Interview mit Petra Neumayer: Wechseljahre - „Jetzt darf und sollte frau sich um sich selbst kümmern!“

„Heutzutage sind Frauen oft früher und heftiger von Wechseljahresbeschwerden betroffen als ihre Mütter und Großmütter. Ursache dafür sind die zahlreichen Umwelthormone, die unseren natürlichen Hormonhaushalt kontaminieren und irritieren. Außerdem ist es in unserer modernen Gesellschaft kaum möglich, sich als berufstätige Frau ausreichend Ruhepausen zu gönnen und die Seele baumeln zu lassen – die Folge ist eine Symptomspirale, die viele Betroffene in körperliche und psychische Erschöpfungszustände führt. Zum Glück hält die Natur für uns einen großen Reichtum an natürlichen Heilmitteln bereit, der uns hilft, die Zeit des Übergangs vital und bewusst zu meistern.“ Petra Neumayer, Autorin des Kompakt-Ratgebers „Erste Hilfe bei Hitzewallungen & Co.“, gibt ihren reichen Erfahrungsschatz an ganzheitlichen Mitteln und Methoden sowie bewährten und hilfreichen Tipps bei Wechseljahresbeschwerden weiter.

Nach zahlreichen Büchern über Nahrungsergänzungen, Alternativmedizin und Naturheilkunde erscheint nun Ihr Kompakt-Ratgeber zu Wechseljahresbeschwerden. Gibt es da einen roten Faden?

Petra Neumayer: Ja, den gibt es! Ich arbeite seit über 25 Jahren als Autorin, Medizinjournalistin und Redakteurin im Bereich der Naturheilkunde. Dabei war ich zwei Jahre lang beratend für Mädchen in der Pubertät tätig. Im Anschluss daran habe ich 2003 ein Verhütungsbuch für junge Mädchen herausgebracht und mich auch viel mit grünen Antibiotika bei Frauenleiden beschäftigt. Das Thema Hormone begleitet mich also schon – so wie übrigens jede Frau – von der Pubertät bis in die Wechseljahre ...

Frauenärzte in den USA und auch bei uns berichten, dass heutzutage die Wechseljahre häufig sehr viel früher einsetzen und teils mit heftigen Beschwerden einhergehen. Was können die Gründe dafür sein?

Petra Neumayer: Die Ursachen muss man sicherlich in der Umwelt suchen. Denn es gibt Chemikalien, die hormonähnlich wirken: Fische in den Flüssen verweiblichen, Meereskorallen sterben gleich ab. Bei uns Frauen docken diese Umwelthormone (Xenoöstrogene, Endokrine Disruptoren) unter anderem an den Östrogen-Rezeptoren an, an denen sonst nur körpereigenes Östrogen ankoppelt, um bestimmte Körperfunktionen auszulösen. Doch diese Umwelthormone wirken natürlich nicht wie die körpereigenen Botenstoffe, sondern irritieren den Hormonhaushalt und gefährden die Gesundheit.

Auf was sollten Frauen in dieser Lebensphase besonders achten und Wert legen? Gibt es bestimmte Maßnahmen oder Möglichkeiten, um den Übergang in die „Zeit nach dem Eisprung“ sinnvoll zu begleiten?

Petra Neumayer: In jedem Fall sollten die Weichen von Fürsorge für andere auf Fürsorge für sich selbst gestellt werden. Jetzt können und dürfen wir Frauen uns wieder mehr um uns selbst kümmern und vielleicht sogar noch ganz neue Seiten und Leidenschaften in uns entdecken. Innehalten, auf die erste Lebenshälfte zurückblicken und die guten Impulse, Erkenntnisse und Talente aus dieser Zeit in die zweite Lebenshälfte mitnehmen. Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie nicht mehr weiter wissen. Die Naturheilkunde hält für Sie ihren ganzen Reichtum bereit. Sinnvoll ist natürlich auch, auf eine gesunde Lebens- und Ernährungsweise zu achten, um nicht noch mehr mit den zum Teil unausweichlichen Umweltgiften kontaminiert zu werden.

Als Folge der hormonellen Umstellung können in den Wechseljahren nicht nur körperliche, sondern auch psychische Beschwerden auftreten. Welche Symptome treten dabei auf, und wie lassen sich diese ganzheitlich behandeln?

