Freie Wahl des Geburtsortes in Gefahr!

Startseite Foren AUTOREN VON A BIS Z Rumpel, Kristina Marita Freie Wahl des Geburtsortes in Gefahr!

Dieses Thema enthält 10 Antworten und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Kristina Marita Rumpel Kristina Marita Rumpel 15.01.2016 um 11:34.

Ansicht von 11 Beiträgen - 1 bis 11 (von insgesamt 11)
  • Autor
    Beiträge
  • #169648

    Eine aktuelle Mitteilung des Deutschen Hebammenverbandes sorgt für Aufregung: In der Presse-Erklärung vom 30. April heißt es: „In den aktuellen Verhandlungen des Deutschen Hebammenverbandes e. V.(DHV) mit dem GKV-Spitzenverband konnte aktuell keine Einigung erzielt werden. Die Schiedsstelle soll angerufen werden. Gescheitert sind die Verhandlungen an den nicht überbrückbaren Differenzen zu den Ausschlusskriterien für Hausgeburten. Der GKV-Spitzenverband wollte wissenschaftlich nicht belegte Ausschlusskriterien pauschal festlegen, Frauen dabei das Recht zur Mitbestimmung absprechen und Vorgespräche von Hebammen mit Schwangeren zur Geburt und der Wahl des Geburtsortes nicht ausreichend finanzieren“ (vgl. http://www.hebammenverband.de).

    Damit steht ein weiterer Schritt der Abwertung von Hebammen- und Frauenwissen bevor.Wenn dem nicht Einhalt geboten wird, haben wir im 21. Jahrhundert bald wieder mittelalterliche Verhältnisse mit einem quasi erzwungenen Berufsverbot von Hebammen und unzureichend betreuten Gebärenden. Der echte Skandal für mich: eine Verwaltungsorganisation hat die Macht über das Wohl von Frauen, Kindern und einer ganzen Gesellschaft zu entscheiden.

    Noch dazu ein Verband, der sich in die Präambel schreibt „Die Gesundheit der 70 Millionen Versicherten steht im Mittelpunkt seines Handelns“. Die Gesundheit und das Wohl von Frauen und den neugeborenen Kindern können damit jedenfalls nicht gemeint sein. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Komplikationen bei Geburten mit all den traumatischen und gesundheitlichen Langzeitfolgen für Mutter und Kind in Krankenhäuser eher erst entstehen und mit einer frauenzentrierten, ganzheitlichen Betreuung etwa durch Hebammen oder einer grundsätzlichen Stärkung von Frauen zu verhindern wäre.

    Das wird klar, wenn man sich vor Augen führt, dass der Ablauf im Krankenhaus für Risikogeburten ein Segen ist, für die übrigen 90 Prozent allerdings schnell zum Problem werden kann. Werden Geburten zu einem medizinischen Ereignis und setzen die Überwachungsmaschinerie und statistischen Vorgaben der „normalen Geburt“ Frauen unter Druck, dann wird der natürliche Geburtsverlauf massiv behindert und entgleitet den Frauen. Dabei ist unstrittig, dass jede Geburt so individuell und einzigartig ist wie das Empfinden jeder Gebärenden und Frauen auf ihrem Geburtsweg daher Empathie, Fürsorge, Verständnis und eine behagliche, beschützte Umgebung benötigen. Wo Frauen diesen Kraftort für sich finden und sehen, kann allein die Frau für sich entscheiden. Ihr diese Wahl zu nehmen, ist eine massive Einschränkung und die Beraubung der elementaren Erfahrung von Weiblichkeit.

    Das reaktionäre Festhalten an alten Systemen und die damit einhergehende Einschränkung der freien Wahl des Geburtsortes, wird auf dem Rücken von Schwangeren und Gebärenden ausgetragen. Die Forderungen der GKV sind außerdem kontraproduktiv hinsichtlich der Bemühungen vieler Krankenkassen, die sich für eine bewusste Schwangerschaft und Geburtsvorbereitung einsetzen. Kraftvolle Geburtserfahrungen und eine Stärkung des Weiblichen in unserer Welt wird damit jedenfalls systematisch verhindert. Die Einführung der Frauenquote nutzt dann wenig, wenn die ursprüngliche Macht von Frauen, nämlich die Erfahrung der inneren Stärke bei Geburten und der damit einhergehenden lebensbejahenden Geburts- und Lebenserfahrung immer weiter an den Rand gedrängt wird.

