„Regionale Heilpflanzen rücken immer stärker in den Fokus“ – Interview mit Dr. med. vet. Dorina Lux

„Schon unsere Vorfahren haben ihre vierbeinigen Begleiter mit heimischen Heilpflanzen erfolgreich und auf natürliche Weise bei Krankheiten und Beschwerden behandelt, und die hohe Wirksamkeit der Pflanzenstoffe wird mittlerweile in zahlreichen wissenschaftlichen Studien bestätigt.“ Tierärztin Dr. med. vet. Dorina Lux, Autorin des Kompakt-Ratgebers „Grüne Hausapotheke für Hunde“, hat sich in ihrer mobilen Praxis auf Naturheilkunde spezialisiert. „Im Gegensatz zu herkömmlichen Arzneimitteln sind Heilpflanzen, die vor unserer Haustüre wachsen, keinen Lieferengpässen oder Produktionsstopps unterworfen, sondern stets zuverlässig verfügbar und dabei oft besser verträglich.“ Im Interview erläutert die Veterinärmedizinerin die Vorteile der Anwendung von regionalen Heilpflanzen, abgestimmt auf den Patient Hund.

Hunde gelten als die treuesten Freunde des Menschen und begleiten diese bereits seit mehr als 15.000 Jahren. Wie ist es in dieser langen Beziehung gelungen, dem geliebten Vierbeiner ein gesundes Leben zu ermöglichen?

Dr. med. vet. Dorina Lux: Zur Zeit der Domestikation unserer Hunde gab es noch keine chemisch hergestellten Arzneimittel oder aufwendigen Operationen. Stattdessen verwendeten die Heilkundigen der damaligen Zeit vor allem Heilpflanzen zur Behandlung von Krankheiten. Die Phytotherapie ist also eine der ältesten Behandlungsmethoden, nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Hund.

Sie haben sich als Tierärztin auf ganzheitliche Medizin und Naturheilkunde bei Kleintieren spezialisiert und kombinieren in Ihrem Kompakt-Ratgeber sowohl altes Wissen als auch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse über Heilpflanzen. Was ist das Besondere an der „Grünen Hausapotheke für Hunde“?

Dr. Lux: Das Besondere an der „Grünen Hausapotheke für Hunde“ ist, dass Hundebesitzer auf der einen Seite erfahren, wie sie ihrem Hund im Krankheitsfall selbst helfen können und wann sie zum Tierarzt müssen. Und auf der anderen Seite erhalten sie Informationen über Heilpflanzen und Rezepte zur Zubereitung, die speziell auf den Hund als Patient abgestimmt sind.

Tiere wissen meist instinktiv, was ihnen wann guttut. Woher stammt das tiermedizinische Wissen darüber, welche Heilpflanzen bei welchen Erkrankungen wirksam sind?

Dr. Lux: Das Wissen über Heilpflanzen entstammt ganz unterschiedlichen Quellen. Zum Beispiel aus den Beobachtungen von Wildtieren, die bei Erkrankungen bestimmte Pflanzen bevorzugt fressen. Aber auch aus dem vorsichtigen Ausprobieren von Heilpflanzen und ihrer Wirkung in Antike und Altertum. Und in neuerer Zeit durch Untersuchung der chemischen Zusammensetzung von Heilpflanzen und experimentellen Studien zur Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe.

In die „Grüne Hausapotheke“ haben Sie sich auf Pflanzen und Kräuter aus der heimischen Umgebung konzentriert. Welche Vorteile hat deren Anwendung gegenüber herkömmlichen Arzneimitteln?

Dr. Lux: Die Anwendung heimischer Heilpflanzen – im Sinne von Heilpflanzen, die unter unseren klimatischen Bedingungen wild wachsen oder im Freiland kultiviert werden können – hat den Vorteil, dass ihre Anwendung ökologisch sinnvoll ist. Weder müssen sie um die ganze Welt transportiert werden, noch werden sie unter hohem Energieaufwand produziert. Besonders seit Beginn der Corona-Pandemie sehen wir auch, welche Probleme die global verteilte Herstellung vieler Arzneimittel hat: Immer wieder sind viele Medikamente über einen längeren Zeitraum nicht lieferbar. Dieses Problem existiert nicht, wenn ich die Heilpflanzen im eigenen Garten kultiviere oder auf einem Hundespaziergang sammle und anschließend selbst trockne.

In der landwirtschaftlichen Tierhaltung wird die Anwendung von Heilpflanzen seit Jahrhunderten praktiziert. Wie kam es dazu, dass diese nun zunehmend auch in der Hundehaltung eingesetzt werden?

Dr. Lux: Vermutlich werden Heilpflanzen bei Hunden sogar schon länger angewendet als bei landwirtschaftlichen Nutztieren, da sie bereits früher domestiziert wurden. Im Zuge der Industrialisierung und der Umstellung auf chemisch hergestellte Arzneimittel ist das Wissen darum nur leider in Vergessenheit geraten. Doch durch die Rückbesinnung auf regionale, unverarbeitete Produkte, auch zum Beispiel im Lebensmittelbereich, sind die Heilpflanzen auch bei unseren Tieren wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt.

Sie schreiben, dass viele leichte, aber auch schwerwiegende Erkrankungen erfolgreich mit Heilkräutern behandelt werden können. Welche sind diese, und kann die Behandlung auch vom Hundehalter selbst durchgeführt werden?

Dr. Lux: Schwerwiegende Erkrankungen sollten selbstverständlich vom Tierbesitzer niemals allein, sondern immer in Zusammenarbeit mit einem Tierarzt oder -heilpraktiker erfolgen. Dazu zählen zum Beispiel Magengeschwüre und Tumorerkrankungen. Viele leichte Erkrankungen wie Durchfall, Erbrechen oder Husten können, sofern sie nicht mit einer sichtlichen Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens einhergehen, von den Hundebesitzern sehr gut selbst therapiert werden.

Tiere und besonders Hunde verfügen bekanntlich über besonders feine Sinne. Wie und in welcher Zubereitung verabreicht man die Heilkräuter am besten, um eventuelle Abneigung oder sogar Abwehr zu überwinden?

Dr. Lux: Die meisten Hunde fressen frische oder getrocknete Kräuter bereits problemlos, wenn man sie unter das normale Futter mischt. Aber auch flüssige Zubereitungsformen wie Tee, Frischpflanzen-Presssaft und Glycerin-Extrakte – wie man einen solchen unkompliziert selbst herstellen kann, beschreibe ich in meinem Buch – lassen sich mit dem Futter mischen oder mit einer Spritze eingeben. Besonders der Glycerin-Extrakt wird gerne auch pur geschleckt, weil er süßlich schmeckt.

Buch-Tipp:
Dr. med. vet. Dorina Lux: Grüne Hausapotheke für Hunde. Heimische Heilpflanzen sicher anwenden. Kompakt-Ratgeber. Mankau Verlag, 1. Aufl. April 2022, Klappenbroschur, farbig, 11,5 x 16,5 cm, 158 Seiten, 12,00 Euro (D) / 12,40 Euro (A), ISBN 978-3-86374-641-4

Link-Empfehlungen:
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