„Die Naturheilkunde kann ein wertvoller Partner der Schulmedizin sein!“

Interview mit Sabine Ritter, Apothekerin und Heilpraktikerin, und Elisabeth Schittler-Krikonas, Ernährungsberaterin und TCM-Expertin

„Viele Menschen sind gezwungen, für eine gewisse Zeit oder auch auf lange Sicht Medikamente einzunehmen, und oftmals klagen sie über Nebenwirkungen. Doch ihnen bietet sich eine ganze Reihe natürlicher Möglichkeiten – etwa Heilkräuter, Ernährungsempfehlungen oder Entspannungs- und Yogaübungen –, die unerwünschten Wirkungen zu behandeln. Und meist macht diese Selbsthilfe auch noch richtig Freude!“

Sabine Ritter und Elisabeth Schittler-Krikonas, die Autorinnen des Ratgebers „Nebenwirkungen natürlich behandeln“, vermitteln umfassende Selbsthilfemaßnahmen, welche die häufigsten Nebenwirkungen lindern und nach einem praktischen Bausteinprinzip individuell zusammengestellt werden können.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, lautet eine schon zum geflügelten Wort gewordene Empfehlung des Medikamentenmarketings. Warum haben die meisten Medikamente überhaupt Nebenwirkungen?

Sabine Ritter: Ein Teil der unerwünschten Wirkungen von Medikamenten hängt eng mit ihrem Wirkprinzip zusammen. Viele Medikamente entfalten ihre Wirkung über Rezeptoren an der Oberfläche der menschlichen Zellen. Die jeweiligen Andockstellen der Arzneistoffe befinden sich im Körper jedoch meist an verschiedenen Stellen. Die Medikamente wirken daher nicht nur an einem erkrankten Organ, sondern auch an anderen Körperteilen. Anfällige Personen leiden dann unter Umständen unter unerwünschten Wirkungen. Allerdings können auch Placebos, also Medikamente ohne Wirkstoff, sowohl eine Wirkung als auch die unterschiedlichsten Nebenwirkungen haben. Wer beispielsweise damit rechnet, dass er unter Nebenwirkungen leiden wird, kann sein Risiko, dass sie sich einstellen, erhöhen. Manches ist eben unabhängig vom Wirkungsmechanismus von Medikamenten auch Kopfsache.

Ihr Ratgeber bietet Selbsthilfe bei leichteren Nebenwirkungen, warnt aber vor einer Selbstbehandlung ernsthafter Beschwerden bei Medikamenteneinnahme. Welche unerwünschten Wirkungen können auf natürliche Weise gelindert werden, welche nicht?

Sabine Ritter: Das kann man schlecht verallgemeinern. Es kommt oft auf den Einzelfall an. Beispielsweise wurden bei der Begleittherapie von Krebspatienten mit Akupunktur oder chinesischen Kräutern in Studien beeindruckende Erfolge erzielt. So konnten unter anderem einige Nebenwirkungen erfolgreich gelindert werden. Doch in lebensbedrohlichen Situationen muss es manchmal auch sehr schnell gehen, da ist die Schulmedizin viel effektiver als die Naturheilkunde.

Jeder Beipackzettel enthält einen geradezu erschreckenden Katalog von sehr selten bis sehr häufig auftretenden Nebenwirkungen. Wie kommt es eigentlich, dass Nebenwirkungen von Medikamenten nicht alle Menschen betreffen, die sie einnehmen?

Elisabeth Schittler-Krikonas: Einige Medikamente haben tatsächlich lange Beipackzettel mit zahlreichen Nebenwirkungen, allerdings gibt es auch gut verträgliche Arzneistoffe mit überschaubaren Listen. Jeder Mensch hat seine individuellen Schwächen. Das zeigt sich in allen Situationen des Lebens, so auch bei der Einnahme von Medikamenten. Deshalb vertragen manche Patienten Medikamente gut, und andere leiden unter ganz unterschiedlichen Nebenwirkungen. 

Insbesondere ältere oder von chronischen Erkrankungen betroffene Patienten nehmen zahlreiche und unterschiedliche Medikamente über längere Zeiträume ein. Was sollten Betroffene dabei besonders beachten?

Sabine Ritter: Vor allem müssen die Betroffenen jeden Arzt, den sie aufsuchen, über alle Medikamente und naturheilkundlichen Mittel informieren, die sie einnehmen. Denn nur so kann jeder Arzt darauf achten, dass das Risiko für gefährliche Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Wirkstoffen gering bleibt. Außerdem haben Apotheker die Möglichkeit die Medikamentenpläne von allen Patienten, also auch von chronisch kranken, auf Wechselwirkungen zu überprüfen. Sie können dem behandelnden Arzt dann bei Bedarf einen Alternativvorschlag machen. Senioren können sich darüber hinaus an geriatrische Einrichtungen wenden, die sich darauf spezialisiert haben, die medikamentöse Behandlung dieser Altersgruppe zu verbessern.