    Die Bevormundung von Hebammen und Schwangeren durch die Krankenkassen, die in keinerlei inneren Zusammenhang zu Geburt und Frauen stehen, ist schlicht nicht zu akzeptieren. Die frauenzentierte Versorgung rund um die Geburt ist ein Menschenrecht und durch die Haltung der Krankenkassen massiv in Gefahr. Kann es sein, dass noch keiner der „Oberen“ verstanden hat, dass Geburten nicht irgendein Thema sind, sondern dass es sich dabei um die Zukunft unseres Landes handelt? Die seit über 5.000 Jahren bewährte Betreuung von Schwangeren und Gebärenden durch Hebammen ohne Not einfach zu untergraben, ist entweder dumm und ignorant,ganz sicher jedoch unverantwortlich und ein himmelschreiender Irrsinn!

    Wie einfach wäre es an dieser Stelle auf die Männerwelt zu schimpfen. Doch die Sache ist komplexer. Wie kann es sein,dass wir in einem Land leben, in dem die Vorstandsvorsitzende der GKV und die Bundesfrauenministerin weiblich sind, eine Frau sogar das Land reagiert, die Rechte von Frauen dennoch so mit Füßen getreten werden? Die Wahl des Geburtsortes ist ein Grundrecht von Frauen und geht alle Frauen an dieses Recht zu verteidigen (#meineGeburtmeineEntscheidung)!

    Am morgigen Internationalen Hebammentag sind alle Frauen zur Solidarität aufgerufen und sich für die uneingeschränkte Arbeit von Hebammen einzusetzen. Diese Aufforderung gilt ausdrücklich auch für Frau Dr. Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende der GKV, Frau Bundesministerin Manuela Schwesig und Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mögen sich diese Frauen an ihre Wurzeln erinnern und dem Treiben ein Ende setzen. Was spricht dagegen, sie an ihre Verantwortung zu erinnern, in dem jede Unterstützerin der Hebammen eine Mail an sie schreibt?!

    #220188

    Heute hat der Verein Mother Hood eine Petition „Geburt darf keine Privatleistung werden“ an für Dr. Doris Peiffer, Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, öffentlich gemacht. Bravo!
    Da es eben nicht egal ist, wie Kinder geboren werden, ruft FlowBirthing zur Unterzeichnung der Petition auf unter http://www.change.org/p/geburt-darf-keine-privatleistung-werden-gegen-die-wirtschaftlich-optimierte-geburt-elternprotest?

    #220305

    Die Antwort aus dem Bundesfamilienministerium ist jetzt da. Nicht von Frau Ministerin persönlich aber immerhin.

    Darin heißt es: „Ihre Sorgen zur beruflichen Situation der Hebammen sowie einer möglichen Einschränkung der Wahlfreiheit des Geburtsortes und der selbstbestimmten Geburt nimmt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sehr ernst…Auch in Zukunft sollen Familien auf die Hilfe von Hebammen bauen dürfen und selbst entscheiden, wo ihr Kind zur Welt kommt. Deshalb ist Frau Bundesministerin Schwesig im Dialog mit ihrem Kollegen aus dem Gesundheitsressort, um gemeinsam mit den anderen Ministerien eine tragfähige Lösung zu finden.“

    So schön so gut, die ganze Antwort ist nachzulesen auf der FlowBirthing Facebook-Seite. ABER:

    Warum nur dauert es so lange eine tragfähige Lösung zu finden? Sollen die Hebammen langsam ausgehungert werden? Wie kann es sein, dass eine Versicherungsindustrie die Geburtshilfe massiv dominiert und Hebammen an der Ausübung ihres Berufes hindert? Warum schafft es die Not von Hebammen und Gebärenden nicht in die Schlagzeilen? Geburt geht uns doch alle an. Wo bleibt der mediale Aufschrei?! Es bleibt zu hoffen, dass sich Frau Ministerin Schwesig als Frauenministerin auch darüber Gedanken und sich solidarisch für alle Frauen stark macht.

