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Interview mit Andreas Winter: „Nicht altern, sondern reifen – das wäre das Optimum unserer Existenz!“

„Meiner Ansicht nach ist Altern eine physiologische Degeneration, ein Prozess, an dessen Ende der Verfall steht. Reifen hingegen wäre eine morphologische Evolution, eine stetige Verbesserung der Seinsmöglichkeit. Denken wir an Obst, bedeutet ‚reif‘, in seinem Dasein vollkommen zu sein. ‚Reif‘ wäre damit also das Optimum einer Existenz, und ‚alt‘ ihr Untergang.“ Der bekannte Diplom-Pädagoge und Coach Andreas Winter, Autor des Taschenbuchs „Die Psychologie des Jungbleibens“ und der gleichnamigen Hörbuchs, erklärt, wie wir durch die Auflösung von Stress und belastenden Mikrotraumatisierungen die biologische Uhr zurückdrehen und unseren inneren Frühling wecken können.

Mit der „Psychologie des Jungbleibens“ erscheint Ihr Anti-Aging-Ratgeber aus der erfolgreichen Psychocoach-Reihe neu als Taschenbuch sowie als Hörbuch mit Audio-Coaching. Was hat Sie zu dieser erweiterten Neuausgabe motiviert, und was dürfen Leser und Hörer Neues erwarten? 

Andreas Winter: Mir persönlich reicht es nicht, von Auflage zu Auflage kleine kosmetische Änderungen vorzunehmen. Wenn es in dem beschriebenen Themenbereich neue Erkenntnisse, Fakten und Forschungsergebnisse gibt, oder wenn sich das, wovon das Buch handelt, weiterentwickelt hat, dann ist es auch Zeit für eine völlig überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe. In diesem Falle ist es so, dass ich aufgrund meiner Recherche und Erfahrung die Dinge noch klarer auf den Punkt bringen konnte, als es mir damals vor fast vierzehn Jahren möglich war. Neu ist vor allem, den Aspekt der Stressreduktion noch praxisnäher darzustellen. Stress macht alt und krank, so behaupte ich und liefere ein Kapitel, wie man Stress wieder los wird. Das gleichnamige Hörbuch, welches ich selbst eingesprochen habe, enthält zudem noch ein paar zusätzliche Tracks zum Selbstcoaching. Der Geheimtipp darauf ist ein virtuelles Fitnessstudio, mit dem man allein mit Mentaltechniken einen Einfluss auf den Körper nehmen kann, insbesondere was Muskelaufbau und Bodyshaping angeht, aber auch zur Förderung der Beweglichkeit. 

Die Frage nach der Quelle ewiger Jugend ist uralt und beschäftigt Wissenschaftler und Philosophen seit Jahrtausenden. Welche Bedeutung hat hier die Psychologie, und wo würden Sie Ihren Ansatz im weitgefassten Spektrum der Antworten verorten

Andreas Winter: Mein Ansatz ist so grundlegend wie einfach: In der frühesten Phase unseres Empfindens erlernen wir unsere Wahrnehmungsmuster. Sogenannte Mikrotraumatisierungen, wie etwa ein verlorener Zwilling, Trauer-, Angst- oder Schamgefühle der Mutter, ein Abtreibungsversuch oder Schockerlebnisse wie bspw. ein Unfall, werden vom Kind wahrgenommen und völlig unverarbeitet abgespeichert. Durch entsprechende Trigger – das sind Erlebnisse, die durch ihre Ähnlichkeit an das Trauma erinnern – können solche Wahrnehmungsmuster zu ausgewachsenen Persönlichkeitsstörungen heranwachsen. Infolgedessen werden wir krank, altern schneller und verlieren unsere Vitalität. Die Auflösung geschieht allein dadurch, dass man das Urtrauma aufdeckt, bewusst macht und damit die Trigger unschädlich macht. Hierdurch reduziert sich die Ausschüttung von Stresshormonen, und Alterserscheinungen verringern sich wieder. Was übrig bleibt, sind die attraktiven Spuren der Reife. Wir sind hier ganz klar im Bereich der Schnittstelle von Tiefenpsychologie und Endokrinologie. Was wir erlernen und fühlen, steuert unseren Körper, ist aber subjektiv interpretierbar. Deshalb kann man auch nicht nach „Schema F“ vorgehen, sondern muss ganz individuell schauen, was einem die Vitalität raubt und wie man sie sich wieder zurückerobert. 

