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Interview mit Dr. Norbert und Gertrud Weidinger: „Verankert sein in etwas, das größer ist als der Mensch“

„Aus psychologischer Sicht haben Rituale und Symbole die Kraft, eine heilsame Verwandlung im Menschen anzubahnen, eine Einstellungsveränderung oder einen Sinneswandel auszulösen. Aus theologischer Sicht begegnen sich dabei Mensch und Gott – Symbole bilden die Brücke, über die Glaubende miteinander und mit Gott in Verbindung treten. Dieses Berührt-Sein weckt in uns heilende Kräfte wie Hoffnung, Zuversicht, Gelassenheit und das innere Wissen, dass alles ein gutes Ende nimmt.“ Dr. Norbert Weidinger und Gertrud Weidinger, Autoren des Ratgebers „Die Heilkraft christlicher Rituale und Symbole“, gehen auf die Suche nach tragenden Ritualen und Symbolen für alle, die nach Tiefe im Leben, Sinn und Orientierung suchen.

Sie haben bereits zahlreiche gemeinsame Bücher zu den Themen Symbole und Rituale in Alltag und Christentum sowie liturgische Bildung, Brauchtum und Kirchenjahr veröffentlicht. An wen wenden Sie sich mit Ihrem neuesten Werk? 

N. Weidinger: Wir möchten Menschen ansprechen, die nach Tiefe im Leben Ausschau halten, denen der Kontakt zur Welt der Rituale und Symbole – wie auch immer – verloren gegangen ist. Ihnen möchten wir einen neuen Zugang aufzeigen und sie ermutigen, in ihren All- und Fest-Tagen auf Entdeckungsreise zu gehen. Vor allem wenden wir uns jenen Zeitgenossen zu, die nach Sinnspuren und elementarer Orientierung suchen, weil sie an Wunden leiden, die ihnen das Leben geschlagen hat. Sie möchten wir stärken. 

Seit den Anfängen der menschlichen Geschichte stehen Symbole für die Polaritäten des Lebens. Sie berühren unser innerstes Wesen, dessen Tiefe in Ritualen erfahrbar ist. Welche Symbole und Rituale stehen im Mittelpunkt Ihres Buches? 

G. Weidinger: Wir konzentrieren uns auf Rituale und Symbole, die ihren Ursprung – zwischen Werden und Vergehen – in der Natur, aber auch in der Kunst, im täglichen Leben oder in alten Mythen und Märchen und nicht zuletzt in der Bibel haben; also: Wasser und Feuer, Licht und Regenbogen, Brot und Wein, Weihrauch und Öl sowie das Kreuz. Wir widmen uns ihren möglichen Licht- und Schattenseiten. Ihre Erschließung führt über die Sinne zum Sinn. 

Es geht Ihnen insbesondere um die Heilkraft christlicher Symbole und Rituale. Was verstehen Sie unter deren heilender Wirkung und worin sehen Sie ihre spezifisch christliche Bedeutung? 

N. Weidinger: Das Spezifikum christlicher Rituale und Symbole besteht für uns in ihrer Verwurzelung und in der Bezeugung ihrer heilenden Wirkung in den Glaubenszeugnissen der Bibel, vor allem aber im Leben Jesu. Symbole bilden – damals wie heute – die Brücke, über die Glaubende miteinander und mit Gott in Verbindung treten. Über sie kommen Menschen mit Gottes heilender Kraft in Berührung. Dieses Berührt-Sein weckt die inneren Heilkräfte, den „inneren Heiler“ in uns beim Beten und Meditieren, beim Einander-Segnen und Sich-segnen-Lassen und im Feiern der Sakramente. Dadurch wachsen heilsame Grundhaltungen wie Liebe, Glaube, Hoffnung und die Fähigkeit zu trösten. So lassen sich Höhen und Tiefen im Leben meistern.

Die Heilkraft der christlichen Rituale und Symbole liegt im Seelisch-Geistigen und zeigt sich oft auch im Körperlichen. So bestätigt beispielsweise die Hirnforschung die Anregung der Selbstheilungskräfte durch Beten und Meditieren. Welche Erkenntnisse sind Ihnen hier wichtig geworden? 

G. Weidinger: In der empirisch verlässlich abgesicherten „Nonnenstudie“ zur Untersuchung von Demenz- bzw. Alzheimer-Erkrankungen unter Ordensfrauen haben Hirnforscher nachgewiesen: sinnerfülltes Leben, Anpassen an Lebensbedingungen und Verankert-Sein (z. B. durch Beten, Meditieren, klösterliches Leben) in etwas, das größer ist als der Mensch selbst, wirkt sich heilsam auf die seelische und körperliche Gesundheit aus. Dieser Lebensstil verlängert die Lebensdauer und schützt vor demenziellen Erscheinungen. Doch bleibt auch dieses Leben endlich. 

Wer Rituale und Symbole lebt, bewusst lebendig erhält oder für sich neu entdeckt, vollzieht im Inneren einen Perspektivenwechsel, das heißt, er nimmt eine neue Blickrichtung ein, vollzieht einen Wandel der Sicht. Was kann das für den Einzelnen bedeuten? 

N. Weidinger: Schon aus psychologischer Sicht haben Rituale und Symbole die Kraft, die Not von Menschen zu beheben, indem sie eine heilsame Verwandlung im Menschen anbahnen, oft auch eine Einstellungsveränderung oder einen Sinneswandel auslösen. Aus bibel-theologischer Sicht begegnen sich in Ritualen und Symbolen Gott und Mensch. Aus dieser veränderten Perspektive können jedem Menschen heilende Kräfte erwachsen wie Hoffnung, Zuversicht, Gelassenheit und das innere Wissen, dass alles ein gutes Ende nimmt. 

Sie betrachten die christlichen Symbole und Rituale als konkrete Lebenshilfe, die ihre Wirkung nicht nur im liturgischen Kontext, sondern auch im Alltag entfaltet. Wie kann es gelingen, überlieferte Erfahrungen mit aktueller und konkreter Bedeutung aufzuladen? 

G. Weidinger: Wer den überlieferten, christlichen Ritualen und Symbolen auf den Grund geht und ihrer elementaren Bedeutung nachspürt, kann sie in seine aktuelle Lebensgestaltung heilsam einbinden. Er kann sich beispielsweise in der Advents- und Weihnachtszeit auseinandersetzen mit Licht und Dunkel im eigenen (Zusammen-)Leben und so den überlieferten Gestaltungsformen einen neuen Sinn abgewinnen: Es erhellt mein Leben wie das fremder Menschen, wenn ich – wie einst Martin von Tour – akute Sorge und Not wahr- und ernstnehme, mit-teile und in Wort und Tat helfe. Nur so kann immer wieder Licht und Friede werden auf Erden, können Wunden heilen.

Tipp:
Gertrud und Dr. Norbert Weidinger: Die Heilkraft christlicher Rituale und Symbole. Sinn finden – Zur Ruhe kommen – Heilung erfahren. Mankau Verlag, 1. Aufl. November 2020, Klappenbroschur, 13,5 x 21,5 cm, 214 S.; 15,95 Euro (D) / 16,40 Euro (A), ISBN 978-3-86374-576-9

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