    #220341

    Mother Hood Deutschland schreibt am 5. Juni 2015 zum Thema:
    Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) will künftig die Kostenübernahme für Hebammenversorgung in der außerklinischen Geburtshilfe massiv einschränken. Leider scheint es, als würden nicht nur die Versicherten, sondern auch die gesetzlichen Krankenkassen durch ihren eigenen Spitzenverband bewusst oder gar gezielt getäuscht, was die tatsächlichen Inhalte der Vertragsverhandlungen und deren Auswirkungen auf alle Geburten in Deutschland angeht. Anders lassen sich die zahlreichen Fehlinformationen zu diesem Thema in den Medien und die irreführenden Antworten an die verunsicherten Familien nicht erklären.

    Der Pressesprecher des GKV-SV, Florian Lanz, sagt in einem Interview im ZDF: „Das können doch nicht die Frauen und Hebammen allein entscheiden“.
    Ach nein? Wer sonst?! Menschenrechte gelten auch für Babys und Mütter!

    Der GKV-SV handelt mit der geplanten Neuregelung aus unserer Sicht rechtswidrig. Dies bestätigt unter anderem Dr. Reinald Eichholz, ehem. Kinderbeauftragter der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. In einer juristischen Stellungnahme führt er aus, dass u.a. die Rechte des Kindes auf Berücksichtigung des Kindeswohls (Art. 3 Abs. 1 KRK), das Selbstbestimmungsrecht der Frauen (Art. 2 Abs. 1 GG) und das verfassungsrechtlich geschützte Berufsausübungsrecht der Hebammen mit diesen Plänen des GKV-SV gebrochen werden.

    Höchstmögliche Qualität und Sicherheit unter der Geburt gewährleistet eine, in Deutschland nicht vorhandene, 1:1-Betreuung durch eine Hebamme, egal ob sich die Frau für eine Klinik-, Geburtshaus- oder Hausgeburt entschieden hat. Nach dem Sozialgesetzbuch sind die Krankenkassen verpflichtet, die Geburtsortswahl der Frauen zu respektieren und die Kosten unabhängig vom Geburtsort zu übernehmen. Eine Einschränkung der Leistung ist gesetzlich nicht vorgesehen und auch aufgrund der belegten Sicherheit außerklinischer Geburten nicht möglich. Darüberhinaus ist die viel gepriesene Qualität und Sicherheit in Kliniken heute schon längst nicht mehr gegeben. Über 300 Kliniken haben in den vergangenen Jahren geschlossen. Jüngster Auswuchs des Systems ist ein Kreißsaal, der nur noch bis 17 Uhr geöffnet hat. Danach gibt es für die Frauen nur noch die Option des Kaiserschnitts mit allen Risiken für Mutter und Kind (belegte höhere Sterblichkeit, langfristige Gesundheitsauswirkungen).

    Qualität und Sicherheit? Der blanke Hohn für alle Eltern, die die jährlich rund 680.000 Kinder in Deutschland bekommen!“

    #220374
    Beim Health Media Award 2015 ist das Portal FlowBirthing – Das Internetportal für eine bewusste Geburt und Schwangerschaft mit dem „Oscar der Gesundheitskommunikation“ ausgezeichnet worden. FlowBirthing erhielt den begehrten „Health:Angel“ als herausragendes und nachhaltiges Kommunikationsprojekt in der Kategorie „Frauengesundheit“.Eine Grand Jury aus Fachleuten aus den Bereichen Healthcare und Kommunikation hatte FlowBirthing unter 213 Projekten als einen der 26 diesjährigen Gewinner ermittelt.FlowBirthing widmet den Preis allen Hebammen in Deutschland um so mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die Notlage der Hebammen in Deutschland zu schaffen.
    #220457

    „Ein Ende der Prämienspirale ist nicht abzusehen“, meint Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. „Wir betrachten mit Sorge, wohin die Geburtshilfe in Deutschland steuert. Wenn überall Hebammen und auch freiberufliche Gynäkologinnen und Gynäkologen fehlen, gibt es keine sichere Geburtshilfe mehr für Frauen und ihre Kinder“, so Martina Klenk. Eine zunehmende Technisierung in Kreißsälen kann medizinisches Personal nicht ersetzen. Weiterhin ist die intensive Betreuung einer Hebamme für eine Gebärende der wichtigste Faktor für einen guten Geburtsverlauf. Die Wahlfreiheit des Geburtsortes für Mütter und Eltern ist in vielen Regionen bereits jetzt nicht mehr gegeben. Ein weiterer Rückgang der freiberuflichen Geburtshilfe bedeutet nicht nur, dass weniger Geburten in Geburtshäusern oder zu Hause erfolgen können. Auch in den zahlreichen Kliniken, die mit freiberuflichen Hebammen – sogenannten Beleghebammen – arbeiten, zeigen sich bereits Auswirkungen: In vielen Kreißsälen sind Stellen nicht mehr besetzt. Erste Kreißsäle mussten bereits zeitweise die Geburtshilfe einstellen oder schließen ganz.