Während die Transhumanisten Alter und Tod mit technischen Mitteln abschaffen wollen, machen Medizin und Pharmaindustrie die Sehnsucht nach Gesundheit und Vitalität zu einem einträglichen Geschäft. Was ist eigentlich so schlimm am Altern, dass es mit allen Mitteln überwunden werden soll? 

Andreas Winter: Unsere Leistungsgesellschaft ist dadurch geprägt, dass wir möglichst produktiv und angepasst sein sollen. Wer alt ist, gilt oft als rückständig, starrsinnig, gebrechlich und unnütz, schlichtweg als leistungsunfähig und unattraktiv. Daher die große Angst vor dem Alter. Doch je mehr wir vortäuschen, dass wir noch fidel wie ein Turnschuh sind, desto unauthentischer wirken wir bei genauerem Hinsehen. Daher sind die künstlichen Fitmacher wie Pillen, Prothesen und Kaschierungen wie ein Bumerang, der einem an den eigenen Kopf zurückfliegt. Je mehr man sich gegen das Altern wehrt, desto mehr wehrt man sich gegen das Leben, so sage ich. Das bedeutet: Wenn wir wirklich Respekt, Anerkennung und einen sinnvollen Platz in der Gesellschaft haben wollen, sollten wir nicht herumtricksen und uns selbst und andere täuschen, sondern wir sollten uns entfalten und dazu stehen, wer und wie wir sind. Hinzu kommt meiner Ansicht nach, dass wir ja rund sechs Jahrzehnte lang – vom Kindergarten bis zum Renteneintritt – fremdbestimmt leben und erst danach die Möglichkeit hätten zu leben, wie wir es wollen. Bis dahin sind aber viele von uns bereits ausgebrannt. Es geht also beim „Anti-Aging“ auch darum, sein versäumtes Leben nachzuholen. 

Warum stehen einige Menschen auch im hohen Alter noch auf der Sonnenseite des Lebens und genießen voller Vitalität all seine Freuden, während andere schon früh körperlich und geistig abbauen und resignieren? 

Andreas Winter: Einfache Antwort: Wer unter seinem Leben leidet, der verliert es bald. Wer aber noch einen guten emotionalen Grund zu leben hat, bekommt jeden Morgen einen frischen Tag dazu geschenkt – so die einhellige Meinung aller „Megasenioren“ im Alter zwischen 90 und 100 Jahren, die ich dazu befragt habe. Viele Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, bezeugen das ebenso wie diejenigen, denen die Familie, die Partnerschaft oder einfach ihr Alltag wichtig ist. 

Um die biologische Uhr gleichsam zurückzudrehen und den Alterungsprozess aufzuhalten, unterscheiden Sie zwischen Altern und Reifen, aber auch zwischen Körper und Psyche. Wie muss man sich das vorstellen, und warum soll das funktionieren?

