Was ist mit Frauen, die das Glück einer natürlichen Geburt nicht hatten?

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Dieses Thema enthält 2 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Kristina Marita Rumpel Kristina Marita Rumpel 06.11.2015 um 19:23.

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    Doreen Heide, von FEMBooks fragt: „Ich selbst hatte zum Glück zwei unkomplizierte natürliche Geburten, habe aber Freundinnen und Bekannte, die aus verschiedensten gesundheitlichen Gründen auf eine Kaiserschnittgeburt ausweichen mussten, obwohl sie eine normale Geburt wünschten. Für diese Frauen ist die Hymne an die natürliche Geburt doch sehr schmerzhaft, da sie sich so nur noch mehr als Versagerinnen fühlen. Kann Ihr Buch diesen Frauen auch etwas anbieten?“

    Für die Frage bin ich sehr dankbar. Es ist tatsächlich ein heikler Punkt, wenn wir uns über freudvolle Geburtserfahrungen austauschen, dass sich dadurch jene Frauen, die das Glück nicht hatten, verletzt fühlen. Ich kann versichern, dass ich mit diesem Thema sehr vorsichtig umgehe, da ich in keinster Weise bei den Frauen Schmerz verursachen möchte. Ich sehe es allerdings auch als Teil des kollektiven Frauenproblems an, dass Frauen, die schöne Geburtserfahrungen hatten, aus Rücksicht auf die Gefühle der anderen Frauen, darüber schweigen. So vergeben wir uns die Chance, die Kraft, die in Geburt für uns Frauen liegt, für die nächste Frauengeneration sichtbar zu machen und als real anzusehen.

    An meinem Beispiel, ich gehöre selbst zu jene Frauen, deren Wunsch nach einer natürlichen Geburt nicht erfüllt wurde und in einem Notkaiserschnitt endete, lässt sich aber erkennen, dass eine Geburt immer etwas Wundervolles ist und nicht zwangsläufig minderwertig empfunden werden muss. Wie wir die Ereignisse bewerten liegt an uns selbst. Es ist Teil des kollektiven Traumas, dass wir die jeweiligen Geburtserfahrungen gegeneinander aufstellen und eine Trennlinie zwischen uns Frauen dulden. Es ist ganz einfach ein Fakt, dass viele Frauen um die tieferen Zusammenhänge der Geburt nicht ausreichend informiert sind und waren (mich eingeschlossen damals) und ihnen daher der Weg zu einer kraftvollen Geburtserfahrung verstellt wird. Es geht also nicht allein um natürliche Geburten, sondern darum, wie sich die Frau bei der Geburt wahrnimmt, ob sie sich angenommen, gewertschätzt, liebevoll begleitet fühlt.

    FlowBirthing will mit der Selbstverurteilung von Frauen aufräumen und ihnen Mut zusprechen, dass es eben nicht die Schuld von einzelnen Frauen oder deren Versagen ist, sondern ein System auf dem Rücken der Frauen wirkt und solche bitteren Erfahrungen geradezu provoziert werden. Einzelne Frauenschicksale zählen nicht, da es bei Geburt heutzutage nicht mehr um die Kraft und Würde von Frauen bei der Geburt geht. Traumatischen Erfahrungen von Frauen in Kauf zu nehmen wider besseres Wissen, ihnen dann noch die Schuld zu geben bzw. sie damit allein zu lassen, das ist der Schmerz den es gilt hinter uns zu lassen. Das geht nicht in dem wir schweigen, sondern nur in dem wir uns liebevoll einander zuwenden. Als ob es je eine Frau gegeben hätte, die nicht ihr bestes gegeben hat und geben wird, um ihr Kind auf die Welt zu bringen! Darin zeigt sich die Frauen- ja Lebensverachtende Ausrichtung des aktuellen Geburtsgeschehens, dem FlowBirthing beherzt ein Ende setzen will, in dem es die die Dinge beim Namen nennt.

    Sicherlich gibt es auch Fälle, die trotz der allerbesten Vorbereitung und Begleitung einfach einen unerwarteten Geburtsverlauf nehmen. Ich plädiere dafür, dass wir als Frauen beginnen, uns für all jene Frauen zu freuen, die ihre weibliche Kraft bei der Geburt entdecken konnten, in der Hoffnung, dass diese in die Welt ausstrahlt. Und ich lege den Frauen, die sich durch die Geburtserfahrung in ihrer Weiblichkeit verletzt fühlen, ans Herz, ein Gefühl der Dankbarkeit, dass ihr und das Leben ihres Kindes gerettet werden konnte, zu entwickeln, ebenso wie ein Gefühl der Demut dem Leben gegenüber. Dies beinhaltet auch ein Mitgefühl für all jene Mütter, die ein Kind während der Schwangerschaft oder Geburt verloren haben oder deren Wunsch nach einer Schwangerschaft unerfüllt bleibt.