    Auszug aus der aktuellen Pressemitteilung des DHV „Hebammen müssen Haftpflichterhöhungen ab 1. Juli 2015 alleine schultern“

    #220507

    Unglaublich, aber wahr! Der GKV-SV ist davon überzeugt, dass Deutschland keine freiberuflichen Hebammen braucht.

    Nachzuhören ist es hier in der gestrigen hitzigen „Redezeit“-Diskussion von NDR Info: Hebammen in Not | NDR.de – NDR Info – Sendungen – Redezeit

    Dort diskutierten die Moderatorin Birgit Langhammer mit ihren Gästen: Katharina Jeschke (Präsidiumsmitglied Deutscher Hebammenverband e.V.), Ann Marini (Pressesprecherin des GKV-Spitzenverbandes) und Dr. Edgar Franke (SPD-Bundestagsabgeordneter, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Bundestages).

    #220945

    Hebammenverband befürchtet Untergang der Hausgeburt

    Der Deutsche Hebammenverband (DHV) kritisiert die heute erfolgte Entscheidung der Schiedsstelle, die verbindliche Ausschlusskriterien für Hausgeburten festlegt, obwohl ihr Nutzen nicht wissenschaftlich belegt ist. Dazu zählt zum Beispiel die Überschreitung des berechneten Geburtstermins um drei Tage. In diesem Fall soll zukünftig immer ein Arzt bestimmen, ob eine Hausgeburt möglich ist. Frauen und Eltern haben damit keine selbstbestimmte freie Wahl des Geburtsortes mehr, obwohl diese gesetzlich zugesichert ist. Der Hebammenverband bewertet die heutige Entscheidung als schweren Einschnitt in das Berufsrecht der Hebammen. Diesen wird damit die Fähigkeit abgesprochen zu entscheiden, wann eine Schwangerschaft nicht mehr regelgerecht verläuft. Der DHV befürchtet, dass es in der Praxis zukünftig kaum noch Hausgeburten geben wird.

    „Die Etablierung von Ausschlusskriterien hat nichts mit einer Qualitätsverbesserung in der außerklinischen Geburtshilfe zu tun, sondern bewirkt deren Abschaffung“, meint Katharina Jeschke, Verhandlungsführerin des DHV und Präsidiumsmitglied. „Das leitet den Untergang der Hausgeburt ein“, meint Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands. Ein jahrtausendealter Beruf, der Geburtshilfe in hoher Qualität erbringt, werde damit ohne wissenschaftlich fundierte Begründung in seinen Grundzügen verändert. „Mit Besorgnis nehmen wir wahr, dass die natürliche, die physiologische Geburt immer weniger im Fokus der Geburtshilfe steht. Das Vertrauen in die Körperkompetenz von Frauen geht verloren. Technische Hilfsmittel werden immer mehr in den Vordergrund geschoben, da sie vermeintlich Sicherheit bieten“, so Martina Klenk. Es gebe jedoch keine empirisch belegbaren Beweise, dass eine Hausgeburt weniger sicher ist als eine Geburt in der Klinik oder dass dabei mehr Komplikationen auftreten.

    „Wir gehen davon aus, dass die meisten Ärztinnen und Ärzte allein aus der Furcht vor haftungsrechtlichen Folgen zukünftig keine Zustimmung zur Hausgeburt geben werden. Vielerorts können Frauen diese Erlaubnis schon deshalb nicht bekommen, da Arztpraxen üblicherweise an Wochenenden und Feiertagen gar nicht besetzt sind“, meint Katharina Jeschke, Präsidiumsmitglied des DHV.

    #222822

    Die Haftpflicht für Hebammen steigt erneut, freie Hebammen dadurch weiter unter Druck.


