„Als ganzheitliche Trainingsmethode wirkt Pilates vorbeugend und heilend und ist für unser modernes Leben ideal!“

Interview mit den beiden Sportpädagogen und Pilates-Experten Christopf Baur und Bernd Thurner

„Im Pilates-Training wird besonderer Wert auf die bewusste Körperwahrnehmung und Bewegungsausführung, den Wechsel von Anspannung und Entspannung sowie auf mentale Konzentration und Präsenz gelegt. Durch diese ganzheitliche Herangehensweise ist Pilates – gerade bei den heute weitverbreiteten Beschwerden, wie etwa chronischen Rückenschmerzen oder psychischen Erkrankungen – die ideale Trainingsmethode für körperliches und seelisches Wohlbefinden.“ Die beiden Sportpädadgogen Christof Baur und Bernd Thurner, deren erfolgreicher Pilates-Ratgeber nun im praktischen Kompakt-Format erscheint, erklären im Interview, warum die Bewegungslehre nach Joseph H. Pilates auch nach hundert Jahren nichts von ihrer Aktualität und ihrem Wert eingebüßt hat."

Pilates ist seit vielen Jahrzehnten ein Klassiker unter den Fitnessübungen und fester Bestandteil vieler Präventions- und Rehabilitationsprogramme. Was ist die besondere Idee, die Sie in Ihrem neuen Kompakt-Ratgeber verfolgen?

Bernd Thurner: Unser größtes Anliegen ist es, die Ideen von Pilates möglichst leicht verständlich und kompakt zu vermitteln. Die theoretischen Gedanken und Inhalte werden im Kapitel „Körperschule“ unmittelbar in die Tat umgesetzt. Die eigene Körperwahrnehmung und die qualitative Ausführung der Bewegung sind der Schlüssel zum Erfolg. Diese „Idee“ wird in allen Kapiteln beschrieben und praktisch durchgeführt. Hierfür bieten wir zwei Übungsprogramme an. Jeder Übungsschritt ist mit Bild und Text festgehalten. Der Leser sollte sich zunächst die Zeit nehmen, die Übungsabläufe genau zu studieren.

Die ganzheitliche und funktionelle Betrachtung des Körpers ist die ideale Grundlage für ein ausgewogenes und individuelles Training. Wie wird dies bei den Pilates-Übungen konkret umgesetzt?

Christof Baur: Grundsätzlich ist beim Pilates-Training nicht der Muskel, sondern die Bewegung das primäre Ziel. Es müssen immer mehrere Muskelgruppen zusammenarbeiten, um eine Bewegung oder eine Bewegungsfolge korrekt auszuführen. Entsprechend kommt den Bewegungsanweisungen bei den einzelnen Übungen eine hohe Bedeutung zu. Die Übungen wurden von uns unter ganzheitlichen und funktionellen Aspekten so zusammengestellt, dass sie maximalen Effekt erzielen.

Der moderne Alltag ist geprägt von Zeitdruck, geistiger Höchstleistung und körperlicher Inaktivität. Dabei wird die oft fehlende Körperwahrnehmung und -beherrschung zur Ursache zahlreicher Beschwerden. Welche sind dies, und wo kann Pilates vorbeugend oder sogar lindernd eingesetzt werden?

Christof Baur: Vor allem chronische Rückenschmerzen und psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Pilates kann hier in jeglicher Hinsicht vorbeugend und heilend wirken. Neben dem körperlichen Training der Rumpfmuskulatur setzen die Übungen auch die mentale Konzentration auf die Bewegung voraus. Diese führt nachweislich zu einer Beruhigung des Geistes. So können zum Beispiel die bei einer psychischen Überforderungssituation häufig auftretenden „kreisenden Gedanken“ gestoppt werden.

Die Qualität der Übungsausführung ist entscheidend für die Wirkung des Trainings. Wie findet man als Anfänger seinen persönlichen Trainingsplan, und kann man auch „zu viel“ üben?

