Aufwachen aus dem Dämmerschlaf: Stressbewältigung durch Achtsamkeit

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Dieses Thema enthält 0 Antworten und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Doris Kirch Doris Kirch 10.07.2018 um 16:18.

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    Doris Kirch
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    Leben im Dämmerschlaf

    Wie bewusst leben Sie eigentlich? Sind Sie sich gerade gegenwärtig, dass Sie atmen? Vermutlich nicht.
    Der Ex-Beatle John Lennon (1940-1980) sagte einmal, dass Leben das ist, was geschieht, während wir mit anderen Dingen beschäftigt sind. Und tatsächlich: meistens sind wir eher im Aktions- als im Seins-Modus und haben nur eine unzureichende Wahrnehmung unserer selbst und dessen, was um uns herum geschieht. Wie von einem Autopiloten gesteuert verbringen wir unsere Tage, während unbewusste chaotische Gedankenströme und kräftezehrende emotionale Eruptionen unsere Energien auffressen. Wir torkeln durch unser Leben, wie der Betrunkene, der an einem Park vorbeikommt, an dessen Gitterzaun rüttelt und brüllt: „Lasst mich hier raus!“

    Erwachen zum Hier und Jetzt

    Wir sind getrieben von innerer Geschäftigkeit, von einer Tyrannei unseres Geistes, die uns zu einer Hektik treibt, die nicht selten in chronischem Stress endet. Meistens kriegen wir gar nicht richtig mit, was eigentlich passiert: Wir essen – aber wir schmecken nicht. Wir berühren, aber wir spüren nicht. Wir hören, ohne wirklich zu verstehen. Wir reden, ohne zu wissen, was wir sagen. Mit unseren Gedanken sind wir ständig in der Vergangenheit – oder in der Zukunft. Wir sind überall, nur an einer Stelle sind wir nicht: Im Hier und Jetzt. Dabei ist dieses Hier und Jetzt, diese Sekunde, das Einzige, was wir wirklich haben. Denn da sind wir uns doch sicherlich einig: die Vergangenheit ist vorbei – das sagt bereits ihr Name. Ob die Zukunft kommt, das wissen wir nicht – wir wissen in dieser Minute nicht, ob wir noch eine nächste haben werden. Das einzige, was wir haben, ist das Hier und Jetzt. Diese Sekunde.

    Das Wunder des gegenwärtigen Moments

    Halten Sie einmal inne und erleben Sie diese Sekunde. Spüren Sie Ihren Atem, denken Sie an nichts und spüren Sie einfach nur diese Sekunde, diesen Augenblick.
    Wenn Sie es geschafft haben, einfach nur still zu sein und wahrzunehmen, konnten Sie feststellen, welche Zufriedenheit in dieser Stille liegt – unabhängig davon, wie schwer Ihr Leben vielleicht gerade sein mag. Das Ziel einer Achtsamkeitspraxis ist es, zum Leben im Hier und Jetzt zu erwachen; nacheinander jeden Augenblick bewusst zu erleben. Aber es geht nicht nur um den Zeitpunkt, sondern auch um die Qualität, die in diesem Zeitpunkt liegt. Simple – but not easy, wie Sie merken können, wenn Sie versuchen, diesen Geisteszustand auch nur zwei Minuten lang aufrecht zu erhalten. Wenn Sie das nicht schaffen, trösten Sie sich: Sie befinden sich in bester Gesellschaft, denn niemand, der das nicht systematisch übt, ist dazu imstande.

    Affentheater

    Achtsam zu sein bedeutet von Augenblick zu Augenblick auf eine bestimmte Art und Weise aufmerksam zu sein.
    Aber normalerweise ist unser Geist unruhig. Er springt umher wie ein wildgewordener Affe. Wir sehen etwas und bevor wir es in seinem So-Sein wahrnehmen, projizieren wir schon Gedanken, Konzepte, Ideen oder Meinungen darauf. Reine Wahrnehmung findet in dem Moment statt, wenn Sie zum Beispiel einen Baum sehen. Das reine Gewahrsein ist bereits in dem Moment vorbei, indem Sie das, was Sie da vor sich sehen, als Baum betiteln. In diesem Moment laufen bereits eine Fülle von Informationen, Abgleichungen oder Erinnerungen in Ihrem Hirn ab. Sofort entstehen Bewegung und Unruhe im Bewusstsein. Achtsamkeit ist kreine Wahrnehmung. Im Zustand der Achtsamkeit registrieren wir nur, wir benennen, kategorisieren und bewerten nicht. Es geht nur um den gegenwärtigen Moment, dem weder etwas weggenommen noch etwas hinzugefügt wird.

    Lernen, sich in schwierige Situationen hineinzuentspannen

    Es ist eine erstaunliche Erfahrung, wenn wir zum ersten Mal erfahren, wie sich so etwas anfühlt. Vor allem dann, wenn wir uns gerade in einer schwierigen Lebenssituation befinden, wenn wir uns gekränkt oder zurückgewiesen erleben, oder wenn wir körperliche Schmerzen haben, können wir erfahren, dass wir all das einfach so stehen lassen können. Der Impuls, die Dinge anders haben zu wollen, verschwindet einfach. Man könnte sagen, dass man durch das Gewahrsein allmählich lernt, sich in jede Situation hineinzuentspannen – egal, ob wir sie gewöhnlicherweise als angenehm oder unangenehm bewerten. Diese Haltung der Achtsamkeit, die wir uns durch die Meditation systematisch aneignen, wird nach und nach zu einer Lebenshaltung, zu unserer zweiten Natur.

    Die Achtsamkeitspraxis ist keine Methode, sondern eine Lebenshaltung

    Nur im klaren Geisteszustand sind Sie in der Lage, sich Ihrer Körpergefühle, Ihrer Emotionen und Ihrer Gedanken bewusst zu sein. Sie haben in diesem Buch bereits erfahren, dass Stress ein Gefühl des Ausgeliefertseins an eine Situation ist, die wir nicht beeinflussen können. Wir haben jedoch immer eine Wahl. Wir können Situationen klären, wir können sie meiden oder wir können unsere Einstellung zu ihnen ändern. Aber am Anfang von alledem steht das Bewusstsein. Wir müssen uns erst einmal bewusst sein, dass wir eine Wahl haben. Dieses Bewusstsein ist in Stress-Situationen meistens nicht mehr vorhanden. Wie wir bereits sehen konnten, sind Gedanken, Gefühle und die daraus resultierenden Handlungen unter Stress ein einziges Chaos. Oft sitzen wir hinterher da und überlegen uns, was wir besser hätten sagen – oder nicht sagen können, oder was wir hätten tun – oder besser nicht hätten tun sollen. Wir sind wie Blätter im Wind, die mal hier und mal da hin geblasen werden.

    (…)

    Dieser Text ist ein Auszug aus meinem „Handbuch Stressbewältigung“.
    Dort können Sie mehr über Achtsamkeit lesen.
    Natürlich können Sie hier auch gerne mit mir darüber diskutieren, was Sie zu diesem Thema bewegt.

    – – – – – –

    Besuchen Sie einen meiner Achtsamkeitstage, Achtsamkeitsseminare oder Achtsamkeitsretreats:
    http://www.dfme-achtsamkeit.de

    Werden Sie selbst Achtsamkeitstrainer:
    http://www.fachausbildung-stressbewaeltigung-achtsamkeit.de

    Wenn Sie bereits eine langjährige Achtsamkeits-und Meditationspraxis haben,
    können Sie auch MBSR-Lehrer werden:
    http://www.mbsr-ausbildung-dfme.de

    Doris Kirch

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