    Auf der jährlichen Bundesdelegiertentagung des Deutschen Hebammenverbandes e.V. (DHV) in Fulda wurde gestern bekannt gegeben, dass der DHV weiterhin eine Versicherung für freiberufliche Hebammen anbieten kann. Der Haftpflichtschutz für weitere zwei Jahre wird von einem Konsortium aus mehreren Versicherern abgedeckt.


    Damit gehen jedoch erneut massive Steigerungen einher: Im Juli 2016 steigt die Haftpflicht um neun Prozent auf jährlich 6.843 Euro für freiberufliche Geburtshelferinnen, im Juli 2017 erneut um über elf Prozent auf dann 7.639 Euro. Ein Sicherstellungszuschlag soll Abhilfe schaffen, wird jedoch nicht alle betroffenen Hebammen ausreichend entlasten können. Erst kürzlich hat eine Schiedsstelle über dessen Ausgestaltung entschieden. Der DHV bereitet aktuell eine Klage gegen diesen Schiedsbeschluss vor.

    Weitere Informationen im aktuellen Blog des FlowBirthing Internetportals unter FlowBirthing – Das Internetportal für eine bewusste Geburt und Schwangerschaft

    #223285

    Deutscher Hebammenverband klagt gegen Schiedsbeschluss
    Gravierende Mängel sollen vor Gericht geklärt werden

    Der Deutsche Hebammenverband e.V. (DHV) hat aktuell vor dem Berliner Sozialgericht Klage gegen den Beschluss der Schiedsstelle erhoben, die im September zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und den Vertreterinnen der Hebammen vermitteln sollte. Die Schiedsstelle hat über den Vertrag über die Versorgung mit Hebammenhilfe nach § 134a SGB V entschieden und dabei sowohl Änderungen zum Haftpflichtkostenausgleich vorgenommen als auch Ausschlusskriterien für Geburten im häuslichen Umfeld eingeführt. Der Hebammenverband hat jetzt Klage erhoben, weil der Beschluss der Schiedsstelle nach seiner Auffassung rechtswidrig und damit aufzuheben ist. Insbesondere die Ausschlusskriterien für Geburten im häuslichen Umfeld wurden nach Meinung des DHV willkürlich festgesetzt, ohne deren wissenschaftliche Grundlage, Bedeutung und Relevanz zu überprüfen. Auch der Haftpflichtkostenausgleich wurde nach Einschätzung des DHV nicht im Sinne der neuen gesetzlichen Regelungen zum Sicherstellungszuschlag festgelegt. Der durch die Schiedsstelle festgesetzte Vertrag enthält insgesamt so viele Mängel und Lücken, dass er nicht anwendbar ist. Freiberufliche Hebammen sind deshalb in ihrer Berufsausübung eingeschränkt und erhalten aktuell keinen Haftpflichtausgleich.
    „Im Konflikt mit dem GKV-Spitzenverband geht es nicht nur um unsere berufliche Kompetenz und unsere Vergütung. Wir Hebammen kämpfen um den Erhalt der Selbstbestimmung von Frauen“, sagt Katharina Jeschke, Präsidiumsmitglied und Verhandlungsführerin des Hebammenverbands. „Wir brauchen eine breite gesellschaftliche und politische Debatte dazu.“ Der Hebammenverband wehrt sich mit der Klage insbesondere gegen die erfolgte Einführung medizinisch nicht begründeter Ausschlusskriterien bei Geburten im häuslichen Umfeld. Diese sind nicht zu rechtfertigen und stellen deshalb eine unzulässige Einschränkung dar. Frauen müssen aktuell in den meisten Fällen die Hausgeburt selbst bezahlen. Es wird nun Aufgabe des Gerichtes sein, die Schiedsstelle aufzufordern, die Ausschlusskriterien mit notwendiger Fachexpertise zu beurteilen.
    Der Sicherstellungszuschlag wurde gesetzlich neu festgelegt, um Hebammen, die aufgrund weniger Geburten die Haftpflichtkosten nicht erwirtschaften können, finanziell abzusichern. Das Ziel dabei war, die Versorgung mit freiberuflicher Hebammenhilfe zu sichern. Die Schiedsstelle hat nun den bisherigen Haftpflichtausgleich für Hebammen abgeschafft und den Sicherstellungszuschlag für alle Hebammen eingeführt. Dies ist nach Auffassung des Hebammenverbandes nicht der Wille des Gesetzgebers.
    Der vom GKV-Spitzenverband vorgelegte Vertrag enthält zudem so viele Fehler, dass er nicht anwendbar ist. Dadurch kann ein Großteil der freiberuflichen Hebammen aktuell keinen Haftpflichtausgleich mehr erhalten. Die Vorgaben zur Beantragung sind unvollständig und entsprechen in weiten Teilen nicht der Abrechnungspraxis der Hebammen. Katharina Jeschke meint dazu: „Die Taktik des GKV-Spitzenverbands ist deutlich: Sie wollen freiberufliche Hebammen quasi aushungern. Sie schaffen Regelungen, die es freiberuflichen Hebammen erschweren, überhaupt noch Geburtshilfe anzubieten.“ Freiberufliche Hebammen betreuen jährlich fast ein Viertel der Geburten in Deutschland, die meisten davon in Kliniken als sogenannte Beleghebammen.