Andreas Winter: Gemäß Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt als alt, wer das 65. Lebensjahr vollendet hat. Laut dieser Feststellung wird das Altern also nur von den erreichten Lebensjahren abhängig gemacht. Jedoch spricht man in Deutschland und auch in den USA von einem „geriatrischen Patienten“ erst ab dem 70. Lebensjahr. Mit Reife bezeichnet man zumeist das mittlere Lebensalter. Dieses ist dadurch gekennzeichnet, dass die körperliche Entwicklung vollendet und eine psychische Festigung eingetreten ist. Denken wir an Obst, bedeutet „reif“, in seinem Dasein vollkommen zu sein. Meiner Ansicht nach ist „Altern“ eine physiologische Degeneration, ein Prozess, an dessen Ende der Verfall steht. „Reifen“ hingegen wäre eine morphologische Evolution, eine stetige Verbesserung der Seinsmöglichkeit. „Reif“ wäre damit also das Optimum einer Existenz, und „alt“ ihr Untergang. Einige fortschrittliche Wissenschaftler sprechen beim Altern auch von einer Zellvergiftung. Altern ist somit ein biologischer Prozess, der zu einer verminderten Fähigkeit des Individuums führt, die auf den Organismus einwirkenden Belastungen auszubalancieren; eine Art Anpassungsunvermögen, welches zum Tode führt. Ich sage: Solange Sie reifen, altern Sie nicht; altern Sie, entwickeln Sie sich nicht optimal weiter. Daher gibt es so viele Senioren, die sich unserer Bewunderung gewiss sein können, leider aber auch erst recht viele Menschen, die im „mittleren Alter“ bereits „verbraucht“ wirken. Wir altern von dem Zeitpunkt an, ab dem wir in unserer Reife eingeschränkt werden. Wenn man einem chronisch Kranken dazu verhilft, keinen Stress mehr zu empfinden – nicht temporär durch eine Meditation oder Beruhigungspille, sondern grundsätzlich, durch das Auflösen eines Musters –, gesundet er meist wieder, und das sieht man ihm auch an. 

Wie in Ihren anderen Ratgebern ist der Grund für Krankheit und Selbstzerstörung oft darauf zurückzuführen, dass die Psyche nach einer bestimmten Formel tickt, die Sie den „Algorithmus der Psyche“ nennen. Was hat es damit auf sich, und wie hilft das beim Therapieren von Krankheiten? 

Andreas Winter: Der Algorithmus, der da lautet „die eigene Absicht möglichst widerstandsfrei zu verwirklichen“, wird schlicht und einfach unterschätzt. Die Psyche lässt sich in ihrem Bestreben nicht aufhalten. Der Widerstand entsteht durch das subjektive Gefühl von „Ohnmacht“, also nicht etwa Bewusstlosigkeit, sondern im Sinne von: keine Chance zu haben, auf dem eingeschlagenen Weg seine Absicht zu erfüllen, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn man einem Menschen etwas verbietet, dann sind die häufigsten Reaktionen: Er nimmt es sich mit Trotz oder auch Gewalt, oder aber er verzichtet kummervoll darauf, um weitere Einschränkungen – etwa Strafe) – zu vermeiden. Verbietet man einem Menschen z. B. Schokolade, nachdem man ihn darauf konditioniert hat, Süßigkeiten wären eine Belohnung und/oder ein Zeichen emotionaler Zuwendung, bekommt er entweder a) ein Übergewicht, weil er heimlich nascht (Trotz), oder b) Karies, weil er beim Essen aus Angst übermäßig viel Säure (durch Stresshormone wg. eines Schuldgefühls) entwickelt, oder aber c) er beginnt Übergewichtige zu verachten, um dem Richter im eigenen Kopf nicht zu widersprechen (Konformismus). Fühlt sich ein Mensch gefangen, etwa als Kind in der Schule oder als Erwachsener in der Arbeit, dann wird er entweder innerlich rebellieren oder aufgeben – beides kostet Lebenszeit. Lassen Sie einen Menschen während der ganzen Kindheit spüren, er sei ungewollt und der Liebe nicht wert, was glauben Sie, wie er im Laufe des Lebens dann aussieht? Strahlend glücklich und vorbildlich zufrieden? Wohl kaum.