Bei Ihren Empfehlungen kombinieren Sie Kräuter-Know-how und Ernährungstipps mit verschiedenen Übungen zur Verbesserung des Wohlbefindens. Woran erkennen Betroffene, welche Maßnahmen sinnvoll für die Linderung der jeweiligen Beschwerden sind?

Elisabeth Schittler-Krikonas: Sinnvoll zur Linderung von Beschwerden ist jede Maßnahme, die Spaß macht. Deshalb haben wir uns auch darum bemüht, eine Vielzahl unterschiedlicher Vorschläge zu unterbreiten. Meist mangelt es Patienten ja einfach nur an dem Wissen, dass die Dinge, die sie gerne tun oder essen, auch noch einen medizinischen Nutzen haben. Darüber hinaus müssen sie allerdings auch etwas Geduld und Vertrauen mitbringen, denn nicht alle Maßnahmen legen über Nacht den Schalter auf Wohlbefinden um. Aber der Glaube versetzt bekanntlich Berge! Wer von „seiner“ Methode überzeugt ist, hat gute Chancen, dass sie wirkt! Besonders effektiv ist es, mehrere Elemente zu kombinieren, deshalb haben wir das Buch als Bausteinsystem aufgebaut, aus dem sich jeder das heraussuchen kann, was ihm zusagt.

Sie plädieren dafür, alternativmedizinische Verfahren zur Unterstützung einer schulmedizinischen Therapie einzusetzen, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Gibt es auch Situationen, wo diese Kooperation schädlich sein kann?

Elisabeth Schittler-Krikonas: Natürlich kann es auch Situationen geben, in denen diese Kooperation nicht sinnvoll ist. In einer Notfallsituation ist beispielsweise keine Zeit dafür. Im übrigen Alltag ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt eingebunden ist, wenn Schulmedizin und Naturheilkunde zum Wohl des Patienten gemeinsam zum Einsatz kommen. Denn einige Arzneistoffe dürfen nicht zusammen mit bestimmten Kräutern eingenommen werden. Dies gilt zum Beispiel für das Johanniskraut, das die Wirkung einiger Medikamente schwächen kann. Die Antibabypille ist hierfür ein bekanntes Beispiel.

Das Zusammenspiel von Medikamenten und Nahrungsmitteln bis heute nicht komplett geklärt. Welche Arzneien können die Aufnahme bzw. Ausscheidung von Nährstoffen verändern, und welche Lebensmittel können umgekehrt die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen?

Sabine Ritter: Die Liste der Medikamente, die die Aufnahme bzw. Ausscheidung von Nährstoffen verändern, ist lang. Hierzu gibt es hervorragende Nachschlagewerke, wo sich Ärzte und Apotheker blitzschnell informieren können. Allerdings sollte man zusätzlich eine Blutuntersuchung vornehmen und überprüfen, ob tatsächlich ein Mangel oder ein Überschuss im Hinblick auf diese Nährstoffe besteht. Die Wechselwirkungen zwischen Nahrungsmitteln und Medikamenten sind noch gar nicht vollständig untersucht. Es ist aber bekannt, dass einige Arzneistoffe beispielsweise nicht mit Kaffee, Tee, Cola oder Milchprodukten eingenommen werden sollten, weil sie sonst weniger wirksam sind. Viele Menschen wissen allerdings nicht, dass die Grapefruit die Wirksamkeit einiger Medikamente abschwächen kann. Auch Alkohol kann die Verfügbarkeit von Wirkstoffen verändern. Ferner sollten ballaststoffreiche Nahrungsmittel – darunter etwa auch Leinsamen oder das derzeit so beliebte Chia – nicht unmittelbar zusammen mit Medikamenten auf dem Speiseplan stehen.

 

Buch-Tipp:
Apothekerin Sabine Ritter / Elisabeth Schittler-Krikonas: Nebenwirkungen natürlich behandeln. Bewährte Heilkräuter, Übungen und Ernährungsempfehlungen – So lindern Sie unerwünschte Wirkungen von Medikamenten. Mankau Verlag, 1. Aufl. Juli 2017, Klappenbroschur, 16 x 22 cm, durchgehend farbig, 287 S., 20,– Euro (D) │ 20,60 Euro (A), ISBN 978-3-86374-403-8.

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