    Kontakt und weitere Informationen:
    Deutscher Hebammenverband e. V.
    Pressestelle
    Nina Martin
    E-Mail: presse@hebammenverband.de

    #224220

    Es ist Zeit für Empörung. Der Schiedsspruch ist ein massiver Eingriff in das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung und eine quasi Berufsverbot für freie Hebammen (genauere Infos hierzu im aktuellen FlowBirthing-Blog in der Rubrik „Neue Geburtskultur“ nachzulesen).

    Falls ihr selbst betroffen seid (eine Hausgeburt plant), könnt ihr gegen diese Einschränkung gerichtlich vorgehen. Der Schiedsstellenbeschluss sieht eine fachärztliche Untersuchung bei 3 Tage über Entbindungstermin und geplanter Hausgeburt zwingend vor. Frauen können aber nicht gezwungen werden, ärztliche Vorsorge in Anspruch zu nehmen. Wir hoffen von ganzem Herzen, dass viele Familien den Weg der Klage gehen, um gegen dieses absurde Ausschlusskriterium zu protestieren.Wir haben aus diesem Grund Kontakt mit der Rechtsanwaltskanzlei „Leiblein & Goymann“ aufgenommen.Diese sind bereit, Schwangere, Paare und Familien, die gegen dieses Urteil vorgehen möchten, bei einer Klage zu vertreten. Die Kanzlei empfiehlt dringend, für diesen Fall eine Rechtsschutzversicherung zu haben (bzw. so bald wie möglich abzuschließen, da bei manchen Versicherungen der Rechtsschutz erst 3-6 Monate nach Abschluss greift). Außerdem benötigt die Kanzlei einen schriftlichen Ablehnungsbescheid der Krankenkasse, bei der ihr versichert seid über die Kostenübernahme der Hausgeburt falls ihr keine fachärztliche Untersuchung vornehmen lasst, damit dadurch die Möglichkeit entsteht, Klage einzureichen(Krankenkasse einfach anschreiben und nach Kostenübernahme der Hausgeburt bei 3 Tage überEntbindungstermin ohne ärztliche Untersuchung fragen).Kontaktdaten der Kanzlei:Leiblein & Goymann, Hauptstraße 3, 63808 Heubach, Telefon: 06021-610090, E-Mail: info@leiblein-goymann.net

    Tut alle eurer Empörung lautstark kund!Schreibt Protestbriefe an die Krankenkasse, bei der ihr versichert seid (ihr Männer auch)!Schreibt Protestbriefe an die Vorsitzende der GKV. Wendet euch an die für euch zuständigen MdB und MdL und an Herrn Gröhe! Zu diesem Beschluß konnte esnur kommen, weil die Politik die Augen verschließt!Eine super gute Website: Protest – Hebammen für Deutschland ! Dort findet ihr vorformulierte Briefeund Adressen, an die diese Briefe verschickt werden können (GKV, Politiker, Krankenkassenvorsitzende usw.). Mobilisiert andere Familien, Eltern und Freunde, dasselbe zu tun! Engagiert euch bei Aktionen vor Ort oder schreibt auf die Facebook-Seite von FlowBirthing, so dass dort eine Welle der Empörung sichtbar wird. Vielen Dank!

Ansicht von 11 Beiträgen - 1 bis 11 (von insgesamt 11)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.