Petra Neumayer: Viele Frauen sind von Schlafmangel betroffen. Klar, wer nachts an ständigen Hitzewallungen leidet, schläft kaum. Wer ein paar Nächte hintereinander nicht mehr schlafen konnte, fühlt sich tagsüber wie ein Zombie. Dazu kommt noch der soziale Druck von außen. Wie schön wäre es, wenn wir Frauen uns nun einfach mal nur eine Zeitlang hinlegen und entspannen könnten – nach Jahrzehnten des Kindergroßziehens und des Arbeitens! Einfach die Seele baumeln lassen … Doch das geht nicht, da die meisten Frauen arbeiten müssen, um ihre Existenz zu sichern. Das sorgt für zusätzlichen Stress, und viele Frauen kommen in starke Erschöpfungszustände. Stress wirkt sich auch wiederum negativ auf die körpereigene Hormonproduktion aus. Die kognitiven Fähigkeiten lassen nach, und auch die Stimmung sinkt auf den Nullpunkt bis hin zur Depression. Es scheint schwer, aus dieser Symptomspirale wieder herauszufinden. Auch die tatsächlich gesunkenen Hormonwerte tun ihr Übriges dazu. So gilt Progesteron als das Wohlfühlhormon. In der Schwangerschaft ist es im Übermaß vorhanden, lullt die werdende Mutter in eine Schutzhülle ein und puffert Stress ab. Jetzt produziert der Körper nur noch ganz wenig Progesteron, auch dies kann sich auf die Gefühlswelt auswirken. Doch aus der Ganzheitsmedizin gibt es viele Mittel und Methoden, die jetzt helfen können. Vor allem, wenn man sie miteinander kombiniert. Heilpflanzen mit progesteronähnlichem Wirkmechanismus wie die Maca- und die Yamswurzel, Heiltees, Heilpilze, Hormonyoga und vieles mehr liefern wertvolle Impulse für die hormonelle Balance.

Es gibt rund 300 Heil- und Nahrungspflanzen mit Inhaltsstoffen, die das Hormonsystem beeinflussen und sogar die Hormonproduktion ankurbeln können. Können Sie uns ein Beispiel geben?

Petra Neumayer: Dazu müssen wir uns gar nicht in exotische Gefilde begeben, sprechen wir doch einfach über unsere heimische Karotte. Sie ist reich an Beta-Karotin und Selen und liefert viele verschiedene Phytohormone wie Diosgenin, Beta-Sitosterol, Stigmasterol, Campesterol, Scopoletin, Luteolin und Lupeol und das Vorläuferhormon Tryptophan. Diosgenin, das ist eine Stoffgruppe, die in hohen Konzentrationen auch in der Yamswurzel vorkommt und aus der das körperidentische Hormon Progesteron gewonnen wird. Die Karotte zählt mit Spargel zu dem einzig heimischen Gemüse mit hohem Diosgenin-Gehalt. Häufig werden die Wechseljahresbeschwerden von einer Östrogen-Dominanz verursacht. Nahrungsmittel mit Progesteroncharakter können da einen kleinen Ausgleich mit dem Partnerhormon schaffen. Tryptophan ist für die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin verantwortlich und kann daher hilfreich bei Schlafstörungen sein. Tipp: Abends Karottengemüse essen oder einen frisch gepressten Karottensaft trinken. Immer etwas Öl beigeben, für die fettlöslichen Vitamine.

Ihr Buch beinhaltet auch ein Kapitel über Bioidentische Hormone – wie unterscheiden die sich von der gängigen Hormon-Ersatz-Therapie (HET), und wann kommen sie zum Einsatz?

Petra Neumayer: Bei der HET werden chemisch veränderte Gestagene eingesetzt; bei den bioidentischen Hormonen werden dagegen natürliche Hormone verabreicht, die in ihrer Molekülstruktur genau den körpereigenen Hormonen entsprechen. Viele Frauenärzte meinen, dass die veränderte Molekülstruktur der Gestagene bei der HET für Nebenwirkungen und erhöhtes Risiko für Thrombosen, Brustkrebs etc. verantwortlich stehen. Es gibt Frauen, die so schwere Wechseljahresbeschwerden haben, dass nur bioidentische Hormone Beschwerdefreiheit bringen. Es ist sicher sinnvoll, sie in solchen Fällen eine Zeitlang einzusetzen, um einen echten Hormonmangel auszugleichen und so aus der Symptomspirale und tiefen Erschöpfung wieder herauszufinden.

Man spürt bei Ihrem Buch die Praxisbezogenheit, besonders auch wegen der vielen hilfreichen Tipps – wie kommt das?

Petra Neumayer: Ja, das ist richtig! Ich denke mein Buch ist eines der wenigen zu diesem Themenkomplex, das nicht aus der Feder eines theoretisierenden Mediziners stammt. Ich selbst war jahrelang von heftigsten Hitzewallungen – 60-mal pro Tag und Nacht – betroffen und habe so gut wie alle gängigen Mittel und Methoden am eigenen Leib ausprobiert. Natürlich habe ich versucht, diese Praxiserfahrung in das Buch einfließen zu lassen, ebenso die vielen Tipps, die mir in dieser Lebensphase selbst auch sehr geholfen haben.


Buch-Tipp:
Petra Neumayer: Erste Hilfe bei Hitzewallungen & Co. Heilpflanzen, Superfood und bioidentische Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden, Kompakt-Ratgeber. Mankau Verlag, 1. Aufl. Jan. 2018, Klappenbroschur, 11,5 x 16,5 cm, durchgeh. farbig, 127 S., Taschenbuch, 8,99 Euro (D) / 9,20 Euro (A). ISBN 978-3-86374-435-9. 

Link-Empfehlungen:
Informationen zum Ratgeber "Erste Hilfe bei Hitzewallungen & Co"
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