Beheben lässt sich diese Misshandlung durch eine emotionale Neubewertung der erlittenen Abwertung. Dafür braucht man bestimmte Techniken, die mittlerweile zur Verfügung stehen. Nicht so kompliziert wie Hirnchirurgie, aber für den Laien ohne Vorwissen fast unmöglich. Wenn ein Mensch lernt, sich auf Veränderungen absichtlich einzustellen, entsteht kein chronischer Stress. Das kann man selbst testen: Wenn der Sommer vorbei ist und die Temperaturen sinken, bekommen viele Menschen eine Grippe. Das ist die Folge einer stressbedingten Abwehrschwäche. Wenn Sie aber den Sommer über in der Antarktis verbracht haben und nun ins 30 Grad wärmere Deutschland kommen, laufen Sie eine Woche lang ohne Jacke herum und bekommen keinen Schnupfen. So ist es auch mit den Traumata aus der Kindheit: Wenn man sie von einem anderen Standpunkt aus betrachtet, werden sie unschädlich. 

Zu den oft verblüffenden Beispielen aus Ihrer erfolgreichen Praxis gehört auch Ihre eigene Geschichte. Sie erhielten 2019 eine Krebsdiagnose und konnten die Krankheit trotz lebensbedrohlicher Rückschläge besiegen. Wie haben Sie das geschafft, und was raten Sie anderen Menschen in solch einer Situation? 

Andreas Winter: Als Erstes muss man wissen, wie ich es geschafft habe, als absolut glücklicher und zufriedener Mensch plötzlich todkrank zu werden. Ich halte das für ungewöhnlich. Aber auch ich hatte ein im Verborgenen lauerndes Mikrotrauma aus der Zeit der Embryonalentwicklung. Wie ich sagte, spürt ein Fötus alles, was die Mutter spürt, und bezieht es ungebremst auf sich. Durch einen starken Trigger wurde diese Wunde vor wenigen Jahren aufgerissen und verursachte stressbedingt Krebs. Den wäre ich wahrscheinlich auch wieder ganz natürlich losgeworden, wenn ich den Trigger unschädlich gemacht hätte. Das hatte ich aber versäumt und unterschätzt. Plötzlich war ich auf eine schnelle Lösung angewiesen. Ärzte halfen mir, die Tumoren rasch zu beseitigen, sodass ich mit etwas Traumaarbeit, wie ich sie in meinen Büchern beschreibe, den Rest erledigen konnte.

Grundsätzlich meine ich: Wenn man wie ich zu faul oder gar zu blind ist, seinen emotionalen Stress zu bearbeiten, sollte man in der Zeit keinerlei Säurebildner zu sich nehmen. Der Körper braucht nicht noch mehr Belastung. Zucker, Weißmehl, Fleisch und Kaffee sofort streichen, sich strikt basisch ernähren und viel trinken – dann kann man sich weiter ärgern und quälen, ohne Krebs zu bekommen. Oder aber man geht das Problem an und kann dafür weiterhin „die Sau rauslassen“. Beides geht. Ich empfehle einen gesunden Mix aus beidem zusammen: sich belastungsarm ernähren und seine Probleme lösen.

Buch-Tipp:
Andreas Winter: Die Psychologie des Jungbleibens. So drehen Sie Ihre biologische Uhr zurück. Mankau Verlag, 1. Aufl. Februar 2022, Taschenbuch, 12 x 19 cm, 190 Seiten, 12,00 Euro (D) / 12,40 Euro (A), ISBN 978-3-86374-649-0

Hörbuch-Tipp:
Andreas Winter: Die Psychologie des Jungbleibens. So drehen Sie Ihre biologische Uhr zurück. Mankau Verlag, 1. Aufl. Februar 2022, 1 MP3-CD im Jewelcase, Gesamtlaufzeit ca. 342 Min., 8-seitiges Booklet, 18,00 Euro UVP (D/A), ISBN 978-3-86374-648-3

Link-Empfehlungen:
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