation und Yoga in den Westen importierten. Anfangs verlacht, sind diese Verfahren heute Therapiemethoden, die selbst von Ärzten verordnet und von Krankenkassen anerkannt werden. Heilpraktiker waren ihrer Zeit oft weit voraus. Im Gegensatz zur akademischen Medizin speist sich ihr Heilwissen aus der rein praktischen Erfahrung vieler Generationen. Heilpraktiker sind die Erben der heidnischen Seherinnen, Schamanen und Priester, Nachfahren der verfolgten Kräuterweiber und Hebammen des Mittelalters. Was all diese praktischen Laien auszeichnete, ist ihre tiefe Verwurzelung im Volk und ihr ganzheitliches Weltbild. 

Vielfalt und Vernetzung – Aufgabe und Anspruch des Heilpraktikers

Unbestritten ist, dass der medizinische Fortschritt ein großer Segen und wissenschaftliche Standards bei der Behandlung von akuten Erkrankungen und medizinischen Notfällen ein großer Gewinn sind, doch fasst das menschliche Leben auch eine nicht messbare, eine nicht objektivierbare Seite in sich. Genau hier beginnt laut Schöberl die faszinierende Welt der Heilpraktiker. Die Unabhängigkeit und Vielseitigkeit, die Freiheit der Therapien, sorgen dafür, dass deren Praxen einige der wenigen Orte im Gesundheitswesen sind, die noch wirklich gelebte Individualität verkörpern. So sei es jedem einzelnen Heilpraktiker möglich, aufgrund seiner eigenen Lebenserfahrung und Philosophie sein ganz spezielles Angebot zu entwickeln.

Eine Abschaffung des Heilpraktikerberufs hätte zur Konsequenz, dass das ganzheitliche Weltbild seine Vertreter und Vorkämpfer verlöre. Zwar würden Akupunktur, Homöopathie oder Pflanzenheilkunde weiter in privaten Arztpraxen Anwendung finden, doch definitiv nicht in ihrer ursprünglichen Qualität. Für eine gute Versorgung von kranken Menschen braucht es diese Vielfalt, um ganzheitliche medizinische Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft zu finden. Denn Medizin findet nicht abgekapselt von den ökologischen, ökonomischen und demografischen Entwicklungen der Welt statt, betont Schöberl. „In einer überakademisierten Welt und einer immer weiter voranschreitenden Spezialisierung auf Einzelgebiete braucht es auch Therapeuten, deren Expertise in der Vernetzung und Vermittlung einzelner Disziplinen liegt – diese Arbeit leisten wir Heilpraktiker.“

Buch-Tipp:
Thomas Lambert Schöberl: Grüne Seelen. Über die Weisheit der Natur: Aus der (Lebens-)Praxis eines Heilpraktikers. Mankau Verlag, 1. Auflage Februar 2021, Klappenbroschur, 13,5 x 21,5 cm, 318 S., 18,95 Euro (D) / 19,50 Euro (A), ISBN 978-3-86374-598-1.

Hörbuch-Tipp:
Thomas Lambert Schöberl: Grüne Seelen (Hörbuch). Über die Weisheit der Natur: Aus der (Lebens-)Praxis eines Heilpraktikers. Mankau Verlag, 1. Auflage Februar 2021, 1 MP3-CD im Jewelcase, Laufzeit ca. 632 Min., 15,00 Euro UVP (D/A), ISBN 978-3-86374-601-8

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