"Mit Taping können Sie Schmerzen und Verspannungen einfach "wegkleben"!"

Interview mit der Sport-Journalistin und Fitness-Expertin Nora Reim zu „Taping

„Mit Taping können Sie Verspannungen lindern, Schwellungen verringern, Verletzungen vorbeugen und ganz allgemein Ihre Beweglichkeit verbessern. Das Anlegen der kostengünstigen Tapes lässt sich mit der richtigen Anleitung und ein bisschen Fingerspitzengefühl leicht selbst erlernen und ist daher als Therapiemethode für den Hausgebrauch hervorragend geeignet.“

Die Sport-Journalistin und Fitness-Expertin Nora Reim,  Autorin des Kompakt-Ratgebers „Taping“, erklärt, wie Sie Schmerzen mit bunten Baumwoll-Klebebändern einfach „wegkleben“ und dadurch Ihr körperliches Wohlbefinden steigern können.

Immer mehr Physiotherapeuten sowie Leistungs- und Freizeitsportler schwören auf die elastischen Klebebänder am Körper. Hand aufs Herz: Handelt es sich dabei nur um einen Lifestyle-Trend oder um eine echte Therapie?

Nora Reim: Tatsächlich scheinen die bunten Baumwollbänder vordergründig wie Tattoos am Körper. Doch die farbigen Streifen auf der Haut haben es in sich: Richtig geklebt können Tapes Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich lindern, Schwellungen nach Blutergüssen verringern und typischen Sport-Verletzungen vorbeugen! Die positive Wirkung der Pflaster geht sogar so weit, dass bestimmte Taping-Verbände – etwa an der Wade von Läufern – in der Leichtathletik als leistungssteigernd verboten sind.

Woher stammt das sogenannte Taping, und seit wann ist es möglich, Sportverletzungen mit den bunten Pflastern zu behandeln?

Nora Reim: Alle modernen Formen des Tapings gehen auf den japanischen Arzt und Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase zurück. Er entwickelte aus ursprünglich „rigidem“ Taping mit starren Verbänden das sogenannte Kinesio-Taping mit elastischen Bändern zur Behandlung von Leistungssportlern. Einer seiner ersten Patienten war der niederländische Fußball-Profi Alfred Nijhuis vom MSV Duisburg, der in den 1990er-Jahren in der japanischen Liga spielte. Nach einem „Pferdekuss“ musste Nijhuis aus dem Spiel genommen und medizinisch behandelt werden. Statt Massagen und Spritzen legte ihm Kase  ein Tape auf den Oberschenkel, das seine Wirkung nicht verfehlte: Nach drei Tagen stand Nijhuis wieder auf dem Platz und führte die von Kase entwickelte Methode des sogenannten Kinesio-Tapings dann im Jahr 1998 in Europa ein.

Welche Taping-Methoden gibt es, und welche Wirkungen lassen sich dabei feststellen?

Nora Reim: Man unterscheidet das bereits erwähnte rigide Taping mit starren Verbänden von der von Dr. Kenzo Kase begründeten Kinesio-Klebetechnik mit elastischen Streifen. Beide Methoden haben ihre Berechtigung und sind jeweils abhängig vom Zweck ihres Einsatzes: Während es beim rigiden Taping um die Fixierung und Stabilisierung von Gelenken geht, können Kinesio-Tapes sowohl vorbeugend als auch bei akuten Beschwerden getragen werden. Im Gegensatz zu nicht-elastischen Materialien wie Leukoplast machen die elastischen Streifen jede Bewegung ihres Trägers mit, sind dadurch vielseitig einsetzbar und wegen ihres hohen Baumwollanteils absolut pflegeleicht.

Trotz zahlreicher positiver Rückmeldungen von Physiotherapeuten, Patienten und Sportlern ist der gesundheitliche Nutzen von Taping umstritten. Woran liegt das, und zeichnet sich möglicherweise ein Bewusstseinswandel ab?

Nora Reim: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“, sagt bekanntlich der Volksmund. Tatsächlich glaubt der Großteil der Bevölkerung immer noch, das Anlegen der Klebebänder sei eine Wissenschaft für sich und medizinischem Personal wie Ärzten und Physiotherapeuten vorbehalten. Dabei ist Taping nicht einmal Bestandteil der entsprechenden Fachausbildung! Vielmehr handelt es sich um einen Wochenendkurs, der viel Geld kostet und dessen Teilnahme letztendlich jeder „erkaufen“ kann. Zwar ersetzt Taping nicht die Therapie durch einen professionellen Physiotherapeuten, ist jedoch als ergänzende Maßnahme für den Hausgebrauch hervorragend geeignet. Außerdem sind die Baumwollpflaster frei von chemischen Nebenwirkungen, sodass beim Kleben kaum etwas schiefgehen kann.

Apropos Wirkung – mit Ihrem Kompakt-Ratgeber motivieren Sie die Leser, die Klebetechnik zu erlernen und bei körperlichen Beschwerden anzuwenden. Gibt es Risiken und Gegenanzeigen von Taping?

Nora Reim: Beim Selberkleben können Sie kaum etwas falsch machen – das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass das Tape nicht wirkt! Vermeiden sollten Sie dagegen ein zu eng angelegtes Klebeband, das die Haut einschnürt und somit das Blut im Körper staut. Bei allergischen Reaktionen wie Juckreiz oder Rötungen sollte das Band ebenfalls schleunigst wieder abgenommen werden. Ansonsten gilt: Je reiner, glatter und haarfreier der Untergrund, desto besser haftet das Klebeband am Körper!

Blau, Pink und Schwarz sind beliebte Farben für Tapes. Haben diese nur modische Bedeutung oder steckt eine spezielle Wirkung dahinter?

Nora Reim: Bei der Farbwahl scheiden sich die Gemüter: Manche Leistungssportler wie Triathlon-Profi Anja Knapp schwören auf die wohltuende Wirkung von Blau und Pink, andere wie Ringer-Weltmeister Frank Stäbler finden schwarze Tapes unter Styling-Gesichtspunkten „am coolsten“. Am besten ist es, wenn man seine Lieblingsfarbe auf der Haut trägt – und diese auch noch hilft!


Buch-Tipp:
Nora Reim: Taping. Wie Sie Schmerzen einfach wegkleben und wieder beweglicher werden. Kompakt-Ratgeber. Mankau Verlag, 1. Aufl. Februar 2017, Klappenbroschur, 11,5 x 16,5 cm, durchgehend farbig, 126 S., 8,99 Euro (D) / 9,20 Euro (A) ISBN 978-3-86374-361-1.

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