    Sich selbst freisprechen und das Leben in all seinen Facetten annehmen, darin liegt die transformierende Kraft des Urweiblichen. Urweiblichkeit ist so viel mehr als eine glückliche Geburt, auch wenn wir auf diesem Weg am leichtesten mit ihr in Kontakt kommen können. Alle Frauen sind qua ihres Frauseins an die weibliche Urkraft angeschlossen. Dieses Wissen versuche ich in meinem Buch aus der Vergessenheit zu holen.

    FlowBirthing versteht sich daher auch als Neugeburt für all jene Frauen, die sich mit ihrer Weiblichkeit wieder versöhnen wollen, als Prävention, aber auch als Weg der nachträglichen Aussöhnung mit sich selbst. Natürliche, freudvolle Geburten sind dann das Sahnehäubchen, der Weg dorthin bereits das Ziel. Und diese Erkenntnis steht allen Frauen offen. FlowBirthing will keinen Leistungsdruck erzeugen oder bewerten, im Gegenteil. Es geht um ein Gespür für den weiblichen Seelengrund und daraus die Entwicklung einer Solidarität unter Frauen und nicht Ausgrenzung, auch wenn der Fokus natürlich auf glücklichen Geburten liegt. Schon allein, damit die zukünftigen Generationen an Frauen diese wieder öfter erleben können.

    Das FlowBirthing Buch jetzt auch online zu bestellen bei FEMBooks Internetbuchhdl. http://www.fembooks.de

    #220685

    lunahim
    Teilnehmer

    Liebe Leserinnen,

    Ich wende mich an Frauen, die aus welchen Gründen auch immer einen Kaiserschnitt erfahren haben.
    Das ist zwar oft eine schwere oder gar traumatische Erfahrung. Aber nichts ist unveränderbar.

    In meiner Praxis als Heilerin habe ich einige Erfahrung mit Kaiserschnittnarben und kann sagen, dass durch energetische Behandlungen sich enorm viel verändern kann. Man geht dabei noch einmal durch verschiedene traumatische Situationen vor der Geburt und während des Kaiserschnitts, manchmal auch schon während der Schwangerschaft hindurch und es kann dabei sehr viel Heilung geschehen. Die ganze Situation, die die Frauen sonst unbewusst ständig begleitet, kann so in Frieden kommen.

    Ich arbeite ausschließlich mit Energien und allein durch das Berühren der Narbe können im geschützten Raum die betreffenden Traumen an die Oberfläche des Bewusstseins kommen. Einfach dadurch, dass sie einen Platz bekommen, gesehen und gefühlt werden können, geschieht Veränderung. Die Energien können wieder freier fließen. Denn diese tiefe und oft ja (in Eile) sehr grob gesetzte und lange Narbe, (vor allem wenn sie quer über den Bauch geht,) blockiert unter Umständen extrem den Energiefluss im Körper.
    Nicht zuletzt kann sich durch eine Behandlung auch die Narbe selbst positiv verändern.

    Ich möchte mit meinem Beitrag den betreffenden Frauen Mut machen. Es ist nie zu spät, eine unangenehme oder traumatische Situation in ihrer Wirkung auf uns zu verändern. Ein verarbeitetes Trauma kann sich segensreich auf das ganze Leben auswirken und auch im Zwischenmenschlichen unter Umständen manches wieder zum Fließen bringen.

    Von Herzen
    Luna’Him

    #222034

    Der Aktionstag Roses Revolution steht vor der Tür

    Am 25. November 2015 gedenken Frauen weltweit ihrer traumatischen Geburtserfahrungen, die sie erleiden mussten aufgrund von Gewalt in der Geburtshilfe. Die Aktion, Rosen vor den Kreißsaaltüren abzulegen, findet zum 3. Mal statt und wurde von der Organisation Human Rights in Childbirth ins Leben gerufen. Simone Vogel, eine Betroffene und Aktivistin der Roses Revolution schreibt:

    Für mich war das Ablegen der Rose ein befreiender Schritt, der mir auch geholfen hat nach vorne zu schauen. Meine Rose war ein Symbol des Mutes und der Klarheit. Wie ein unliebsamer Stachel, möchte ich beharrlich darauf hinarbeiten, dass sich die Rahmenbedingungen für Geburten in Deutschland verändern und als Frau mein Recht auf körperliche Unversehrtheit auch unter der Geburt einfordern. Meine Rose war ein Symbol des Friedens und der Versöhnung. Für mich war die Zeit des Wütens und Anklagens vorüber, es ist Keinem geholfen, wenn es zur Normalität wird, dass wir schon im Wochenbett über die ersten Schadensersatzklagen nachdenken. Und, meine Rose war ein Symbol meiner Weiblichkeit. Mein Körper gehört mir und er ist wunderbar gemacht.“

    Damit wieder mehr Frauen Geburt als urgewaltig schöne Erfahrung machen können, ist dieser Gedenktag ins Leben gerufen worden.

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