Christof Baur: Gerade Anfänger sind am Anfang häufig sehr motiviert. Sie wollen in einer Woche nachholen, was sie jahrelang versäumt haben. Das kann nicht funktionieren. Unser einfacher Rat: Halten Sie sich an die Empfehlungen im Buch. Wenn Sie Schritt für Schritt nach dem Buch arbeiten, haben Sie am Schnellsten Erfolg. Wer zu viel übt, überfordert sich und hat bald keine Lust mehr. Das Wichtigste ist der Spaß am Training.

Richtig angewendet ist Pilates eine Trainingsmethode für Menschen aller Fitnessstufen und jeden Alters. Gibt es auch Menschen, denen Sie von Pilates abraten? Und wenn ja, was wäre eine Alternative?

Christof Baur: Sollten Sie akute oder chronische Beschwerden oder Erkrankungen haben, empfehlen wir Ihnen, in jedem Fall zunächst Ihren Arzt zu aufzusuchen. Er wird entscheiden, ob irgendwelche Kontraindikationen vorliegen. Sollte das der Fall sein, ist natürlich eine passende Therapie sinnvoll. Bewegung unter Anleitung eines Bewegungsfachmanns ist heute für praktisch alle Erkrankungen eine sinnvolle Therapieoption.

Nur wer geistig-seelisch vollkommen präsent ist, könne seinen Körper bewusst und wirkungsvoll trainieren, heißt es bei Pilates. Wie lässt sich diese Voraussetzung erreichen, und welche Prinzipien sind dabei wesentlich?

Bernd Thurner: Um geistig-seelisch vollkommen präsent zu sein, müssen im ersten Schritt zunächst die richtigen äußeren Rahmenbedingungen geschaffen werden. Unser moderner Alltag ist durch die Gleichzeitigkeit vieler Handlungen charakterisiert. In vielen Fitnessstudios werden beispielsweise Monitore angeboten, um sich vom Training abzulenken. Das widerspricht dem Grundgedanken von Pilates; es ist daher sinnvoll, für eine ruhige Umgebung und den notwendigen zeitlichen Freiraum zu sorgen. Der Übende soll lernen, auf die Signale des eigenen Körpers zu hören und diese bewusst zu steuern. Ein wichtiges „Steuerungsmittel“ ist dabei die Atmung: Über die gezielte Atmung können wir unseren Körper sowohl aktivieren wie auch entspannen und unser vegetatives Nervensystem stärken.       

Woran kann man eigentlich feststellen, ob man das Anfängerstadium hinter sich gelassen hat und bereit für ein fortgeschrittenes Übungsprogramm von Pilates ist?

Bernd Thurner: Anfänger sollten zunächst problemlos die acht Grundübungen der Körperschule beherrschen und sich dann schrittweise an höhere Belastungen gewöhnen. Jede ungewohnte Trainingseinheit hinterlässt Reaktionen im Körper. Die ersten Pilates-Einheiten werden daher ein bis zwei Tage nach dem Training ein gewisses Spannungsgefühl in der Muskulatur verursachen. Der Körper wird sich allerdings bei regelmäßigem Training rasch an die neue Belastung anpassen und die Übungen werden als „leichter“ empfunden. Wir empfehlen Anfängern, etwa 16 bis 20 Übungseinheiten im Anfängerstadium zu absolvieren und die Bewegungsabläufe zu optimieren. Anschließend ist es sinnvoll, das Niveau anzuheben, um dem Körper neue Trainingsanreize zu bieten und entsprechende Anpassungen zu ermöglichen.     

Buch-Tipp:
Christof Baur und Bernd Thurner: Die besten Pilates-Übungen - Für Anfänger und Fortgeschrittene - Kompakt-Ratgeber. Mankau Verlag, 1. Aufl. März 2016. Klappenbroschur, 11,5 x 16,5 cm,  zahlr. Farbfotos, 127 S. / 7,99 Euro (D) / 8,20 Euro (A) /ISBN 978-3-86374-272-0

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